Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XI (1909)
- Issue
- Heft 8 (9.4.1909)
- Date
- 1909-04-09
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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„Neue National-Zeitung" Seite 0 allezeit zur Seite gestanden, einen warmen Nachruf. Die Versammelten erhoben sich zur Ehrung des Andenkens der Verschiedenen von den Plätzen. Alsdann wurden gemäss dem gemachten Vorschlage die Herren Rechtsanwalt Felix Makower (Berlin), Louis Ladewig (Chemnitz) und Justizrat Berger (Königshütte) einstimmig in das Zentralkomitee kooptiert, die die Bestrebungen und Interessen des Hilfsvereins in tatkräftiger Weise schon bisner gefördert haben und durch die Kooptation mit dem Werke des Hilfsvereins nunmehr noch enger verbunden sind. Auf Anregung des Herrn Simon votiert das Zentralkomitee Herrn Jakob H. Schiff für seine hochherzige Spende von 100.000 Dollar für das Technikum, das auf Initiative des Hilfsvereins in Haifa begründet wird, seinenen aufrichtigen Dank. In der Generalversammlung der Mitglieder wurde in kurzem Abriss der Geschäftsoericht erstattet. Die Mitgliederzahl ist von 18 Ü00 auf über 20 000 gestiegen. Die Mitgliederbeiträge haben sich auf Mk 151.000 erhöht. Insbesondere bringt der Vorsitzende unter lebhaftem Beifall der Versammelten der Familie Wissotzky und Herrn Jakob H. Schiff in New-York für ihre grossherzigen Stiftungen, seinen Dank zum Ausdruck. Die Familie Wissotzky hat bereits im vorigen Jahre für das jüdische Technikum in Haifa 100.000 Rubel gewährt, und Herr Jakob H. Schiff stellt für den gleichen Zweck 100.000 Dollar zur Verfügung. Auch dem früheren Dumaabgeordneten Herrn Dr. Schmarjah L e v i n, der in der Versammlung anwesend war, sprach der Vorsitzende für seine erfolgreichen Verhandlungen in den Vereinigten Staaten zur Förderung des hochbedeutsamen Unternehmens den Dank des Hilfvereins aus. Herr Simon gibt alsdann einen kurzen Ueberblick über die Tätigkeit des Hilfsvereins in G a 1 i z i e n, Rumänien und Bulgarien. In G a 1 i z i e n subventioniert der Hilfsverein Kindergärten, eine Kreditgenossenschaft und ein Mädchen h e i m. Von besonderer Wichtigkeit aber auch besonders schwer ist es in Galizien, einem armen Lande mit geringer Industrie, der armen und verelendeten Bevölkerung Arbeitsgelegenheiten zu verschaffen und möglichst weite Kreise zur Arbeit zu erziehen. Zur Durchführung einer sozial-ethischen Aktion in Galizien, die nach dem Stande der dortigen Bildung gleichfalls von grösster Tragweite für die kulturelle und wirtschaftliche Hebung der jüdischen Bevölkerung erscheint, ist der Hilfsverein der Deutschen Juden nvt der Grossloge für Deutschland U. ü. B. B. verbunden, mit der er auf diesem wie auf einer Reihe anderer Gebiete in enger Gemeinschaft, in segensreichster Weise zusammenwirkt. In Rumänien und Bulgarien subventionierte der Hilfsverein wiederum eine Anzahl von Instituten. Er fördert das dortige Schulwesen namentlich durch Entsendung deutscher Lehrkräfte. Die Lage der Juden in Bulgarien ist verhältnissmäs-ig günstig; sie erleiden dort keine Bedrückungen. Im Gegensatz dazu haben die Juden in Rumänien von cer Ausnahmegesetzgeb'.mg, die seit Jahrzehnten auf wirtschaftlichem, politischem und kulturellem Gebiete gegen sie geschaffen wird, aufs schwerste zu leiden und ihre Lage verschlimmert sich forldauernd, da der Kampf gegen sie auf dem Wege der Gesetzgebung und durch Verwaltungsmassregeln weiter fortgeführt wird. Nach Herrn James Simon berichtet der Geschäftsführer i. E., Herr Dr. N a t h a n. über das Schulwesen des Hilfbvereins in der Türkei. Er gibt einen Ueberblick über die Grundsätze, nach denen es organisiert und aufgebaut ist. Zunächst werden, soweit möglich, Kindergärten als Fundament untergelegt; in diesem Instituten ist die Unterrichts¬ und Umgangssprache hebräisch. Zur Heranbildung von Lehrern im Orient ist ein Lehrersem i n a r in Jerusalem begründet, wo sie Art und Geist des Orients als Lebens- und Bildungsatmosphäre umgibt, ferner ebendaselbst eine Handelsrealschule, wo auch französisch und englisch gelehrt wird. Zwei grosse Aufgaben sind alsdann noch zu realisieren. Einerseits die Reorganisation der Talmud-Thoraschulen im Orient und die Gründung des Technikums. Bei den traurigen Verhältnissen Russlands war es eine der hauptsächlichsten Aufgaben des Hilfsvereins auch iu diesem Jahre die Auswanderung aus Russ and zu erleichtern. Für das russische Hilfswerk einschliesslich der Auswanderung, mussten an die 280.000 Mk ausgegeben werden. Zur Bewältigung dieser Fürsorgearbeit unterhält der Hilfsverein 36 Komitees an der Grenze, in den Hafenstädten und im Innern Deutschlands. Sodann ist noch zu erwähnen, dass die Arbeit des Komitees des Hilfsvereins durch die Rückwanderung ausserordentlich vermehrt wurde. Etwa 15—18.000 Rückwanderer, darunter zirka 10.000 aus den Vereinigten Staaten wanderten durch Deutschland nach ihren Heimatländern, insbesonders nach Russland zurück. Herr Präsident Simon macht Mitteilung von den in der Sitzung des Zentralkomitees erfolgten Kooptationen, denen die Versammlung zustimmt; er hebt noch hervor, dass das Werk des Technikums auch noch von andern Persönlichkeiten in Deutschland wie in Russland und Amerika materiell gefördert sei. GSMeiNbe=UN» VGReiNSNMftRitTCW Wien. (Lese- und Rede halle jüdischer Hochschüler.) Im Interesse der von allen Seiten propagierten Sportförderung, hat die Lese- und Redehalle Sportsektionen gegründet und bittet alle jene, die sich für Tennis- oder FusshallspLl inte essieren, ihre Anmeldung (IX.. Hörigasse 11) baldigst bekannt zu geben. Wien. Der jüdisch-akademische Juristenverein veranstaltet im Sommersemester Vorbereiten ^skurse zur rechtshistorischen und judiziellen Staatsprüfung (Juiifermiii) und lädt alle jüdischen Juristen zur Teilnahme an denselben ein. Den Mitgliedern stehen auch Lernbehelfe und eine Bibliothek zur Verfügung. Anmeldungen und Auskünfte beim Obmann jur. Max Gold, I., Universität. Wien. Bei den jüngst im Verein „B e t h - I s r a e 1" erfolgten Wahlen wurden die Herren Leo A g i d, Ignatz J o 11 s e, Dr. Karl L i f c z i s zu Vorstandsmitgliedern, Israel O r u b e r, H. Karp zu Bethausvorstehern gewählt. Bei der Konstituierung wurde Herr Max Rosen feld zum Obmann, Herr Ignatz J o 11 e s zum Obmannstellvertreter, Herr Alexander Landau zum Schriftführer, Herr David K o 1 i e b zum Schriftführer-Stellvertreter und Herr Jakob Weichselbaum zum Kassier gewählt. ALLEN WCLtKiLCN Oscar Strauss, der bereits zweimal als Botschafter in Konstantinopel fungiert hat, ist als Botschafter der Vereinigten Staaten für Japan in Aussicht genommen. Wie jedoch der „Modern View" in St. Louis berichtet, steht diese Ernennung noch nicht ganz fest. Strauss soll am japanischen Hofe eine persona non grata sein. Hoffentlich nimmt der heidnische Milodo doch nicht Anstoss an Strauss' Judentum. Die nächste Zeit dürfte hierüber Aufklärung schaffen. Eine jüdische Studenten-Enquete. Die jüdischen Studenten an den Kiewer Hochschulen veranstalten jetzt eine Enquete über die kulturelle, ökonomische und soziale Lage der jüdischen Studenten. Die versandten Fragebogen enthalten u. A. folgende Rubriken; In welcher Sprache haben Sie Ihre erste Bildung erhalten? Sprechen Sie jiddisch? Lesen oder schreiben Sie hebräisch? Welche Bücher und Zeitungen lesen Sie? Sind Sie Zionist oder Assimilant? Ein jüdischer 0berpostrat. Der Kaiser hat den mit Titel und Charakter eines Oberpostrates bekleideten Postrat Norbert L i c h t e n d o r f in Czernowitz zum Oberpostrat ernannt. Es ist dies der erste Fall in Oesterreich, dass ein Jude diese Stellung erreicht. Es ist bemerkenswert, wie der neue Handelsminister Dr. Weisskirchner durch diese Ernennung zu beweisen bemüht ist, dass er in seinem Ressort sich nur von sachlichen Momenten leiten lässt. „Jtoland". Die Suche der „ITO" (Jüdisch-Territorialistische Organisation) nach einem für eine grosszügige Kolonisation geeigneten Lande, hat ein neues Projekt zutage gefördert: Am 2. April wird das Londoner Bureau den ausführlichen Bericht einer Expedition herausgeben, welche unter der Leitung