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Neue Nationalzeitung · 1909-04-09 · Heft 8 (9.4.1909) · p. Seite 8

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XI (1909)
Issue
Heft 8 (9.4.1909)
Date
1909-04-09
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 „Neue National-Zeitung" Nr. 8 der Trauer von den Sitzen erhoben hat, die Einverleibung dieser Kundgebung in das Protokoll. Im Einlauf befinden sich ein Dankschreiben der Kultusgemeinde Brünn für die Kondolenzkundgebung des Wiener Kultusvorstandes anlässlich des Ablebens des Ehrenpräsidenten der Brünner Kultusgemeinde, Julius Ritter von Gomperz, eine Zuschrift des Vorstandsmitgliedes Bernhard Pollack Edl. von Parnau, in welcher er mitteilt, dass er mit Rücksicht auf seinen geschwächten Gesundheitszustand sich veranlasst sehe, sein Mandat als Kultusvorrtand niederzulegen u. s. w. Die „verlassenen" Kinder. Vertreter Max Frank referiert über die Unterbringung von sogenannten verlassenen Kindern in gemeinsamer Pflege. Die Kultusgemeide leistet für eine grosse Anzahl verlassener Kinder zu den Veri flegsbeiträgen der Kommune oder anderer Körperschaften einen entsprechenden Zuschuss, um die betreffenden Kinder bei jüdischen oder überhaupt bei besseren Pflegeparteien unterbringen zu können. Wenn durch diese Massnahmen auch gegenüber den früheren Zuständen eine wesentliche Besserung (?) eingetreten ist, so kann doch nicht geleugnet werden, dass die Unterbringung solcher Kinder in einem gemeinsamen Heime unter Aufsicht einer pädagogisch gebildeten Person der Einzelunterbringung in der Regel vorzuziehen ist. Die bestehenden Waisenhäuser können hiebei nicht in Betracht kommen, weil es sich hauptsächlich um nicht verwaiste Kinder handelt. Nach dem vom Vertreterkollegium gefassten Beschlüsse sollen nunmehr zirka 30 Kinder in entsprechenden Räumlichkeiten des Vereines zur Ausspeisung armer israelitischer Schulkinder für die Bezirke XII—XV untergebracht werden und übernimmt dieser Verein auch die Ausspeisung dieser Kinder gegen ein entsprechend massiges Entgelt seitens der Kultusgemeinde. Die Ueberwachung des Heimes soll durch den Verein zur Errichtung und Erhaltung von Horten für schulpflichtige Kinder erfolgen. Die Mehrkosten, welche diese gemeinsame Unterbringung erfordert, sollen durch Heranziehung der Erträgnisse aus dem Prediger Mannheimer Kinderasylfonde und der Gottlieb und Regine Bettelheim-Widmung für ein Knabenasyl bestritten werden. Zur Leitung des Heimes wird aus der Mitte des Vereines zur Errichtung und Erhaltung von Horten für schulpflichtige Kinder ein Kuratorium eingesetzt, in welches von seiten des Kultusvorstandes die Vertreter Max Frank und Dr, Maximilian Steiner delegiert werden. Antn. d. Redaktion: Dieser Teil des offiziellen Kommuniques nat eine recht orakelhafte Fassung erhalten. Was sind denn „verlassene Kinder"? Das sind doch Findlinge, jüdische Findlinge! Man sollte den Mut haben, diese Kinder beim richtigen Namen zu nennen, statt blos schamhaft zu bemerken, dass „es sich hauptsächlich um nicht verwaiste Kinder handelt". Diese ärmsten Kinder, deren Los tausendfach trauriger ist, als das der Waisen, hat der Wiener Kultusvorstand bisher in einer Weise behandelt, wie sie einer grossen, konservativen Gemeinde nicht würdig ist. Sie werden in der Pflege christlicher Familien belassen, wo sie oft gerade in einem antisemitischen Hause erzogen werden. Der Kultusvorstand begnügt sich damit, einzelnen christlichen Pflegeeltern Douceurs zu zahlen. Eine Einflussnahme auf die kompetenten Faktoren, dass jüdische Findelkinder nur an jüdische Familien übergeben werden, wurde nicht versucht. Die Findelkinder werden in die jüdischen Waisenhäuser nicht aufgenommen, wiewohl dies zulässig wäre, denn Findelkinder sind auch Waisenkinder. So praktizieren es die musterhaften jüdischen Waisenhäuser in Lemberg und Czernowitz. Das Referat des Herrn Frank ist wenig geeignet, die bisherigen traurigen Verhältniss41 zu be sern; das sind nur kleinliche Palliativ-Mittel. Tempelvereine. Ueber das Ansuchen des Tempelvereines für Wieden und Margarethen wird in teilweiser Abänderung früher gefasster Beschlüsse dem Vereine die Genehmiugung zur Aufnahme eines Darlehens bis zum Höchstbetrage von K 60.000 erteilt. Dem Tempelvcr^in im XIX. Bezirk wird zur Bestreitung ausserordentlicher Ausgaben ein Darlehen gewährt. Dive se. Zu Mitgliedern des Bethausvorstandes für die Bezirke XVI — XVII werden die Herren Siegfried Stein und Salomon Weitzmann berufen. Subventionen werden bewilligt: Dem Vereine zur Unterstützung armer kranker Israeliten, dam Asyl für mittellose kranke Israeliten in Mcran, dem Humanitären Verein „Kinderstütze", dem Leopoldstädter Kinderspital, dem israel. Frauenwohltätigkeitsverehe „Providentia", dem Talmud Thora Vereine für die westlicheu Bezirke Wiens, dem Tempelvereine Brigiltenau, verschiedenen jüdischen Studentenvereinen und -Verbindungen, dem jüdischen Privatgymnasiiim in Ung.- ßrod ('), dem jüd. Schulvereine im X. Bezirk, der Schülerlade der 1. k. k. Staatsoberrealschule in Wien II., dem Vereine Mekize Nirdamim in Frankfurt a. M. In das Komite der Dr. Moriz Rappaport Preisausschreibestiftung werden neuerlich für die Dauer von 3 Jahren die Herren: Dr. Alfred Stern, Dr. Gustav Kohn, Wilhelm Stiassny, Dr. J. S. Bloch, Dr. Moriz Güdemann, Dr. Adam Politzer berufen. Die Eignung so mancher gewählten Herren für dieses Kuratorium ist uns nicht recht klar. Dafür sind sie aber auch sehr bescheiden. Sie lassen über ihre Tätigkeit in diesem Kuratorium Jahre hindurch nichts hören. Die zionistische Landeskonferenz. Lemberg, Ende März. (Orig. Korr.) Am 18. und 19. April findet hier die erste zionistische Landeskonferenz statt. Den wichtigsten Punkt der umfangreichen Tagesordnung bildet die Präzisierung des Verhältnisses der „reinen" zionistischen Propaganda zur Landespolitik. Seit den letzten Reichsratswahlen ist der Sireit hierüber noch nicht zur Ruhe gekommen; in vielen Kreisen herrscht die Ansicht, dass die Palästina-Arbeit vernachlässigt werde und ein Poale-Zionist hat dieser Stimmung erst jüngst in einer eigenen Broschüre sehr energischen Ausdruck verliehen. Auch wurde am zionistischen Distriktstag in Stanislau vor einigen Tagen beschlossen, für die Schaffung einer separaten jüdisch-demokratischen Partei einzutreten, aamit nicht alle Zionisten durch die Landespolitik absorbiert werden. Die Generalversammlung des Berliner ßilfsvereines. Berlin. Sonntag, den 28. März, fand im Hotel Prinz Albrecht unter dem Vorsitze des Herrn James Simon eine Sitzung des Zentralkomitees und in unmittelbarem Anschluss daran, die ordentliche Mitg.iederversammlung des Hilfsvereins der Deutschen Juden statt. Beide Versammlungen waren auch von auswärts sehr gut besucht. Der Vorsitzende gedachte zunächst der seit der vorjährigen Sitzjnsz dahingeschiedenen Mitglieder des Zentralkomitees. Besonders erschütternd wirkte die vor Beginn der Sitzung eingetroffene Nachricht, dass Herr Justizrat Lach mann (Berlin), gleichfalls Mitglied des Zentralkomitees, verstorben sei, der dem Hilfsverein seit seiner Begründung auf vielen Gebieten ein treuer Mitarbeiter gewesen. Ferner widmete der Vorsitzende den dahingegangenen Herren Gustav Tuch in Hamburg und dem führenden russischen Philanthropen Horace von Günzburg, die in dem Hilfswerk für Galizien und Russland dem Hilfsverein

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