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Neue Nationalzeitung · 1909-04-23 · Heft 9 (23.4.1909) · p. Seite 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XI (1909)
Issue
Heft 9 (23.4.1909)
Date
1909-04-23
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 9 „Neue National-Zeitung" Seite 5 wenig bemessen gewesen wäre und die er weit mühe- SorGCfaSttüL loser durch einige seiner sehr geschätzten und oft Aufsehen erregenden Feuilletons in der „Neuen Freien Presse" und im „Neuen Wiener Tagblatt" erzielt hätte. Sein Verbrechen war allerdings, dass er in einer Zeit des ungestüm auftretenden Fortschrittes lebte und wie tausend andere nicht schlechte Juden für die „Beseitigung des Hebräischen aus dem Religionsunterricht in den Volksschulen" plädierte. Aber dies „Verbrechen" beging ja damals eigentlich der gesamte Kultusvorstand, dem Zuge der neuen Zeit folgend — das tut ja auch der heutige Kultusvorstand, sich dem Rückzug unserer Zeit überlassend — und dem Drucke der jüdischen Bevölkerung nachgebend. Warum also den „Religionsinspektor" Szäntö, der sich ja, wie der Artikelschreiber versichert, nur den „schönen Gehalt" erschreien wollte, als Judenbock hinstellen? Die eigentlichen Schuldigen waren: Wertheimer, Kuranda, Kompert und die gesamte fortschrittlich gesinnte jüdische Gemeinde von anno dazumal. Wer Simon Szäntö näher kannte, weiss, dass er ein begeisterter, ja idealistisch geaichter Jude gewesen, und dass er nicht aus gemeiner Gewinnsucht seine Zeitschrift, die ihm niemals etwas eintrug, herausgab, er würde sonst aus derselben, die ja in Wahrheit das Organ des Kultusvorstandes war, unter diesem Titel Kapital geschlagen haben. Nun frage man in der Gemeindestube nach, welche Subvention Szäntö für sein Blatt aus Gemeindemitteln bezog und man wird erstaunt sein über den Fortschritt, den wenigstens in dieser Richtung der Kultusvorstand von heute gegen jenen von damals gemacht hat. So bewahrte sich Szäntö denn auch seine vollste Unabhängigkeit dem Kultusvorstand gegenüber, dessen segensreiches Streben er nach Kräften föiderte, wie er andererseits dessen halbe und matte, aus schwächlichen Rücksichten ergriffene Massregeln offen und ehrlich tadelte, ohne sich von seinen wortführenden Freunden im Vorstand umstimmen zu lassen; in solchen Fällen unnachgiebig selbst gegen seinen intimen Freund Kompert, den ehemaligen Mitherausgeber der „Neuzeit" und Obmann der Unterrichtssektion des Vorstandes. Und merkwürdig, selbst die von Herrn Dr. Bierer so sehr gepriesenen Ch. D. Lippe und Peter Smolensky, sie verkehrten friedsamst und respektvoll mit Szäntö. Der letztere wusste das schriftstellerische Talent Smolenskys zu würdigen, interessierte sich mitjellinek für dessen „Haschachar" und genoss die Wertschätzung Smolenskys. Der Verfasser des Artikels „Erinnerungen eines Ehrenburschen" hat sich eben in der Zeit arg vergriffen. — Dama's als Szäntö blühte und Männer wie Wertheimer, Kuranda, Kompert, Jellinek u. A. die Wiener Gemeinde führten und sie zum Vorbilde der gesamten Monarchie machten, war man noch fange nicht zu der weisen Vorsicht vorgedrungen, „gefürchtete journalistische Demagogen durch einen schönen Gehalt sub titulo . . ." zum Schweigen zu bringen. . . . Dieser Teil unseres Blattes stellt unseren Lesern zur Verfügung, Wer der Oeffentlichkd'. in jüdischen Fragen etwas zu sagen hat, wer an die jüdische Oeffentlichkeit appellieren will, dem stellen wir diesen Raum gern zur Verfügung. Die Redaction. Zur Gründung der „Kadimah". Geehrte Redaktion! Nach Dr. B i e r e r soll es S m o 1 e n s k y gewesen sein, der den Namen „Kadima h" fand. — Das aber ist unrichtig. Als 1881 ganze Scharen jüdisch-russischer Flüchtlinge sich nach Galizien herüber wälzten, da ei schienen unter diesen auch kleine Gruppen jüdischer Studenten, welche Fähnlein vor sich hertrugen mit der Aufschrift: „Kadimah"! Diese waren es, die die Bezeichnung „Kadimah" bei uns importierten. Ein alter Jude in Brody. BRRßSPONDeNZCN Oesterreich-Ungarn. Zwei Ersatzwahlen für den Reichsrat. Lemberg, Mitte April. Allem Anscheine nach werden die bevorstehenden Reichsratswahlen in den Bezirken Böbrka-Rozdöf s. A. und Sambor-Grodek zu einen sehr hartem Kampfe führen. Die Allpolen, die anfangs als Opposition gegen die polnischen Demokraten von den regierenden polnischen Kreisen gefördert wurden, schicken sich bereits seit langem an, ihren Protektoren die Macht aus den Händen zu reissen. Nun nehmen sie auch keinen Anstand, die beiden freigewordenen Mandate, die bisher in Händen von Konservativen waren, selbst zu besetzen. Diese Rücksichtslosigkeit der allpolnischen Paitei, die sogar vor der antisemitischen Hetze nicht zurückschreckt, sollten sich fürwahr auch die anderen Parteien und Nationalitäten des Landes, vornehmlich aber die Juden, sehr merken. Während alle anderen polnischen Parteien ein Allarmgeschrei erheben, dass sich alle Polen in diesen beiden Bezirken, wo die polnischen Wähler kaum 40 Prozent ausmachen, vereinigen müssen, um den polnischen Besitzstand zu erhalten, entwickeln die Allpolen eine Wahlaktion auf eigene Faust, um ein Fait accompli zu schaffen und dann mit Hilfe ihrer Konnationalen, corrupter jüdischer Agitatoren und hauptsächlich mit den bekannten Mitteln der Bezirkshauptleute die Wahlmandate zu erobern. Es dürfte aber die Sache den Allpolen nicht so leicht gelingen, wie sie sich es vorstellen. Bereits bei den Hauptwahlen, bei denen von konservativer Seite zwei polnische Excellenzherren kandidiert wurden, ging es diesen Herren nicht so leicht. Im Wahlbezirke Bobrka erhielt Minister David von Abraham o w i c z von 6698 Stimmen 3542, somit eine Majorität von nicht einmal ganz 200 Stim,men. Für den unabhängigen Polen Breiter stimmten 1788 und für den Zionisten Dr. Malz 1269 Wähler. Gegenwärtig ist für den Bezirk von zionistischer Seite ebenfalls Dr. Malz als Kandidat in Aussicht genommen. Diesmal wird aber in diesen Bezirken auch ein ruthenischer Professor kandidieren und es dürfte allem Anscheine nach zu einer Stichwahl kommen. Ungemein schwer ist die Situation für einen jüdischen Kandidaten in Sambor-Grodek. Eine solche Kandidatur würde, abgesehen von ihren geringen

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