Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XI (1909)
- Issue
- Heft 3 (29.1.1909)
- Date
- 1909-01-29
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 „Neue National-Zeitung" ihrem Elend und Unglück. .... Wir haben aber selbst nichts dazu getan, um diese Assimilation zu fördern, wir sind kalt und gleichgiltig den Juden gegenüber geblieben, die sich als Polen in unsere Mitte sehnten. . . — „Aber der Nationalismus, der Zionismus" ruft der ob dieser Nachricht entsetzte Interviewer aus. Prof. Baranowski für den Nationalismus. Professor B. gab darauf eine Antwort, die seiner edlen Gesinnung Ehre macht. Er sprach wie ein Gelehrter, dem jeder nationale Chauvinismus fremd ist: „Uns Polen" — erwiderte er — „fehlt das, was die Franzosen le sens du reel nennen. Wir sind Phantasten; das zeigt sich am klarsten in unserer Politik. Ich fürchte, dass wir uns auch jetzt Angesichts des neuen Stadiums der Judenfrage von phantastischen Vorstellungen leiten lassen werden. Es wäre aber notwendig, diese neue Phase der jüdischen Entwickinng zu studieren, statt zu ihr auf Grund der Artikel einiger Jargon-Blätter Stellung zu nehmen. Es wäre notwendig zu prüfen, ob und in wie weit die nationale Idee zur Gesundung und Cultivierung der jüdischen Volksseele beiträgt. Wir stud.eren aber diese Frage überhaupt nicht. Dass die Juden neue Wege suchen, um sich aus «hier fatalen Situation zu befreien — wer darf sich darüber wundern, wer darf es ihnen verübeln? Seien wir doch den Juden gegenüber tolerant. Machen wir es so, wie die Franzosen nach iarer grossen Revolution". Wir finden im „Swiat" dann noch die Aeusserungen des .üdischen Redakteurs Kempner und des antisemitischen Journalisten J e 1 e n s k i. Für Kempner ist der jüdische Nationalismus eine Eintagsfliege. Die Wiederbelebung der Assimilation ist für ihn nur eine Frage des reformierten Gottesdienstes. .. . Jelenski hofft, die Juden überhaupt bald loszuw rden. Die Bevölkerung weiss sich bereits am Lande ohne die Juden zu helfen; sobald auch die Städter diesem Beispiele folgen, müssen die Juden fort. .... Wer seit dem Untergange des „Izraelita" noch den Mut findet, sich als „Pole mosaischer Konfession" zu declariren, macht sich lächerlich". In der Krakauer Monatsschrift „Krytyka" gibt der Abgeordnete Dr. Adolf Gross in eine n Artikel „Zur jüdischen Frage" seine Ansichten unter scharfer Kritik der jüdisch-nationalen Bewegung zum besten. Sobald die lange Artikelserie, die mit den bekannten altgebackenen Phrasen der „mosaischen Polen" arbeitet, beendigt sein wird, dürfte es sich vielleicht verlohnen, mit denselben zu polemisieren. Das Wahlrecht der Juden in Bosnien. Die Budapester „AUg. Jüd.-Rundschau" polemisiert in einem Artikel „Niedriger hängen" gegen die Auslassung der Wiener „Zeit", welche beweisen wollte, dass die Juden in Bosnien von den in Aussicht genommenen 68 Sitzen, keinen einzigen bekommen werden, da nur auf 17—^0.000 Einwohner ein Abgeordneter entfällt, die Juden aber bloss 8000 Seelen zählen. Unsere Kollegin regt sielt dabei sehr auf, und fordert den einen Herausgeber, der bekanntlich aus Botuschani stammt und nach Stanislau zuständig ist, auf, nach Botuschani heimzukehren, um sich dort im rumänischen Antisemitismus zu betätigen. Allein zu dieser Aufregung ist gar kein Grund. Das Geschwätz der „Zeit" ist nur ein originell sein wollendes Gemauschel. Die Juden in Bosnien müssen als Staatsbürger ein Wahlrecht haben. Nach der Wahlordnung erhält jede Konfession, daher auch die Juden, eine eigene Kurie. Wie ist es denn möglich, dass man den Juden eine Wahlkurie, aber kein Mandat gibt? Wo bleibt das Wahlrecht, wenn man Niemanden wählen darf? Allerdings spricht das Blatt nur von »drei" Konfessionen u. zw. katholisch, ortodox und mohamedanisch. Dafür sind aber auch die beiden Herausgeber der „Zeit", der eine aus Botuschani und der andere aus Budapest, unverfälschte — „Daitsche". histe der ausgetretenen. Vom 19. Dezember 1908. bis 19. Jänner 1909. Cornell Gustav Dr. Advokat, geb. 19. November 1847, Prag (Böhmen). IX., Hahn^asse 8. Feinmann Hermann, geb. 18. November 1882, Olmütz, Kaufmann in Hongkong. Lichtenstern Ludwig Dr., Hof- und Gerichtsadvokat, geb. am 4. Mai 1865, Wien, XIX., Gebhardgasse 6. Löw Maria geb. Haslinger, geb. 1. September 1836, Pfarre Weilbach zu üegelhot (O.-Oe.), Proselytin, IX., Hörigasse 18. Münk Margarethe, Malerin, geb. 20. Jänner 1873, Wien, III, Veithgasse 3. Tauss Maria geb. Galia, k. k. Polizeikommissärsgattin, geb. 26. September 1864, Ung.-Ostrau (Mähren), IX., Fluchtgasse 'j. Werchota Marie geb. Pollak, geb. 1. Juni 1880, Boskowitz (Mähr.) XVI., Neumeyergasse 19. Zwetschkenstiel Mathilde, geb. 16. März 1884, Budapest, XV. Goldschlagstr. 8. Waldberg Violetta, Freifrau von, geb. 16. October 1877, Berlin, I. Hotel Krantz. Thür Jacques S., Ingenieur, geb. 9. März 1882, Wien, IX., Glasergasse 17. Ehrlich Hermine, geb. 20. Dezember 1881, Nieder-Thomasdorf, II. , Kastellezgasse 17. Strakosch Emil, geb. 7. Dezember 1859, Brünn, I., Stubenring 12. Flaschner Leonore, Handarbeiterin, geb. 19. October 1875, St. Georgen, II, Franzensbrückenstrasse 13. Landesberger Irma, Schneiderin, geb. 30. Dezember 1876, St. Gotthard, II., Gr. Mohrengasse 40. Mayer Maximilian, Redakteur, geb. 17. October 1866, Neubydzow, IV., Goldeggasse 7. Glogau Richard, Reisender, geb. 25. Dezember 1882, Nikolsburg, II., Rote Sterngasse 22 Bergler Hugo, Reisender, geb. 28. Mai 1875, Wien, IX., Schubertgasse 15. Stieglitz Josef, geb. 1. Dezember 1854. Tarnow, I.. Wollzeile 17. Pollaczek A.fred, Kaufmann, geb. 25. Juli 1874, Prag, III., Engelsberggasse 4. Hauser Adele, geb. 7 April 1886, Wien, XIII., Linzerstrasse 400. Lukacs Paula, geb. 21. März 1876, Wien, IX., Servitengassc 5. Kofin Emma, geb. 30. November 1877, Olmütz, Vll., Neubaugasse 48. Rakowszky Franziska, Modistin, geb. 16. Mai 1878, Wien. 11., Gr. Mohrengasse 20. Czitron Adolf, Manipulant, geb. 11. Dezember 1844, Wien, V., Grünmasse 31. Wassermann Bencyjon, Kommis, geb. 2 Juni 1886, Kalusz, 11.j Gr. Stadtgutgasse 17. Rotstadt Sofie, Lehrerin, geb. 1. October 1880, Warschau, 11., Klang^asse 7. Kranz Cäcilie, geb. 21. August 1881, Niebylec, XV)., Brunneggasse 40. Weiss Sigmund, Ingenieur, geb. 12. November 1884, Wien, Graz. Freund Elvira, geb. 27. Juli 1885, Wien Benesch Emma, Dienstmädchen, geb. 30. September 1886, Pravonin, XIV., Hügelgasse 7. Winkler Arnold, Fabrikant, geb. 22. Mai 1869, Wien, XIII., Auhofstrasse 166. Winkler Ida, geb. 4. Mai 1879, Saaz, XIII., Auhofstrasse 166. Personal-Nachrichten. Am 29. d. M. feiert Herr Robert Wolf, Redakteur des „Illustrierten Wiener Extrablatt", seinen 60. Geburtstag. Wolf gehört nicht nur zu den bedeutendsten Wiener Journalisten, sondern auch zu den wenigen Angehörigen dieser Zunft, die offen und entschieden ihr Judentum Dekennen und vertreten. Mit der ihm eigenen feinen Satire hat Wolf oft die Blossen der Antisemiten getroffen; mit besonderer Wärme hat er in kritischen Tagen die bedrohten Interessen des Judentums verteidigt. Es gereicht unserem Blatte zur Ehre, Herrn Wolf zu seinen Mitarbeitern zählen zu dürfen. Todes-Nachrichten. Hof- und Gerichts-Advokat Dr. Leopold Kahn ist am letzten Freitag plötzlich verschieden. Der Verstorbene, durch mehrere Jahre Mitglied des zionistischen Aktionskomitees, war ein eifriger Agitator des politischen Zionismus. Während der letzten Reichsratswahlen ist er in demonstrativer Weise gegen die jüdisch-nationalen Kandidaten aufgetreten. Briefkasten der Redaktion. Auf mehrere Anfragen. Die Broschüre gelangt mit der nächsten Nummer zur Versendung. Diesbezügtich verweisen wir Sie auf den Inhalt der 2. Urhschlagseite. Oppositioneller. Uns hat es durchaus nicht gewundert, dass die „Jüdische Zeitung" unserem Beispiel folgend, in ihrer letzten Nummer den „Jüdischen-Klub" kritisiert. Sie hat jedenfalls eingesehen, dass die Unzufriedenheit in der jüdisch-nationalen Wählerschaft eine berechtigte ist. Dr. A. K. Diese Angelegenheit kann nur mündlich erledigt werden. Wollen Sie uns besuchen. R. L. Ueber dieses Thema! liegt bei uns ein Artikel vorbereitet, welcher nur wegen Platzmangel bisher nicht erscheinen konnte. Jiddisch. Die jiddischen Werke von Mendel Mocher Sforim sind zürn grössien Teile in deutsch-jüdischen Zeitungen übersetzt worden. In Buchform sind diese Übersetzungen unseres Wissens bisher nicht erschienen. .