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Neue Nationalzeitung · 1909-03-12 · Heft 6 (12.3.1909) · p. Seite 8

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XI (1909)
Issue
Heft 6 (12.3.1909)
Date
1909-03-12
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 „Neue National-Zeitung" Nr. 6 Der Präsident berichtet dann über den in dieser Wintersaison veranstalteten Vortrags-Cyclus, sowie über jene Schritte, welche der Vorstand der Kultusgemeinde gemeinsam mit dem allgem. österr. isr. Bund in Angelegenheit der Vertretung der Juden in dem demnächst zu schaffenden Landtag für Bosnien und die Herzegowina unternommen haben. Dieser Bericht wird mit Befriedigung zur Kenntnis genommen. Zionismus und religiöse Freiheit Wien, 8. März. Die in unserem Blatte gerügte Verletzung des Sabbaths durch die zionistische Studentenverbindung „Unitas" hat in den weitesten Kreisen der jüdischen Oeffentlichkeit grosses Aufsehen erregt. Speziell aus Galizien kamen uns zahlreiche Briefe zu, in denen auf die Schwierigkeiten aufmerksam gemacht wird, mit denen die Zionisten gegenüber den Orthodoxen zu kämpfen haben und die durch Vorgänge, wie bei der „Unitas". die z onistische Bewegung inmitten des orthodoxen Milieus ganz unmöglich machen. In einem dieser Briefe wird auf einen analogen Fall verwiesen, wo in einem galizischen Städtchen ein jüdisch-sozialdemokratischer Verein am Versöhnungstag demonstrativ ein Fest mit Musik und Schweinemahl veranstaltet hat — alles unter dem Schlagworte der „religiösen Freiheit". Der Briefschreiber wirft die Frage auf, wohin denn eigentlich der Zionismus hinaus soll, wenn er konsequenterweise zu so taktlosen Verletzungen der religiösen Gefühle gelangen wird. Das Vorgehen der „Unitas8 wird in scharfer Weise von dem ungarischen Zionistenbiatte „Allg. Jüd. Rundschau" in Budapest verurteilt. Wir lesen dort: „Wissen diese Herren, welche im Bierschwefel X-mal das jüdisch-nationale Bekenntnis ablegen, wirklich nicht, dass sie durch eine derartige „Feier" die religiösen Gefühle der jüdischen Bevölkerung in empfindlichster Weise beleidigen!? Wenn auch der einzelne Unite über Religion und Sabbath denken kann wie er will, aber die „Unitas" als Jüdisch-nationale Korporation darf nicht offiziell den Sabbath entweihen! Uud noch eine zweite Frage : Hat es unter den Herren Redakteuren der „Jüdischen Zeitung" Niemanden gegeben, der durch eine redaktionelle Bemerkung die Herren Uniten auf diese Ungehörigkeit aufmerksam gemacht hätte? Oder billigt etwa die „Jüdische Zeitung" diesen Schritt der „Unitas"? Fast ist man geneigt, ihr das tacere als ein consentire zuzurechnen, zumal mir einige Augenzeugen schon des öftereren berichtet haben, dass in der Redaktion und Administration der „Jüd. Zeitung" auch am Samstag gearbeitet ebenso wie in den übrigen zionistischen Behörden Wiens an diesem geheiligten Ruhetage fleissig „amtiert" wird Wie lange eigentlich soll dieser betrübende und beschämende Zustand noch anhalten, wie lange noch soll man es ruhig zusehen, wie die Herrchen und Herren, die in Wien den Zionismus repräsentieren, die Distriktstag und wie all' die Cornödien noch heissen mögen, spielen, die Nationalfond sammeln und Scheke! einkassieren, öffentlich den Sabbath entweihen und offiziell die jüdische Religion in den Kot zerren!? Es ist höchste Zeit mit all' diesen Herren, die derzeit am Ruder sind, ein offenes Wort zu reden. Sie mögen Mut haben, ein offenes, wahres Glaubensbekeunntnis abzulegen, sie mögen endlich Farbe bekennen! . . So weit das Budapester Organ der zionistischen Partei in Ungarn. Die „Jüdische Zeitung" bl ibt die Antwort nicht schuldig. Sie billigt das Vorgehen der „Un itas"..... „Wem aber treidenkende Akademiker, die sich nie als religionsgesetzestreu aus^ogjben habend am Samstage die interne Feier einer jahrelangen, "auiopferungsvollen Tätigkeit im Dienste des jüdischen Volkes begehen, darin keine Entheiligung des Nationalruhetages erblicken, so Verstössen sie nicht gegen nationaljüdische und zionistische Prinzipien, denn sie haben Niemanden vergewaltigt und nur ein Recht in Ansprach genommen, das der Zionismus jedem gewährt: Freiheit in.religiösen Angelegenheiten. Von diesem Grundsatze wird die zionistische Partei n i e und nimmer abweichen. Das mögen sich die Herren Gegner endgiltig gesagt sein lassen." So weit die „J. Z." Sehr peinlich gestaltete sich der Empfang der „Unitas" - Deputation beim Kultuspräsidenten Dr. Stern. Die zionistische Studenten-Verbindung musste sich eine scharfe Zurückweisung von dieser assimilatorischen Seite wegen der Sabbath-Entweihung gefallen lassen. Ueber den Empfang berichtet die „Oest. Wochenschrift": „Eine Deputation dieser Studentenverbindung, bestehend aus den derzeitigen Führern, erschien im Bureau des Kultusgemeinde-Präsidenten Herrn Dr. Alfred Stern, überbrachte ihm persönlich die Einladung zum Festkommers und unterbreitete ihm die Bitte, sämtlichen Vorstandsmitgliedern der isr. Kultusgemeinde von dieser Einladung Kenntnis zu geben. Der Präsident Dr. Alfred Stern erteilte den jungen Leuten eine sehr nachdrückliche Lektion. Abgesehen davon, dass er an diesem Tage Jahrzeit hat und hält, kann er persönlich das Vorgehen der „Unitas" nur höchst bedauerlich finden. Das private Verhalten des einzelnen Studenten für sich unterliege nicht seiner Kontrolle, und wenn jüdische Studenten als Mitglieder einer interkonfessio nellen Verbindung oder eines interkonfessionellen Vereines an einer festlichen Veranstaltung am Freitag abend oder Samstag morgen teilnehmen, so würde er sich nicht für berechtigt erachten, dies einer Kritik zu unterziehen. Allein, wenn eine offiziell jüdische Verbindung oder ein offiziell jüdischer Verein für eine solche Veranstaltung gerade den Freitagabend sich aussucht und offiziell Samstag vormittag eine gemeinsame Auffahrt zur Universität auf das Programm stellt, so muss er die Einladung nicht blos für seine Person ablehnen, er muss es auch entschieden verweigern, von dieser Einladung dem Vorstande der Kultusgemeinde Kenntnis zu geben. Er kann die Beteiligung von Vorstandsmitgliedern an dieser so sonderbar arrangierten Veranstaltung night, nur. uieh^ empfehlen, er müsste es entschieden missbilligen." GgMSiNOe-UN» VSR&N^NftUiRilrttgN Wien. (Verein zur Bekleidung und Unterstützung armer alter Männer isr. Konfession.) Dieser Verein veranstaltet Samstag, den 13. März 1909, 7 Uhr abends, im Sitzungssaale der isr. Kultusgemeinde, I. Seitenstettengasse 4, seine ordentliche Generalversammlung. Tagesordnung: 1. Rechenschaftsbericht; 2. Kassabericht; 3. Bericht der Revisoren; 4. Referat über die Statistik der uns zugehörigen Schützlinge; 5. Wahl von 3 Vorstandsmitgliedern mit 3jähriger Funktionsdauer und 3 Revisoren mit 1 ähriger Funktionsdauer; 6. Anträge und Interpellationen. Nach Frsohöpfung der Tagesordnung : Vortrag des Herrn Rabbiner Dr. J. M. Bach. Wien- (Bet ha-Midrasc h.) Der Vorstand dieses Vereines hat zum Nachfolger des verst. Lektors M. Friedmann Herrn Rabbiner Dr. S. Rubin berufen. Wien. Die Chargenwahlen c"er akad. Verbindung „Libanonia" für das XXX. (Sommer-)Semester haben folgendes Resultat ergeben : med. vet. Paul Grosser X, jur. Heinrich S o k a 1 XX, jur. Moriz Hacke XXX. Wien. (Erster österreichischer Hilfsverein für kranke, zugereiste Juden.) Unter diesem Titel hat sich jüngst ein Verein gebildet, der nachstehende Zwecke verfolgt : „§ 1. Absatz a) Der Verein gewährt unentgeltliche Untersuchung durch seine ärztliche Beiräte behufs Konstatierung der Krankheit und Erteilung diesbezüglicher Auskünfte, b) Begleitung der mittellosen Kranken in die Wiener Krankenanstalten durch hiezu Delegierte, und nach Mas^gabe der Mittel unentgeltliche Besorgung einer entsprechenden Wohnung und Verpflegung, wenn diese Kranke in ambulatorischer Behandlung stehen, c) Wenn die Mittel des Vereines es erlauben, die Aufnahme in einer Wiener Krankenanstalt wie auch in Verbindung mit anderen Wohltätigkeits Instituten, die Heimbeförderun? zu ermöglichen." Dieser letzte Passus hätte etwas deutlicher stilisiert werden können. Jedenfalls ist der Verein unterstützungswert. Wien. Jüdisch-akademischer Juristenverein. Der neu gegründete Jüdisch-akademische Juristenverein veranstaltet Montag den 15. März 190«), halb 7 Uhr abends im Saale

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