Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XI (1909)
- Issue
- Heft 5 (26.2.1909)
- Date
- 1909-02-26
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 „Neue National-Zeitung" Nr. 5 Am anderen Tage erschien auch ein großer Artikel in der „Arbeiter-Zeitung". Es war ein Angriff gegen die Staatsanwaltschaft, verbrämt mit einer infamen Denunciation gegen mich. Es wurde mir nicht blos der Vorwurf gemacht, daß ich pflichtwidrig unterlassen habe, die Subsidiaranklage zu überreichen, denn eine bloße sachliche Unwahrheit genügte dem Verfasser nicht. Dieser dunkle Ehrenmann mußte auch denuncieren. Dazu isst er ja das Brot der „Arbeiter-Zeitung". Und er tat dies mit folgenden Worten; „Freilich wäre es nicht sicher gewesen, daß Dr. Landau für das Beschreiben des Bogens Papier auch etwas gezahlt bekommen hätte, und das wird ihn sicher in den Augen seiner Berufsgenossen entschuldigen." Die „Arbeiter-Zeitung" ist doch ein anständiges Blatt. Eine sachliche Aufklärung, die ich ihr zuschickte, wurde nicht abgedruckt, eine § 19 Berichtigung ebenfalls nicht. Ich werde also klagen. Der Strafrichter wird dann entscheiden, ob das Centralblatt der österreichischen Socialdemokratie das Privileg hat, straflos zu lügen und zu denunciren, sie, die so wehleidig tut und Krokodilstränen weint, wenn ihre Parteigenossen von der antisemitischen Presse angegriffen werden. Ausrichten werden aber die Herren von der „Zeit" und von der „Arbeiter-Zeitung" mit ihrer Takt k mir gegenüber gar nichts. Ich werde nicht müde werden, die Juden aufzuklären, daß diese „radikale" Presse der antisemitischen weder in Bezug auf die Niedrigkeit ihrer Gesinnung, noch in Bezug auf politisches Spekulantentum, noch in Bezug auf die Gemeinheit ihrer Kampfesweise irgendwie nachsteht Dr. S. R. Landau. Drei judische Kongresse in flord- Hmerika. (Von unserem Korrespondenten *). New-York, Ende Jänner. Von unserem neuen Weltteile kann man füglich sagen, dass dem Judentum darin neues Leben blüht. Wir kümmern uns weniger um die nationale Frage und die rituellen Differenzen, aber wir arbeiten, um unser Volk wirtschaftlich und geistig zu heben. Wären wir übermüttg und unbescheiden, so könnten wir sagen, dass die erbgesessene europäische Judenschaft zu uns hinaufblicken sollte. Aber wir wollen bescheiden sein, und blos unsere Volksgenossen jenseits des Oceans bitten, sich ein Seispiel zu nehmen, wie wir trotz der business stets bemüht sind, alle modernen Errungenschaften der Geistes-Wissenschaften, der Wirtschaftspolitik und des Association-Wesens dem Judentum dienstbar zu machen. Den Beweis hiefür erbringen die in den letzten Wochen abgehaltenen drei Kongresse. Der Kongress der jüdischen Frauen-Vereine in Cincinnati. (Ein Jahresbudget von 250.000 Kronen). Im Dezember des abgelaufenen Jahres fand in Cincinnati der 5. Kongress der jüdischen Frauen-Vereinigungen Amerikas statt, der von dem National Council of Jewlsh Women einberufen wurde. Mehr als dreihundert Delegierte waren angemeldet. Morgens hielten die verschiedenen nationalen Comites ihre Zusammenkünfte ab, am Nachmittag gab es einen *) Für vorige Nummer leider verspätet* Anmerk. d. Red. zwanglosen Empfang bei den gastfreundlichen Damen Cincinnatis und des Abends fanden sich sämtliche Delegierte und noch mehrere hundert Personen aus den besten Kreisen Cincinnatis in den prächtigen Räumen des neuen Tempels „Bene Israel" zusammen. Nach den ersten Begrüssungeu wurde zur allgemeinen Überraschung ein Begrüssungsschreiben des Präsidenten Mr. H. Taft zur Verlesung gebracht. Die Berichte der einzelnen Delegierten waren ungemein interessant. So hörte man von Miss Annie Laws, die namens der General-Federation of Woman's Club sprach, dass diese Vereinigung 800.000 Frauen als Mitglieder zählt. Sie führte aus, dass die General-Federation im gleichen iiinne wie das Council of Jewish Women für die Verbesserung der Heimstätten, bessere Schulen, besseres Bürgertum und bessere Gesetze wirke. Nach den Ansprachen von Herrn Walter J. Freiberg, Präs. des Tempels Bene Israel, der Frau Ben. Loewenstein, Präsidentin des Section Cincinnati und Dr. Kaufmann Kohler, Präsid. des Hebrew Union College (Rabbiner-Seminar) gab die Präsidentin des Kongresses, Frau Hugo Rosenberg, in erschöpfender und übersichtlicher Weise ein Bild von den Zielen und Plänen des Council of Jewish Women. Die Ansprache sei hier auszugsweise wiedergegeben: „Der Council of Jewish Women (der Rat der jüdischen Frauen) ist die Betätigung der geschichtlichen Wahrheit, dass die Juden trotz mancher Verschiedenheit der Sekte und des Ritus dennoch einig sind, denn unter unseren Mitgliedern wie unter unseren Führern gibt es solche mit radikalen, mit konservativen und mit orthodoxen Anschauungen. Wir sind sogar noch weiter gegangen. Wir sind nicht zufrieden, die eine Hälfte zu entwickeln, sondern wir brauchen das vollgerundete Ganze und haben Vorkehrungen für eine vereinigende Mitgliedschaft von Männern getroffen. So organisiert sind wir auf die Hauptlinie humanen Denkens gestellt. Unsere Beziehungen zu dem Municipal Research Comitee, mit welchem wir gemeinsam bei der Erforschung der Lage eingewanderter Frauen und Mädchen gearbeitet haben, zu der Conference of Jewish Charities, Council of Women der Vereinigten Staaten und der Internationalen Frauen-Vereinigung, die 22 Länder der Welt vertritt, bestehen weiter fort. Eines der wichtigsten Dinge, welche die Genfer Exekutiv- Versammlung der Internationalen Frauen-Vereinigung tat, war das Projekt eines Planes zu einem internationalen Kongress, welcher den Seelenhandel, als „weisser Sklavenhandel" bekannt, zum Gegenstande haben soll. Ob wir jüdischen Frauen uns unserer Glaubensgenossinnen wegen um die Sache annehmen müssen, kann nur nach genauester Nachforschung festgestellt werden, aber ob es nun Glaubensgenossinnen oder Anderen zu helfen gilt, ist hier einerlei. Es ist ein weltbewegendes Werk für die Sache der Menschlichkeit und für die moralische Besserung der Welt, und wir, die wir unsere zehn Gebote haben, sollten unsere Kräfte dieser Bewegung leihen. Es besteht auch die ebenso grosse Notwendigkeit, das Studium der Bibel, der modernen und alten jüdischen Geschichte und Literatur anzueifern. Die Tendenzen der besten Denker zum Monotheismus, das unausbleibliche Resultat der zahlreiche Kongresse und Konferenzen über Gegenstände aller Art, und die Freiheit, mit welcher Bibel und Theologie in der Presse und in Zeitschriften besprochen werden, bringt die Menschen zusammen. Vielleicht der grösste Fortschritt unserer Zivilisation sind die reisenden Distrikts-Pflegerinnen und die reisenden Lehrer für Haushaltungskunde, welche die Armen und voraussichtlich auch Unwissenden in ihren Wohnungen besuchen. Ausserhalb des Spezial-Unterrichtes, welcher in den öffentlichen Schulen gegeben werden kann und soll, sind sie von grösstem Werte." Am zweiten Tage wurden in der Vormittagssitzung viele Berichte gelesen. Unter diesen war der Geschäfts- und Kassa-