Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XI (1909)
- Issue
- Heft 7 (26.3.1909)
- Date
- 1909-03-26
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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„Neue National-Zeitung"_Seite 5 Nr. 7 Redakteur: „Kehren auch die jüdischen Emigranten nach Polen zurück?" Dr. G.: „Gewiss. Ein ähnlicher Fall hat sich erst jüngst ereignet. Eine Frau kehrte aus Amerika desshalb zurück, weil man ihr in einem amerikanischen Spital kein koscheres Essen verabreichte." Dazu bemerkte Fräulein S o k o 1 o w: „Die Juden in Amerika sehnen sich sehr oft nach ihrem Lande zurück. Als Menschen mit primitivem Verstände sind sie sich dieser Empfindeng gar nicht bewusst. Sie gehen daher zu ihrem Arzte und erzählen ihm, es quäle sie eine Krankheit. Die amerikanischen Ärzie kennen schon diese Krankheit; sie expedieren dann den Patienten gewöhnlich nachhause." Redakteur: „Wie verhalten sich die verschiedenen jüdischen Parteien zur Emigrationsbewegung?" Dr. G.: „Sehr verschieden! Die Orthodoxen sind sehr scharfe Gegner und sie würden am liebsten das Schicksal des jüdischen Volkes der Vorsehung überlassen, die uns demnächst nach ihrer Ansicht einen Messias bescheren wird. Die Assimilanten sehen in der Emigration den Verrat an der polnischen Sache. Die nationalistischen Partei?n wieder versprechen sich davon die Lösung der Judenfrage. Wir aber als Gründer des Informationsbureaus sehen darin eine ökonomische Erscheinung. Unsere persönlichen Ansichten stellen wir zurück und sind bloss bemüht, die Katastrophe zu verringern!" Redakteur: „Wird dieses Informationsbureau von der jüdischen Intelligenz unterstützt?" Dr. G.: „Sehr wenig. Wir haben zwar Lokal und Beleuchtung unentgeltlich, sind aber dennoch nicht in der Lage, alle Auslagen zu decken. Wir haben die Absicht gehabt, ähnliche Bureaux in der Provinz zu errichten, die Ica wollte sogar für die Hälfte der Auslagen aufkommen. Es kam aber nicht dazu. Es wird eben zuviel von der jüJischen Solidarität gefabelt". ».Vergessen Sie aber nicht", meinte zum Schlüsse der Unterredung Frl. Sokolow, „dass trotz der grossen polnischen Auswanderung in ganz Polen kein einziges polnisches Emigrationsinstitut existiert. Wir stellen also dennoch höher! . ." PARLAMENT. Wien, 25. März. Die Wahl des Antisemiten Dr. Pattai zum Präsidenten des Abgeordnetenhauses ist vollzogene Tatsache. Die jüd.schen Abgeordneten haben sich wie Helden benommen. Sie haben sich während der Wahl entweder absentiert, oder haben weisse Zettel abgegeben. Im Uebrigen aber haben sie geschwiegen. Oas hat der selige Rabbiner Schreiber als Mitglied des Polenklubs vor dreissig Jahren auch verstanden. * Bei der Neubesetzung der Ausschussmandate haben die Mitglieder des Jüdischen Mubs im Einvernehmen mit dem Ruthenenklub ihre früheren Mandate erhalten. Bei dieser Gelegenheit wurden von jüdischer und ruthenischer Seite mehrere konventionelle Phrasen zum besten gegeben Leider war daraus nicht zu ersehen, wie sich der Jüdische Klub prinzipiell für die Zukunft sein Verhalten gegenüber den anderen beiden galizischen Nationalitäten vorstellt. Ob sich dieses Lavieren mit der Zeit nützlicher erweisen wird, als ein klares prinzipielles nationales Programm, dem der jüdische Klub merwürdiger Weise aus dem Wege geht, das werden wir ja sehen. * Dass im Jüdischen Klub nie eine besondere Harmonie geherrscht hat, war eine allgemein bekannte Tatsache. Das zeigte sich ja schon anlässlich des Auftretens der Abgeordneten Dr. Straucher und Dr. M a h I e r in Sachen der von Dr. Gabel überreichten gegen die katholische Geistlichkeit gerichteten Interpellation. Nun muss es aber gosses Befremden erregen, wenn jetzt wieder Dr. Gabe] in einem Blatte den Dr. Mahl er wegen seines Verhaltens in Sachen der jüdischen Wahlkurie für Bosnien angreift. Auch sonst sollen sich in letzter Zeit manigfache Weiterungen zwischen Dr. Mahler und den anderen Herren ergeben haben, von denen man allgemein spricht. Üs wäre die höchste Zeit, dass das Präsidium des Jüdischen Klubs, dem diese Streitigkeiten gewiss unangenehm sind, endlich einmal alle diese Fragen vor einem Parteiforum oder wer nigstens vor den Wählern gründlich austrage. Sonst kann es geschehen, daß der erste Jüdische Klub die letzte jüdisch-nationale Parlamentsvertretung gewesen ist. * Die Frage, ob Krieg oder Frieden, entzieht sich ganz der Ingerenz des Parlaments. Darüber haben ganz andere Faktoren in Oesterreich zu entscheiden. Ueber die bevorstehenden Kriegsereignisse läßt sich vom jüdischen Gesichtspunkt aus nichts sagen. Der Kriegsminister wird sich bei Einberufung der jüdischen Reservemannschaft und der jüdischen Reserveoffiziere an den von ihm verkündeten Peizentsatz schwerlich halten. Wird man es vielleicht durchsetzen können, daß der Feind, wenn es einmal zum schlimmsten kommen sollte, bei Durchführung seiner Feindseligkeiten diesen Perzeritsatz respektiert? Die Juden werden aber gewiß ihre Pflicht als Soldaten und Staatsbürger voll und ganz erfüllen — mit mehr als 4 Perzent! ... |R0RR6SPONDeNZCN Oesferreidi-Ungarn. Zur Metamorphose der Koscher-Würste. Wien, den 22. März. (Orig.-Korr.) Welches ist der Unterschied zwischen koscheren und nichtkoscheren Würsten? Nun, die nichtkoscheren sind nicht so „trefe" wie das Rabbinat behauptet und die „koscheren" sind nicht so koscher wie die jüdische Bevölkerung annimmt So dass sich bei genauerer Betrachtung ein Unterschied ergibt, wie er etwa zwischen getauften und noch nicht getauften „Israeliten" besteht. Naht aber das Osterfest, dann werden die Koscherwürste mit einer besonderen Marke versehen; sie sind „Sehet' Pesach". Was soviel heisst. als dass sie für den Ostergebrauch unter ganz besonderer Vorsicht — trefe hergestellt werden. Diese Irreführung des breiten Publikums fordert zu entschiedener Abwehr heraus. Der Kampf gegen die „Koscherwurst" muss geführt weiden, aucli wenn der