Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XI (1909)
- Issue
- Heft 8 (9.4.1909)
- Date
- 1909-04-09
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2425679-2425773-2425782--1300-2427648- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 8 „veue National-Zeitung" Seite 5 Notabein überhörten den Ruf ihrer Brüder nicht; allein sie verfolgten den assimilatorischen Endzweck — der Zerstreuung unseres Volkes in die fernsten Weltgegenden. Mitten in dieser Drangperiode erhob ich nochmals meine Stimme zu Gunsten der Gründung eines Vereines mit dem Heimatsziele „Zion". Rabbiner Spitzer Hess mich zu sich bitten und teilte mir mit, dass er gesonnen sei, diesem Palästina-Vereine beizutreten. Erstaunt fragte ich den Rabbiner, wie er zu diesem Entschlüsse gelangt sei! Darauf gestand der Selige ganz verlegen, Persönlichkeit und zwar Pressleiter verursacht habe. Dieser machte Rabbiner den Vorwurf, dass die Juden ihre Brüder die Konservativen dass eine hohe Hof rat Erb dies dem orthodoxen assimilatorischen nach Amerika schicken, während für Palästina nichts tun. Diese Lektion fiel auf Spitzers fromme Seele, er berief seine fromme Gemeinde und Anhänger und der Verein für Kolonisation Palästinas ward zur Tatsache? Rabbiner Spitzer wurde Präses, ich der Verwalter und Leiter, Adolf Schräme k, gegenwärtiger Kultusrat, Rabb. Assessor Fuchs, Perez Smolensky, Ch. D. Lippe und neben ihnen der 21jährige Studiosus juris Nathan Birnbaum kamen in den Vorstand. Zum ersten Male erhielt die zionistische Idee in Wien ihren Mittelpunkt, von welchem aus die palästinasche Bewegung nach allen Richtungen sich auszudehnen begann. Kattowitz, die : preussische Grenzstation, folgte unter Moses Moses, dann kamen Herr Dr. Hirsch j Hildesheimer in Berlin I mit der „Jüdischen Presse", i Rabbiner Dr. Mayer mit seiner „Laubhütte" — Rej gensburg, die hebräischen 1 Zeitschriften „Hamagid" - (Lyk),„Hazefira"( Warschau) „Hameliz" (Petersburg), die mit allem Nachdrucke für die eintraten. Noch staute sich der zionistische Gedanke und dessen materielle Verwirklichung an eine von orthodoxer Seite aufgeworfene Frage: Ob es überhaupt nach jüdischen Satzungen gestattet sei, aus eigenem Antriebe, ohne die göttliche Erlösung abzuwarten, für die Palästina-Kolonisation zu arbeiten? Diese aufgeworfene Frage traf glücklicherweise ein grosses Gelehrtengeschlecht. Im Juni 1887 traten nämlich unter dem Vorsitze von Dr. P i n s k e r hochangesehene Männer aus Russland, Deutschland, Rumänien in Kattowitz zusammen, um die zionistische Bewegung organisch zu gestalten. Unter ihnen befanden sich die massgebendsten Gaonim Russlands. Die oberwähnte Frage wurde von Gaon Samuel Mohilewer und anderen rabbinischen Autoritäten einstimmig bejaht, ja sogar als eine heilige Pflicht des Juden anerkannt. * Wie oben csichtlich, nannten wir unseren Palästina-Kolonisationsverein „Ahabath Zion" und seine Mitglieder rekrutierten sich zu allermeist aus den Anhängern des sei. Rabbiners Salomon Spitzer. Wer die Wiener jüdischen Gemeindeverhältnisse von damals kennt, weiss, welche unliebsamen Verhältnisse zwischen deutschen, mährischen und „polischen" Juden bestanden. Wir bekamen dies recht oft zu fühlen. Der mährische Jude hielt sich wie etwa der spaniolische am Balkan für eine höhere Judengattung, welcher in allem und jedem dem „polischen" Schnorrer vor ist. Und da tauchte in meinem Geiste wie ein geistiger Meteor der Gedanke auf, welcher eine ewige umimstössliche Wahrhe't in sich birgt — „Herbei die Jugend"! „Aus dem Dr. Rüben Bierer. Kolonisation Palästinas Munde der Zöglinge und der Säuglinge hast Du dir eine Veste gegründet", sang der unsterbliche Königsänger David. Wir müssen diese Erlösungsarbeit von der Jugend mitverrichten, mitbesorgen lassen. . . . Die jüdische Jugend in Wien, wer soll diese nun sein? Etwa die Handelsjugend, die Sontachfeierer, die nirgends einen moralischen Halt dazumal hatte. Wo also den Angriffspunkt suchen, wohin ihn verlegen? Mein Angriffspunkt also, dachte ich, kann nur die j ü d i s c h-a kademische Jugend sein, mit der ich mein akademisches Bürgertum teilte. Wo aber diese fassen? Es gab ja nur lauter Marcomannen, Teutonen, Fannonier! Wo um Gotteswillen einen Jungisi aeliten? Nun! Die Vorsehung liess mir zwei solcher junger Juden in meine Nähe spielen; der eine hiess Nathan Birnbaum in Summa etwa 21 Lenze zählend, Moses Schnierer, Mediziner aus Rumänien, hiess der zweite. Zur Ehre des so arg verschrieenen galizisch-jüdischen Elementes konstatiere ich, dass bei der Gründung dieses ersten akademisch-zionistischen Vereines sich die Majorität aus dem galizischen Israel rekrutierte. Etwa 12 an der Zahl versammelten sich in meiner Wohnung, um das Statut fertig zu stellen. Alles ging rasch von sta'ten, nur der Name des Vereines machte uns Schwierigkeit. Wer half uns aus dieser Verlegenheit? Kein anderer als Peter Smolensky, welcher über unsere Einladung zur Konstituierung, trotz des rauhen Winterabends, bereits stark in der Gesundheit angegriffen, erschien — und auch den Namen fand: „Kadimah". Ein dreisilbiger Name, welcher ein ganzes Programm ausdrückt. Dieser Name weist zunächst auf die Oeriüchkeit: Morgenaufgan^