Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XI (1909)
- Issue
- Heft 3 (29.1.1909)
- Date
- 1909-01-29
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 „Neue National-Zeitung" Nr. 3 sollte, ist der folgende anzusehen: „Der Rabbiner sei von seiner Gemeinde als Leiter und Vorsteher der religiösen Angelegenheiten anzuerkennen, und stehe ihm als solcher das Recht zu, seine Gemeinde vor Gericht und sonstigen Behörden zu \ ertreten und Missregeln gegen jede Verunglimpfung der Religion zu treffen oder zu veranlassen". Von allgemeiner Wichtigkeit ist der auch ziemlich aktuelle Beschluss, dass den jüdischen Soldaten die Möglichkeit ritueller Beköstigung verschafft werde. Bei dieser Gelegenheit stellte Rabbiner Epstein den mit grossem Beifall aufgenommenen Antrag, die Militärbehörden darüber aufzuklären, dass die Juden entgegen allen Verleumdungen ihre Militärpflicht ganz und voll erfüllen; die Behörden seien auch darauf aufmerksam zu machen, dass durch die Unordnung der Register und willkürliche Handhabung der Gesetze den Juden gegenüber sich verschiedene Misstände ergeben. Zugleich mögen die Rabbiner auch ihrerseits in ihren Gemeinden auf die jedem Bürger obliegende Pflicht, Militärdienst zu leisten, nachdrücklich hinweisen. Die hiesige Gemeinde, ihre Rabbiner und das nicht ortodoxe jüdische Publikum haben den Kongress ignoriert. Derselbe ist trotzdem ein nicht zu unterschätzender Beweis des in den sehr zahlreichen Kreisen der jüdischen Ortodoxen Polens schlummernden Bedürfnisses nach Organisation und Anpassung an das wirkliche Leben. Palästina. Das Einwanderungs-Verbot nach Palästina. Jaffa. Bekanntlich wurde infolge des für die Juden geltenden (in der Praxis angewandte?:!) Einwanderungsverbotes nach Palästina den jüdischen Ankömmlingen der Reisepass abgenommen und ein roter Schein eingehändigt. Es sollte damit bekundet werden, dass der Inhaber dieses Scheines nicht länger als drei Monate im Lande zu weilen berechtigt sei: wiewohl dies lediglich eine Formalität war und in der Tat niemals ein Versuch gemacht wurd°, die Inhaber des roten Aufenthaitsscheines zum Verlassen des Landes aufzufordern, wurde doch diese Behandlung der Juden als eine Ehrenkränkung schwer empfunden. Insbesondere war es ganz unverständlich, dass, als der Passzwang überall in der Türkei ohne besondere Verordnung seine Geltung verlor und man in den nahe gelegenen Häfen Beirut und Haifa bereits ohne jede Kontrolle ein- und ausfahren konnte, in Jaffa dennoch alles beim alten blieb und die jüdischen Fremden weiter den roten Zettel einstecken mussten. Der Redakteur der hebräischen Tageszeitung „Hazewi", Herr Ben Jehuda, begab sich zum jerusalemer Gouverneur Soubhi Bey und klagte vor ihm über diesen gesetzwidrigen Zustand, der die jüdischen Bürger aufs äusserste verletzte. Der Gouverneur erklärte nun Herrn Ben Jehuda, dass auch er durchaus gegen die Wegnahme der Pässe bei jüdischen Einwanderern sei, und dass er die zuständigen Beamten bereits aufgefordert habe, diese Praxis in Zukunft einzustellen. Auch bereite er einen ausführlichen Bericht über diese Angelegenheit an die Zentralregierung vor und werde die Aufhebung dieser Verordnung beantragen. Der Pascha stellte bei dieser Gelegenheit ausdrücklich fest, .dass die Behauptung, er wäre der jüdischen Einwanderung und Ansiedlung in Palästina abgeneigt, durchaus unzutreffend sei, und berief sich auf das Zeugnis der jüdischen Abgeordneten Carasso Effendi, Nissim Effendi Masliah und des jüdischen Senators Behor Effendi, Aschkenazi, die seine guten Bekannten seien und bezeugen können, dass er den Juden durchaus freundlich gesinnt sei. G5MEINU5=un& VSR&NäNflUiRkUrceN Wien. Der Brigittenauer isr. Frauen-Wohltätigkeits-Verein, dessen Veranstaltungen sich einer grossen Beliebtheit in der Gesellschaft erfreuen, veranstaltet Dienstag, den 2. Februar d. J. in den Sofien»älen eine Wohltätigkeits-Akademie mit nachfolgendem 'I anzkränzchen zu Gunsten der Armen im XX. Bezirke Mit Rücksicht auf den eminent wohltätigen Zweck haben ihre bestimmte Mitwirkung u. A. zugesagt: Frau Drill-Oridge vom Kaiser-Jubiläums-Stadttheater, Frau Grete Holm vom Theater a. d. Wien, Karl v. Zeska, k. k. Hofschauspieler u. s. w. Die Nachfrage nach Karten ist äusserst lebhaft und sind die noch vorhandenen Karten bei den Vorstandsdamen, im Konzertbureau Albert Gutmann. I. Operng. 1, in der Musikalienhandlung Hugo Kuepler, 1 Habsburgerg. 2, sowie bei der Tageskassa der Sophien- Säle, III. Marxerg. 13, erhältlich und können auch durch Telefon 150J6 bestellt werden. Wien. (Generalversammlungen.) Die dies ährige ordentliche Generalversammlung des Ve: eines zur Errichtung und Erhaltung von Horten fur schulpflichtige Kinder findet Sonntag, den 81. Jänner d J., um 10 Uhr vormittags, in den Räumen d:s Vereines „Eintracht" Bnai Bnt>, IX., Universitätsstrasse 4, statt. Am selben Tage und im gleichen Lokale wird um 11 Uhr vormittags die ordentliche Generalversammlung "der üdischen Toyr.beehatle abgehalten. Tagesordnung beider Versammlungen: 1. Tätigkeit^- und Kassabericht pro 1908. 2. Wahl der Funktionäre. 3. Eventualia. $us allen «clkcjlen Was in Bayern passiert. Oberlandesgerichtsrat Dr. Ed. Silbermann in München ist zum Staatsanwalt am Obersten Landesgericht und damit zum stellvertretenden Generalstaatsanwalt ernannt worden. Das könnte in Oesterreich nicht passieren. Für die Chacham-Baschi-Wahl in Konstantinopel kommen als Kandidaten in Betracht: Joseph Halevy, Rabbiner in Balat, Abraham Danon, Direktor des Rabbiner-Seminars hierselbst, Hajim Nahum, der gegenwärtige stellvertrende Chacham Baschi, Mose ben Chabib, Rabbiner in Brussa, und Raphael Aron Benschimon, Oberrabbiner in Kairo. Der Letztgenannt1, der den Ruf als die hervorragendste sephardische Autorität der Gegenwart geniesst, hat grosse Chancen und wird von den Ortodoxen gewünscht. Die Alliance Isr. Un. setzt sich für Nahum ein. Sechs Millionen Mark hat der jüngst in New-York verstorbene Bankier Louis H i n s h e i m e r, Seniorchef der Firma Kuhn, Loeb u. Co., mit der Bestimmung testiert, dass die Summe den grossen jüdischen Hilfsorganisationen New-Yorks zufallen soll, die sich zu gemeinsamer Tätigkeit .zusammengeschmolzen haben.