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Neue Nationalzeitung · 1909-03-12 · Heft 6 (12.3.1909) · p. Seite 4

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XI (1909)
Issue
Heft 6 (12.3.1909)
Date
1909-03-12
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. „Neue Nationai-Zeitung" Nr. 6. schrieb nun im Februar 1822 Nowosilzow an den Kaiser: „Diese Briefe scheinen zu beweisen, dass unter den innerhalb aller Völker verstreuten Juden eine Art geheimer Verwaltung existiert, bestehend aus den Rabbinern, den Almoseniern für das Heilige Land, den Vorgesetzten, den lokalen Vertretern u. a. m. Zu diesen Behörden kommen die reichen Juden vieler Länder, die „Fürsten Israels" genannt werden. . . Es ist gewiss, dass seit einiger Zeit die Anhänglichkeit der Juden ihrer alten Heimat gegenüber wieder erwacht ist, dass sie dort eine Synagoge bauen, dass es ihnen als Glück erscheint, dort zu sterben. Dort soll der Messias erscheinen; dorthin begeben sie sich in Massen. . . Die Andern aber sorgen durch Unterstützungen und Subskriptionen für die Erhaltung der dort Weilenden und die wohltätigen Anstalten daselbst. . . Es ergibt sich also daraus — so denuncierte Nowosiakow — dass aus allen Ländern grosse Summen nach Palästina fliessen, die grössten aber aus den die meisten Juden beherbergenden; dass dieses Volk, dessen Augen stets nach dem Heiligen Land gerichtet sind, dem von ihm bewohnten Lande immer fremder wird und immer schwerer zu beherrschen sei, dass endlich die Juden den geheimen Plan hegen, eine neue Nation zu gründen. Auf diese Weise (und das ist besonders gravierend) entstehen in Asien geheime Agenten in allen europäischen Ländern, die gegebenen Falls schwer zu ergreifende Spion werden können. Gegenwärtig scheinen die Juden den Türken besonders geneigt zu sein, weil diese Palästina, den Gegenstand ihrer Sehnsucht besitzen. Sie behaupten, dass der Sultan den Wiederaufbau ihrer Synagoge gestattet hat und dass sie diese Erlaubnis bezahlt haben. Juden aller Nationen und unter ihnen polnische, die ja sich zahlreich in Palästina aufhalten, haben also mit der türkischen Regierung auf eigene Faust und ohne Intervention des Landes, in dem sie leben, verhandelt! Diese aussergewöhnliche Neigung für die Türken, von denen die Juden die Herstellung ihres Vaterlandes erhoffen, nähert sich einer gewissen Untreue dem Herrscher ihres jetzigen Vaterlandes gegenüber und könnte bei Eintritt gewisser Umstände den Verrat nach sich ziehen. In Odessa leben 2000 Juden, die in dauerndem Briefwechsel mit den von ihnen unterstützten Juden in Palästina stehen und wohl auch mit den in Konstantinopel wohnenden, die als Vermittler dienen. Muss man nicht erwarten, dass diese 2000 Juden eine gefährliche Armee von Spionen bilden werden, wenn sich ihnen Gelegenheit bietet, ihre Dienste den Türken zu verkaufen?" Inzwischen fand das fast 2 Monate dauernde Verhör statt, bei dem Plonski auf 155 Fragen zu antworten hatte. Trotz der detaillierten, oft verfänglichen und provozierenden Fragestellung, war das Ergebnis ein vollständiges Fiasko für den Warschauer Spitzel-Senator. Am 3. (15.) März musste der Grossfürst Konstantin an den Kaiser berichten, dass die Untersuchung gegen den Beschuldigten keinerlei gravierendes Moment ergeben habe und dass wegen seiner schliesslichen Enthaftung der Befehl des Kaisers abgewartet werde. . . Plonski seheint aber seine Befreiung nicht erlebt zü haben; er starb wahrscheinlich im Gefängnis von Angst und Aufregung über eine schreckliche, ihm unfassbare Anschuldigung aufgerieben. Sein Alter und der Aufenthalt im Gefängnis, vielle cht auch die Beschwerden der zurückgelegten weiten Reise, werden sein Ende beschleunig haben. Das war der klägliche Ausgang der erwartungsvoll inszenierten Tragikomödie, der zahlreiche Aktenfaszikel nicht nur in den Warschauer Archiven, sondern auch im Kriegsministerium, im Archiv des Petersburger Generalstabs gewidmet sind. Ihre Bezeichnung lautet: „Ueber den Juden Salomon Plonski, der eine Reise nach Jerusalem unternahm, zum Zwecke der Wiederherstellung des jüdischen Reiches." „Die beiden jüdischer Emigranten."*) Es ist ein allgemein verbreiteter Irrtum, dass die Kontrollstationen von den deutschen Schiffahrtsgesellschaften etwa freiwillig errichtet worden sind, um die Auswanderer unter ihre Kontrolle zu bringen. In Wirklichkeit sind die Schiffahrtsgesellschaften seiner Zeit während der grossen Cholera-Epidemie in Hamburg von der Regierung gezwungen worden, diese Kontrollstationen an der Grenze zu errichten, um ein Einschleppen von Krankheiten etc. nach Deutschland zu verhindern. Soweit in der Einrichtung und Verwaltung der Kontrollstationen Mängel und gewisse Härten bestanden, sind sie endgiltig durch eine am 1. Januar 1909 in Kraft getretene neue Betriebsordnung des preussischen Minister des Innern, des Handels und des Kultus beseitigt worden. Diese neue Betriebsordnung weist eine grosse Anzahl wesentlicher Verbesserungen in bezug auf die Behandlung ausserdeutscher Auswanderer an der preussisch-russischen Grenze auf. Neben anderen, für das Wohl der Auswanderer sorgenden Vorschriften in bezug auf ärztliche Untersuchung, Einrichtung der Schlaf-, Speise-, Warte- und Baderäume, sowie eines obligatorischen Lazaretts etc. ist das zwangsweise Baden und Desinfiziren, das von den Auswanderern als besonders lästig empfunden wurde, auf die allernotwendigsten Fälle eingeschränkt worden. Ein vorübergehendes Verlassen der Station darf nur mit Genehmigung der zuständigen Polizeibehörde erfolgen. Dieselbe kann den Stationsleiter generell zu der Erteilung von Erlaubnisscheinen an die Auswanderer ermächtigen. Aus dem Inhalt dieses Ministeriaierlasses geht deutlich hervor, dass die Kontrollstationen geradezu eine Wohltat (?) für Tausende von Auswanderern sind, indem sie ihnen Unterkunft, Verpflegung, ärztliche Behandlung etc. nach dem mühseligen, oft gefahrvollen Ueberschreiten der Grenze gewähren und indem sie verhindern, dass kranke und unbrauchbare Elemente, die von der amerikanischen Regierung unweigerlich zurückgewiesen werden» bereits an der Grenze darauf aufmerksam gemacht, resp. zum Ausheilen leichter Krankheiten veranlasst werden, damit ihnen bei der Landung in den Vereinigten Staaten keine Schwierigkeiten entstehen. Was die Klagen über die Kontrollstation in T Ii o r n anbelangt, so ist der Neubau dieser Station seit einem Jahre bereits beschlossen worden, und nur mit Rücksicht auf den geringen Auswandererverkehr im letzten Jahre haben die Sehiffahitsgesellschaften den Bau aufgeschoben. Diese Station wird aber im Frühjahr einem allen hygienischen und sanitären Anforderungen entsprechenden Neubau Platz machen. Die Angriffe gegen den Kontrollstationsarzt in Ostrowo sind wohl mehr auf persönliche Momente zurückzuführen. Dass Militärärzte in den Grenzstationen angestellt werden, hat seinen Grund darin, weil diese Herren sich gerade wegen ihrer früheren Tätigkeit zu einer solchen Stellung besonders eignen (?), was jeder verstehen wird, der sich der Schwierigkeiten bewusst ist, die eine Persönlichkeit zu überwinden hat, welche in verantwortlicher Stellung sich in kurzer Zeit ein objektives Urteil über das Befinden einer grossen Anzahl von Menschen bilden muss. In *) Mit Bezugnahme, auf den Artikel in der Nr. 3 unseres Blattes erhalten wir von Herrn Arthur Meyerowitz, dem Berliner Repräsentanten des Norddeutschen Lloyd für die jüdischen Angelegenheiten, obige Erwiderung. Anm. d. Red.

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