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Neue Nationalzeitung · 1909-03-26 · Heft 7 (26.3.1909) · p. Seite 2

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XI (1909)
Issue
Heft 7 (26.3.1909)
Date
1909-03-26
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2. Nr. 7 Handels. Ich könnte noch viele andere nennen. Es kann kein Zweifel bestehen, dass die Stellung der Juden in Amerika schon heute einen Fortschritt darstellt und noch weiter fortschreiten wird ..." — Unser Fortschritt, der Daseinskampf unserer Massen, wird, so glaube ich, durch die überall vorkommenden Anfeindungen unserer Rasse wesentlich gehemmt, bisweilen auch unmöglich gemacht. Ist es so, Herr Professor? „Positive Leistungen sind nicht durch Abwehr der Angriffe zu erzielen, die sich gegen unsere Glaubensgenossen wenden. Jedes Verdienst wird schliesslich, muss schliesslich anerkannt werden. Und die Verdienste eines einzelnen Juden werfen einen Reflex auf alle seine Glaubensgenossen." — Es wird ihnen bekannt se n, Herr Professor, dass sich Mr. Guggenheim in Neuyork jüngst sehr abfällig über die Zunahme der Mischehen im ludentum ausgesprochen hat? »Die Zahl der Mischehen hat sich meines Erachtens eher veringert. Die Meinzahl unserer Glaubensgenossen hängt am Judentum. Und die historische Bedeutung des Judentums muss jedermann in tiefster Verehrung anerkennen«. — Dennoch haben die Konvertiten in vielen Ländern an Zahl zugenommen »Mag sein. Aber auch jene, die nicht mehr auf dem Bodem des positiven Judentums stehen, müssen die hohe Bedeutung unseres Glaubens anerkennen, wurzeln mehr oder weniger noch in ihm. In Amerika sind diese Kreise aber an Zahl nicht gross . . ,« Dieses Gespräch führt uns nun von selbst auf die Strömungen in der modernen judenheit. Wir kommen auf den jüdschen Nationalismus zu sprechen, der im Zionismus seinen Ausdruck fand. Auf mein Ersuchen äussert sich der Gelehrte hierüber: » . . . Wer auch nur einen Funken Ehrgefühl im Leibe hat, der wird doch nicht anders als mit Verehrung auf seine Stammesgenossen blicken. Aber der Mensch ist nicht durch Geburt allein bestimmt, zu denken. Die geistige Entwicklung zu fördern, muss unser Bestreben sein. Ueber den Zionismus habe ich keine Studien gemacht. Ich schliesse die Erwerbung neuer Territorien nicht aus; dem Zionismus, als einem staatlichen Ideal, kann ich nicht zuneigen. Diesem Projekt stehe ich skeptisch gegenüber. . — Dass der Zionismus in moralischer Beziehung, besonders was die Stärkung des Selbstgefühls betrifft, Gutes und Bleibendes geschaffen hat, anerkennen auch seine zahllosen Gegner. „Das kann nicht geleugnet werden. Aber innerhalb der Länder, in denen sie leben, müssen die Juden mitarbeiten an dem hohen Werke der Kultur, muss jeder von ihnen ein Teilchen beitragen. Das ist ihre erste Pflicht! ..." — Ich glaube, Ihren Worten entnehmen zu dürfen, dass Sie sich den territorialen Projekten gegenüber,wie solche z. B. von der Jewish-Territorial-Organisation erstrebt werden, nicht ablehnend verhalten, ihnen auch Aussicht auf positiven Erfolg zutrauen? „Der momentanen Judennot helfen unsere großen jüdischen Organisationen ab, die ja ungeheuere Summen an Geld und Arbeitskraft im Dienste der notleidenden Glaubensgenossen aufwenden. . ." — Es wäre zu bedenken, Herl Professor, dass viele Juden in ihren Ländern bleiben wollen, aber nicht können. Ihnen wird es nicht gegönnt, ein Teilchen zu dem Kulturwerke ihres Landes beizutragen. Was soll mit ihnen geschehen? „Wie bereits gesagt, halte ich die Erwerbung neuer Territorien nicht für ausgeschlossen. Aber zwischen diesem und der staatlichen Territorialidee besteht ein grosser Unterschied. Die Vergangenheit lehrt, dass die Juden mit staatlichen Experimenten niemals Glück hatten. Die Gründe?" Der Gelehrte überlegt eine Weile und sagt dann lächelnd: „Sehen Sie sich doch einen Gemeindevorstand an! . . ." Dann erzählt Prof. Adler in ungezwungener Weise von dem Leben der Juden in Amerika ihrer Tüchtigkeit und Intelligenz, was sie zu vollwertigen Bürgern mache. Ich frage, ob die Wahl Tafts keine Veränderung in der Stellung der Juden herbeiführen könne. „Nein, antwortete der Gelehrte „Taft ist ein Schüler Roosevelts. Wie dieser, kennt auch er keine vergleichweise Wertung der Rassen und Konfessionen. Die amerikanischen Juden haben vom neuen Präsidenten viel zu erhoffen, aber nichts zu befürchten Zum Schlüsse bringe ich das Gespräch auf die Aufnahme, die er in Berlin gefunden. Prof. Adler ist voll Lobes. Seine Erwartungen wären weit übertroffen. Von hoher und höchster Stelle seien ihm in der Zeit seines Aufenthaltes Beweise grössten Wohlwollens geboten worden. Er scheide mit den besten Eindrücken aus diesem Lande Er sei von neuem in seiner Bewunderung für Deutschland bestärkt worden. Hier wird der Gelehrte begeistert, beleuchtet in treffenden Worten das Wesen der amerikanischen, das der deutschen Nation, wie sie einig sind in Energie und Lebenstüchtigkeit. Und der stille Gelehrte wird zum Seher, wenn er den Wunsch ausspricht, von dessen Erfüllung er sich die höchste Entwicklung aller Völker der Erde verspricht: „Wenn das Ideal des Wrssens mit dem Ideal des Lebens sich verschwistern wird. . Prof. Dr. MAX GRÜNFELD: „Erez 3sraeL" („Das jüdische Land" von J. H. Kann, Köln. Jüdischer Verlag.) Ein vortreffliches Buch ist uns geschenkt worden. Herzerfreuend leuchtet von seinem Titelblatte eine Radierung des grossen jüdischen Künstlers Josef Israels entgegen. Ein Mädchen mit dem Kruge auf der Schulter. Sofort werden wir in die Kindheit unseres Volkes versetzt. Wir sehen die Hirten am Brunnen, wie sie ihre Schafe und Lasttiere tränken. Gedenken Eliesers, des Knechtes Abrahams, unseres Stammvaters, Eliesers, der auszog, um die Braut heimzuführen, für seines Herrn Sohn. Lieblich steigt Rebekkas Bild vor unserem geistigen Auge empor. Der Brunnen ist der Ort, an dem sich gar manches wichtige Ereignis aus der Paradieseszeit unseres Volkes abspielte. Doch wir wollten von dem Buche sprechen, das mit diesem Titelbilde geschmückt ist. Wir durchblättern es. Es ist geziert mit vielen photographischen Wiedergaben. Die alten Stätten sind es, auf denen unsere Propheten wandelten, unsere Volksmänner, Priester und Könige. Vergangenheit, Schutt und Staub. Aber siehe da, wir vertiefen uns in das

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