Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XI (1909)
- Issue
- Heft 5 (26.2.1909)
- Date
- 1909-02-26
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. $ „Neue National-Zeitung" Seite 3 servil, um die Wahrheit niederzuschreiben. Anstatt es der jüdischen Bourgeoisie klarzumachen, dass da ein grosser Jude lebt, den wir durch eigenes Verschulden nicht den Unseren nennen, weil wir seiner nicht gedachten, als er Menschen, als er seine Brüder suchte, anstatt also diese Wahrheit hinauszuschreien, gellend und aufrüttelnd, lullt man uns in den Wahn, dass wir solche Menschen unserem Volke zuzählen können, weil sie zufällig unseres Glaubens sind. Es ist hoch an der Zeit, mit diesen Wahngebilden aufzuräumen. Der alte Josef Izraels ist ein grundgütiger und lieber Mensen, der sich um den Zeitungsrummel nicht kümmert. Es könnte aber einmal geschehen, dass sich einer dagegen verwahrt, der Künstler eines Volkes zu sein, das nichts für ihn, für sein Werden und Wachsen tat. Dann mag es sich ereignen, dass noch einige Andere sich diesem Proteste anschliessen und wir stünden dann da und gingen wahrscheinlich wieder auf die Suche, anstatt uns die Zugehörigkeit eines Grossen zu erwerben. Wir wollen jüdische, reinjüdische Künstler, und haben ihnen doch nichts, nichts gegeben. Denunzianten. (In persönlicher Sache.) Die „Arbeiterzeitung" und die „Zeit" gehören nicht zu meinen Freunden. Ich habe ihnen so oft auf die Finger geklopft, habe ihre Unehrlichkeit in politischen Fragen, ihre gemeine persönliche Kampfesweise und die antisemitische üeschäftspolitik ihrer jüdischen Herausgeber resp. Redakteure festgenagelt, dass diese Fabriken der öffentlichen Meinung die Störung ihres Geschäftsbetriebes nicht ruhig hinnehmen können. Die Antwort, die sie geben, ist ihrer „geistigen" Leiter — Austerlitz und Kanner — würdig. Die Herren denunzieren. Selbst Niemandem, insbesondere keinem Standesgerichte verantwortlich, haben sie es sich zur Aufgabe gemacht, Vorfälle, die sich in meiner advokatorischen Praxis ergeben und die bei hunderten anderer Advokaten unbeachtet vorübergehen, in verlogener denunciatoiischer Weise zu entstellen, mit der ausgesprochenen Absicht, meine vorgesetzte Standesbehörde, den Disciplinarrat, auf dieselben aufmerksam zu machen. So hat es die „Zeit" im April v. J. gemacht, indem sie die Entlassung eines Koncipienten aus meiner Kanzlei, die der Disciplinarrat für ganz correct erklärte, gemeinsam mit der „Arbeiterzeitung" zum Ausgangspunkte einer ganzen Treibjagd wider mich machte. Dabei kam ihnen zu statten, dass zwei Koncipienten Namens Dr. U 11 m a n n und Dr. Geyerhahn, deren letzterer vom Ausschusse der Advokatenkammer wegen eines an mich gerichteten Briefes eine Rüge erhielt, die Gelegenheit benützten, und durch Versendung von Notizen für ihre in den weitesten Kreisen bekannten Persönchen Reclame zu machten. Als ich am 28. April v. J. diese Notizen berichtigte, wurde um 9 Uhr Nachts — zur Nachtzeit wurden auch David von Gutmann vom Professor Singer, dem Herausgeber der „Zeit", mit der Nachricht überrascht, dass Max von Gutmann im morgigen Blatte angegriffen wird — jener Dr. Geyerhahn in die Redaction die „Zeit" geholt, wo er sich der Mitarbeiterschaft dieses Blattes dadurch würdig machte, dass er mich in pöbelhafter Weise anrempelte und durch Erzählung eines ganz erlogenen Falles aus meiner Praxis denuncierte. Ob dieser Dr. Geyerhahn für die bestellte Nachtarbeit auch ein Honorar erhielt, weiss ich nicht. Aber das Geschreibsel war erlogen; das Aufsuchen einer Redaction zur Nachtzeit seitens eines Advokaturs-Kandidaten um einen Advokaten zu verleumden und zu denuncieren, war in diesem Falle umso weniger ehrenhaft, als es lediglich der Befriedigung persönlicher Ranküne dienen sollte. Ich habe sofort in der „Neuen National-Zeitung" dagegen Stellung genommen und angekündigt, dass ich gegen mien die Disciplinar-Anzeige erstatten werde. Das ist auch geschehen. Am 6. Juni 1908 wurde Herr Dr. Julius Adler, Hof- und Gerichts- Advokat, zum Untersuchungs-Kommissär über meine Selb<=tanzeige bestellt. Mit Beschluss vom 25. September 1908 Z. 102 hat der Disciplinarrat ausgesprochen, es sei gegen mich kein Grund zur Disciplinarbehandlung gegeben. Die Untersuchung hatte nämlich ergeben, dass die ganze Geschichts-Erzählung erlogen war, die Denunzianten haben sich vergeblich bemüht. Die traurigen Lorbeeren, die sich die „Zeit" mit dieser Denunciation erworben hat, scheinen die „Arbeiterzeitung" nicht ruhen zu lassen. Wahrscheinlich dürfte ein gewisser Engel, früher Handelskommis und Spezialist in der Sprengung zionistischer Versammlungen, jetzt Gerichtssaal-Reporter der „Arbeiter-Zeitung" es auf mich noch aus jener Zeit, da wir uns in zionistischen Versammlungen gegenüberstanden, scharf haben. Und so ist nun plötzlich die ehrenwerte Kompagnie Austerlitz-Engel auf die Spur eines neuen Verbrechens gekommen, das ich sceben verübt habe. Die „Arbeiterzeitung" tut also, was sie nicht lassen kann, sie denunciert. Ich habe nämlich als Vertreter eines jungen Mädchens, Fräulein T., beim Bezirksgericht Josefstadt am 8. Jänner 1909, die Strafanzeige wegen Verführung gegen Dr. B. überreicht. Am 15. Jänner fand die Gerichtsverhandlung statt und der Richter beschloß, den Act gegen Dr. B. wegen Verdachtes der Entführung an die Staatsanwaltschaft abzutreten. Am 25. Jänner habe ich die Vertretung der T. zurückgelegt, da zwischen ihr und mir über Einzelheiten der Prozessführung Differenzen entstanden. Am 31. Jänner hat das Bezirksgericht das Verfahren gegen Dr. B. eingestellt. Icn habe hievon die T. verständigt und über deren Ersuchen um weitere Intervention erklärt, dies davon abhängig zu machen, daß mir unbedingt freie Hand in der Prozeßführung eingeräumt werde. Am 7. Feber erhielt ich einen diesbezüglichen Brief von der T. Dieselbe war auch damit einverstanden, daß ich nicht die Subsidiaranklage erhebe, sondern die gegnerischen Vergleichsvorschläge diskutire. So verging die Zeit bis 15. d. M. An diesem Tage überzeugte ich mich, daß die T. mir, ihrem Vertreter, einen Brief des Dr. B., den wichtigsten für den ganzen Prozess, verschwiegen hat. Ich verlangte daher von ihr, daß sie mir diesen Brief, behufs Geltendmachung ihrer Rechte, ausfolge. Die T. verweigerte dies mit der Antwort, sie könne dies nicht thun, die „Arbeiterzeitung" interessire sich für die Sache, der Abgeordnete Cingr habe sie für abends eingeladen und ihm müsse sie den Brief übergeben.