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Neue Nationalzeitung · 1909-04-23 · Heft 9 (23.4.1909) · p. Seite 3

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XI (1909)
Issue
Heft 9 (23.4.1909)
Date
1909-04-23
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 9 „^'eue National-Zeitung" Seite 3 auch die mit eigenem Statute versehenen Gemeinden mit Agenden überlastet, die ihnen Schwierigkeiten bereiten, weil die mit der Erledigung dieser Agenden betrauten Beamten der jüdischen Kultusverfassung und Gesetzgebung fremd gegenüberstehen und sich mit Gutachten von Rabbinern und Kultusgemeindevorständen behelfen müssen, deren Kompetenz zur Abgabe solcher Gutachten nicht gesetzlich festgelegt ist." Wir sehen dem (:emeindetage mit gespanntem Interesse entgegen, wenn wir auch von dem Misstrauen gegenüber seinen Einberufern nicht ganz frei sind. Denn wir finden in diesem energischen Anlauf zu einer zeitgemässen Organisation noch immer den veralteten Kahalgeist und den plutokratischen Zug unserer Kultusvorstände. Die „Verbandsleitungen" und der „Oberrat" werden nichts anderes sein, als die „Elite" der Kahalmacher, die dem Volke fremd gegenüberstehen und von dem kleinen Perzentsatze der Kultussteuer-Zahler gewählt sind. Wo bleibt dann das Volk? Wo bleiben die Massen, die den Kern des Judentums bilden? Eine „Gesamtorganisation", in der die Massen des Volkes keine Repräsentanz besitzen, hat keine Existenzberechtigung und müsste von jedem Volksmanne bekämpft werden. Zwei Tote. (Dr. Friedrich Elbogen. — Oskar Marmorek.) Sie hatten im Leben nichts miteinander gemein. Der Eine stammte aus dem Westen, aus Prag, der Hochburg der Assimilation, der Stadt des Kasino- Judentums; der Andere wurde am äussersten Ende Galiziens geboren und erzogen, wo das Giietto- Judentum, jüdischer Kultus und jüdische Eigenart, aber auch Not und Finsternis zuhause sind. Darum gingen auch ihre Wege nach entgegengesetzten Richtungen. <T>'//>/:-.'---' &u'Js'V ' 1*%*» Dr. Friedrich Elbogen. Dr. Elbogen versuchte einige Zeit in der sozialdemokratischen Partei eine führende Stellung zu erlangen. Es gelang ihm nicht; Herr Victor Adler wollte Niemanden neben sich dulden. Dr. Elbogen versuchte es dann mit der demokratischen Partei; hier war aber angesichts des fortschreitenden Antisemitismus nichts mehr zu machen. So blieb ihm denn nichts anderes übrig, als sich aus dem politischen Leben zurückzuziehen, für das er gewiss geschaffen war. Für seinen Tatendrang und seine Kampfeslust fand sich bald ein geeigneter Schauplatz in der Journalistik. Er gründete eine advokatorische Fachzeitschrift und publizierte in den verschiedensten Blättern aktuelle Aufsätze. Ein besonderes Objekt seiner Angriffe war der Kreditoren-Verein; er hielt es auch für angezeigt, die Staatsanwälte in Galizien zur strengeren Verfolgung der dortigen Kridatare anzuspornen . . . . '„ "° "~ Oskar Marmorek. Derartige Auslassungen des Verstorbenen hatten in der Öffentlichkeit nicht immer eine günstige Beurteilung gefunden, man war nicht geneigt, sie mit einem ernsten Masse abzumessen. Endlich fand er einen Fall, der ihm in reichem Masse Gelegenheit gab, sein reiches juristisches Wissen, seine grosse Beredsamkeit, seine politische Unerschrockenheit und seine zähe Ausdauer zu betätigen: den Fall Hilsner.

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