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Neue Nationalzeitung · 1909-04-09 · Heft 8 (9.4.1909) · p. Seite 7

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XI (1909)
Issue
Heft 8 (9.4.1909)
Date
1909-04-09
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 8. „ eue National-Zeitung" Seite 7. der andern passt nicht für uns, denn wir haben in derDiaspora niemals eine einheitliche nationaleSprache gehabt und alle Versuche das Jiddisch zur allgemeinen Volkssprache aufzupäppeln, werden kläglich scheitern. Diejenigen, die diese nationale Sprachfcrderung ins nationalpoliti^che Programm aufnehmen, tuen es aus übel angebrachter Konsequenz, sie vergessen, dass die Juden überall zu den höchsten Culturen gravitieren urd dass Naturliebe nicht einzudämmen sind. Wer die Eigenart unseres Volkes kennt, muss auch erkennen, dass wir trotz diesem Triebe, trotz cultureller Assimilation doch niemals und fast nirgends aufgehört haben, im Meer der Völker ein deutlich unterscheidbarer Strom zu sein. Zionismus oder Landespolitik? Nein. Zionismus und Landes]:olitik! Nur verlange man nicht, dass die wenigen Arbeitskräfte auf beiden Gebieten arbeiten und wenig leisten. Hier wie »iberall gelte des Princip der Arbeitsteilung. Jeder arbeite nach seiner Individualität Eine Zusammenfassung der Kräfte nach diesen zwei Richtungen, eine stramme Organisation beider Gruppen besonde s wird erspriesslicher sein, als das Diletieren auf beiden Gebiete:'. Man kann die Pflichten eines organisierten Zionisten erfüllen, ohne an der Spitze zu marschieren. Man kann da ein schlichter Schekelzahler sein und alle zionistischen Institutionen mit Herz und Geld fördern, aber man kann doch in der politischen Organisation das Wort führen. Ebenso auch umgekehrt. Die für Zionismus allein schwärmen, muss man sich näher besehen. Ein Theil meint es ehrlich, es ist der überwiegende Theil. Es gibt aber auch etwelche, die den Zionismus als Aus Ii ä ng e s c h i 1 d für „gutes Judenthum" brauchen, desto unangefochtener in der einträglichen, alten, verderblichen und lächerlichen sog. Assimilationspolitik machen zu können. Vor dieser Species muss gewarnt werden! . . . Die Strömung ist für Zionismus und Lanaespolitik,die, nebenbei bemerkt,für unsere thatenhungrigen Zionisten das tägliche Brod bedeutet. Die Entwicklung führt zum Guten. Der jüdischer Klub im Parlament mag viel oder wenig leisten, er hat den Ruthenen den gegen die Juden erhobenen, berechtigten Vorwurf benommen, als wenn die Juden in Galizien ausschlieslich den Polen Dienste leisten, um das ruthenische Volk zu unterdrücken. Denn es gibt einen grossen Theil der Juden, der die Helotendienste mosaischer Polen demonstrativ missbilligt. Der jüdische Klub ist aber auch ein Ansporn für die andern, besser zu werden, als sie sind. Der jüdische Klub ist eine lebendige und ernste Mahnung an jene Juden, die im Polenklub sind, dass sie Pflichten gegen ihr Volk haben, und wenn sich im Parlament des allgemeinen Wahlrechtes die Löwensteins & Cons doch ab und zu zu einer Judenrede oder zu einer jüdischen That aufschwingen, dann thun sie es, dem moralischen Druck nachgebend, den die Existenz eines jüdischen Klubs auf Abgeordnete übt, die von jüdischen Massen gewählt werden. Darum sind die unbewussten Erfolge des Judenklubs vorläufig grösser als die gewollten. Dass er zielbewust arbeite, nicht blos im Parlamente, sondern auch daheim, dass er nam e ntlic h d e r wirtschaftlichen Noth der Ostjuden in Oesterreich mit modernen Mitteln abzuhelfen sich bemühe, dass er an die Spitze einer solchen wahrhaft realpolitischen Bewegung trete, das wollen wir hoffen, das wollen wir auch verlangen. lPRneSPCND2NZ£N Oesterreich-Ungarn. Adolf Ritter von Sonnenthal. Wien, 5. April. Adolf Ritter von Sonnenthal war ein treuer und anhänglicher Sohn des Judentums. Er hat es nicht weggeworfen, auch nicht verleugnet, sondern stolz getragen. Der ehemalige Schneiderlehrling ist zum glänzendsten Stern der deutschen Bühne geworden, durch eigene Kraft, durch das eigene Genie — als J u d e. Erst vor einigen Monaten hat Sonnenthal anlässlich des Rosenfeld-Abends dessen Ghetto-Lieder mit einer seltenen Wärme vorgetragen; so dokumentierte er öffentlich, dass er nicht blos Jude sei, sondern auch als solcher sich gern betätige. In der Stadt der jüdischen Massentaufen bedeutet der Tod Sonnenthal's einen doppelt-schweren Verlust für die jüdische Gesellschaft. Baurat Wilhelm Stiassny über Sonnenthal. „Seit der vor 15 Jahren erfolgten Gründung der Gesellschaft zur Sammlung jüdischer Kunstdenkmäler (Jüdisches Museum) war Sonneiithal erster Vizepräsident dieser Gesellschaft. Es ist kaum zu beschreiben, mit welchem Eifer und mit welcher Begeisterung Sonnenthal den Anforderungen dieses Amtes entsprochen hat. AUjänrlich hielt er zugunsten der Gesellschaft eine Vorlesung, in welcher er zumeist Dichtungen, die auf das Judentum Bezug haben, vortrug, so unter anderem den „Rabbi von Bachrach", „Prinzessin Sabbath", ,.Juda Halevy" und viele andere Dichtungen. Aber auch neuere Dichtungen, wie beispielsweise , Habsburg" von der Gräfin Thun- Salm-Waldstein, brachte er in Vereinsvortragsabenden zum Vortrag. Er war bis zum letzten Augenblick dem Judentum anhänglich und stolz auf seine Zug» hörigkeit zum Judentum. Oft erzählte er mir von seinen Gesprächen mit dem verblichenen Erzherzog Karl Ludwig. dxr Sonnenthal wiederholt in scin?r Villa aufsuchte und ihm erklärte, dass er Sonnenthals Festhalten am Judentum als eine hoch anzuschlagende Charakter eigenschaft des Künstlers betrachte Ich sprach oit mit meinem verewigten Fieande Sonnenthal über sein Verhältnis zum |udent.irn. Sonnenthal sagte: „Ich bin ein deutscher Schauspieler, aber das Judentum hat mir die grosse Kraft, den Aufschwung und die Elastizität zu mein-tn Schaffen verliehen " In früheren Jahren war Sonnenthal zu den hohen jüdischen Feiertagen ein ständiger Besucher des Tempels in der Seitenstettengasse, in der letzten Zeit hielt ihn sein Gesundheitszustand davon ab. Das Judentum verliert in ihm einen seiner besten und vornehmsten Mäiüier." Geheime Plenarsitzungen des Kultusvorstandes. (Vom 21., 24. und 28. März 1909.) Ein Nachruf. Wien, Ende März. (Aus dem offiziellen Kommunique.) Vor Eingang in die Tagesordnung hält der Vorsitzende dem plötzlich verstorbenen Vorstandsmit^liede Karl Seligmann s. A. einen warmen Nachruf. Dem Kultusvorstande war es leider nur wenige Wochen gegönnt, den Verstorbenen in seiner Mitte wirken zu sehen. Der Präsident verfügt unter Zustimmung der Versammlung, die sich zum Zeichen

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