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Neue Nationalzeitung · 1909-03-12 · Heft 6 (12.3.1909) · p. Seite 7

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XI (1909)
Issue
Heft 6 (12.3.1909)
Date
1909-03-12
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Seite 7. Nationalen Dr. Samuel Rappaport in der Hauptwahl und in der engeren Wahl mit allen Hilfsmitteln der „galizischen Wahlen" unterstützt worden. Ueber die Mißbräuche bei dieser Wahl wurde ein ganzes Buch veröffentlicht; dieses Mandat wurde auch angefochten. Das macht aber nichts. Auch mit einem angefochtenen Mandat wird man in Oesterreich Minister. * Durci den Tod Julius von Oomperz' wird im Herrenhaus ein jüdischer Sitz frei. Denn Oomperz' Ernennung geschah noch zu jener Zeit, da zwei Juden ausdrücklich als solche ins Herrenhaus beiufen wurden. Die vier Juden, die nach ihm folgten — drei Universitätsprofessoren und ein Handelskammerpräsident — haben ihre Berufung nur ihren persönlichen Verdiensten zu danken. Trotzdem bleibt das Judentum im Herrenhaus so gut wie unvertreten. Seitdem im Jahre 18Q0 Baron Moriz Königs warter zur Vorlage über die Kultusgemeinden das Wort ergriff, hat noch keiner von den ehrenwerten Peers des Reiches das Bedürfnis empfunden, im hohen Herrenhause für die Juden ein gutes Wort einzulegen Gar so br Ilant gehts ja den Juden in Oesterreich seit dem Jahre 1890 denn doch nicht! Es wäre endlich die höchste Zeit, dafür zu sorgen, daß ins Herrenhaus einmal ein wirklicher Jude und nicht blos ein „Auch-Jude" hineinkomme, wenn die Regierung die für jüdische Anwätter bestimmten zwei Plätze besetzt. Und auf die Gefahr hin, vom Herrn Dr. Ofner als klerikal verschrieen zu werden, frage ich:. Warum sitzen denn im Herrenhaus die Geistlichen aller Konfessionen, aber kein Rabbiner? Daß wir keine kircWiche Hierarchie haben, darf nicht als Ausflucht dienen. Und daß ein Rabbiner zumindest besser die jüdischen Interessen im Herrenhause vertreten würde, als Baron O p p e n h e i m e r, de; seinen einzigen Sohn getauft und nie seine Zugehörigkeit zum Jude..tum betont hat, ist doch gewiß. Vielleicht könnten die Herren Kultuspräsidenten darüber nachdenken? * Jedenfalls muß dafür gesorgt werden, daß nicht jener skrupellose Geschäftsmann ins Herrenhaus gelangt, der über jüdische Leichen hinweg seine Taschen füllt und seine Ambitionen befriedigt. Herr von Tau ss ig, der Faiseur der Pogrom-Anleihe als jüdischer Peer, wäre wohl die erbärmlichste Erscheinung, die selbst das politisch; Theater in Oesterreich je gesehen hat. L. SprecftsaaL Dieser Teil unseres Blattes steht unseren Lesern zur Verfügung. Wer der Oeffentlichkeit in jüdischen Fragen etwas zu sagen hat, wer an die jüdische Oeffentlichkeit appellieren will, dem stellen wir diesen Raum gern zur Verfügung. Die Redaction. Eine Reklame für die rumänische Regierung! Geehrte Redaktion! Vor Kurzem las ich in den Tagesblättern einen Bericht über einen Lobeshymnus, den ein Wiener „Zionistenführer", Herr Dr. Weisengrün, in einem Exportverein der rumänischen Regierung gehalten hat. Es ist dies derselbe Dr. Weisengrün, der den Ritter v. Taussig wegen der Durchführung der Pogrom- Anleihe in allen jüdischen Versammlungen als Verräter des Judentumes bezeichnete. Sind Herrn Dr. Weisengrün, der selbst ein rumänischer Jude ist, die politischen Zustände in seinem Heimatslande ganz unbekannt? Weiss er nie"'. w,e dl^ru^an S^SSSeSf Juden behandelt? Täglich könne,, wir in allen Zeitungen^lesen^ wie die rumänischen Behörden die Juden behandelni und erst jüngst hat tfas „Berliner Tagblatt" unter dem Titel^.Chemieund Antisemitismus in Rumänien" d e schreckliche Lagei dera™n™«^ Juden geschilderr. Ein Herrn Dr. Weisengrun sehr nahegehendes ßlatt, die Prager „Selbstwehr", hat in .hrer letzten Nummer vom 5. d. M. diejenigen Juden als Verräteranden l r a ng e r gestellt, die'die rumänische Anleihe subskribierten. Verdient nicht auch derjenige als Verräter am Judentum bezeichnet zu werden, der sich bemüht, vor einem Publikum, bestehend aus Finanziers und Industriellen, die vorzüglichen Eigenschaften Rumäniens als „Industriestaat" nachzuweisen? Rumänien, das in der letzten Zeit sehr stark in Misskredit geiaten ist vielleicht auch deswegen, weil es die Juden so barbarisch behandelt, kann im Auslande seine Anleihen nicht mehr so leicht plazieren; es versucht daher durch Industriefreundlichkeit den europaischen Geldmarkt wieder zu gewinnen und Herr Dr. Weisengrun halt es mit seiner Würde als Jude vereinbar, für seinen Staat eine patriotische Tat zu vollbringen und da er nicht wie la^s g über Kapitalien verfügen kann, sucht er durch seine Rede die Wiener Industrie- und Finanzwelt für Rumänien zu inteiebSiere:\ Die Tatsache, dass bei seinem Vortrage auch die hiesige rumänische Gesandtschaft vertreten war, beweist, dass er nicht gegen den Willen derselben für sie Propaganda macht. Wir können und wollen gar nicht Herrn Dr. Weisengrun in seiner Agitation für Rumänien hindern, hingegen aber hoffen wir, dass er, der am lautesten gegen Taussig geschriee.i hat, nun auch uns Juden hier in Wien mit seiner jüdischen Politik in Ruhe lassen wird. J- Grobtuch. öP.r.espoN&eNzcN Geheime Sitzung des Kulfusuorsfandes. Wien, 10. März. (Aus der Plenarsitzung des Kultusvorstandes vom 7. März 1909, unter dem Vorsitze des Präsidenten Dr. Alfred Stern.) Der Spitalsbesuch eines Erzhe/zogs. Im Präsidialberichte teilt der Präsident mit, daß wie aus den Tagesblättern bereits bekannt ist, am 8. Februar 1909 das Spital der israel. Kultusgemeinde durch einen Besuch Sr. kais. und königlichen Hoheit des Herrn Erzherzogs Josef Ferdinand ausgezeichnet wurde. Der hohe besuch war der Gemeinde wenige Stunden vorher in sehr überraschender Weise angekündigt worden und waren beim Empfange Sr. kais. Hoheit die Aerzte des Spitales, an deren Spitze der Spitalsdirektor Hofrat Oser, ferner die Pflegerinnen mit der Oberin Fräulein Erna Lewi und für den Vorstand der Präsident der Ku/tusgemeinde und Baurat Stiassny, welcher als Erbauer des Spitales telefonisch eingeladen war, anwesend. Der Bau des Knabenwaisenhauses In Bezug auf die Errichtung des vom israel. Waisen vereine in Gemeinschaft mit der Kultusgemeinde geplanten Knabenwaisen hauses teilt der Präsident namens des Vertreerkollegiums mit, daß der Beginn des Baues deshalb verzögert wurde, weil der bereits erteilte Baukonsens in mancherlei Beziehung derartige Bestimmungen enthalte daß auf dieselben nicht eingegangen werden kann. Der Vorstand des Waisenvereines habe auch über Anregung des Kultusvorstandes gegen die betreffenden Bedingungen den Rekurs an den Landesschulrat erhoben, bis zu dessen Erledigung mit dem Baue nicht begonnen werden wir-1. Der Bericht wird zur Kenntnis genommen und werden die in dieser Angelegenheit getroffenen Verfügungen des Präsidiums und des Vertreterkoüegiums einhellig gutgeheißen.

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