Mannheim
Compact Memory

Neue Nationalzeitung · 1909-01-29 · Heft 3 (29.1.1909) · p. Seite 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XI (1909)
Issue
Heft 3 (29.1.1909)
Date
1909-01-29
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2425679-2425773-2425777--1237-2427580
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 7 „Neue National-Zeitung" Nr. 3 Sprechsaal, Geehrte Redaktion! Gestatten Sie mir ein paar Bemerkungen betreffs meines in Nr. 2 Ihres gesch. Blattes angeführten Artikels im Januar-Heft von „Ost und West" über „Soziale und geistige Strömungen in der europäischen Judenheit". Ich ergreife dazu das Wort, nicht um die bezüglichen Aeusserungen in Ihrer w. Zeitung niederlegen zu wollen. Was dem Einen „längst bekannt" ist, mag vielleicht manchen Anderen weniger bekannt sein. Auch ist wohl das „Originelle" nicht immer identisch mit dem Treffenden. Im übrigen liegt ja der betreffende Aufsatz den Lesern vor, und können sie sicn selbst ein Urteil über ihn bilden. Was mich zu dieser Frwiderung veranlasst, ist besonders Ihre Bemerkung inbezug auf Qalizien. In dem genannten Aufsatz habe ich einleitend hervorgehoben, dass eine auch nur annähernde Erschöpfung des Themas von mir nicht beabsichtigt wäre. Zu einer solchen würde natüilich auch eine Besprechung der Bewegungen und Richtungen in der in den letzten Jahren einen erfreulichen Aufschwuug aufweisenden galizischen Jndenheit gehören. Bei dem Umfang und der Vielseitigkeit des Gebietes konnten in dem Rahmen eines Zeitungsartikels nur die Richtungslinien und Haupttendenzen der Erscheinungen behandelt werden. Als eine solche, auch für Galizien zutreffende Grundrichtung wollte ich hervorheben, dass gegenwärtig in der östlichen Judenheit die kulturelle Betätigung vor der politischen in den Vordergrund gerückt ist. Nur war in Russland die Vorentwicklung dazu während der letzten „Sturm- und Drangperiode" komplizierter und wechselvoller. Ich möchte aber konstatieren, dass mich gerade Galizien mit der besten Hoffnung für die künftige Gestaltung unseres eigenes Geisteslebens erfüllt. Für die freundl. Veröffentlichung dieser Zeilen in Ihrem gesch. Blatte im Voraus dankend Hochachtungsvoll Josef Lin. Berlin. Oesterreich-Ungarn. „Die Lösung der Mikwah-Frage". Wien, 20. Jänner. Wir erhalten von einer Persönlichkeit, welche an den Verhandlungen unmittelbar teilgenommen hat, nachstehende Zuschrift: „Geehrte Redaktion! Die in der letzten JNummer Ihres w. Blattes l emachten Mitteilungen über d'e zwischen dem Kultu>- vorstand und der SchiffschuP betreffs der Mikwah getroffene Vereinbarung sind nicht ganz richtig. Ich kann Sie versichern, dass die SchiffschuP keineswegs in dieser Angelegenheit einen „Sies" davongetragen hat und dass vielmehr diese Partei derjenige Teil war, welche nachgegeben ha. Das Uebereinkommen, von dem in dem Komunique des Kultusvorstandes allerdings sehr lakonisch die Rede war, bestand dar/n, dass nach wie vor Oberrabbiner Dr. Güdemann und Rabbiner Mayersohn über die Mikwah die Aufsicht zu führen haben, dass jedoch nichts ohne Zustimmung des Rabbiners der Schiffschul oder dessen Vertreters vorgenommen werden wird. Ich bin überzeugt, dass Ihr wertes Blatt, welches wahrscheinlich dadurch irregeführt wurde, dass es der Kultusvorstand nicht für notwendig gefunden hat, die Oeffentlichkeit genügend aufzuklären, keinen Anstand nehmen wird, diese meine Richtigstellung zu veröffentlichen". * Unser Gewährsmann war so freundlich, uns in das am 2. Jänner 1909 in der Sitzung des Mikwahkomites des Kultusvorstandes aufgenommene Protokoll Einsicht zu gewähren und stimmt der Inhalt dieses Protokolles mit obiger Darstellung auch überein. Bei dieser Sitzung, die unter Vorsitz des Dr. Stern stattgefunden hat, wurde auf der einen Seite von Oberrabbiner Dr. Güdemann, auf der anderen Seite von Herrn Wolf Pappenheim eine Erklärung abgegeben. Diese Erklärung hatte nachstehenden Wortlaut: Herr Oberrabiner Dr. Güdemann ei klärt: „Es hat unter Leitung des Herrn Präsidenten Dr. Stern eine Sitzung stattgefunden, bei welcher zwischen dem Mikwah- und dem Baukomite, dem Gesamt-Rabbinate und dem Rabbinate, sowie den Vorstehern der Schiffschul' die schönste Einigung in Bezug auf die Einrichtung der Mikwah stattgefunden hat. Ueber das Projekt für einen Dampfauftrieb ist noch kein Beschluss gefasst worden. Im Uebrigen hat das Projekt die Billigung aller Teile gefunden". Herr Pappenheim als Vertreter der SchiffsrhuP erklärt: „Das gesammte Rabbinat, d: s Präsidium und die Mikwah- Kommission der Kulrusgeme'nde erklärten dem Rabbiner und dem Vorstand des Adass Jisroel verbh.dlich, dass in der baulichen und maschinellen Einrichtung der Mikwah. in der Aufsicht des Betriebes, Bestellung des Personales, in ritueller Beziehung nichts ohne Zustimmung des Rabbiners des Adass Jisroel oder dessen Vertreter vorgenommen werden wird". Es gereicht den Herren von der SchiffschuP gewiss nicht zur Unehre, dass sie nachgegeben und der Sache eine friedliche Richtung gegeben hiben. Wir müssen uns jedoch fragen, welchen Zweck es gehabt hat, dass ihr Vorstand seinerzeit den Obmann Markus Bondi dafür, dass er vcr einem Jahr die jetzt endgiltig stattgehabte Veieinbarung mit Dr. Güdemann getroffen hat, zum Rücktritte zwang und wozu denn soviel renommiert wurde, dass das Geld für den Neubau einer Mikwah schon beisammen sei?... Russland Ein Rabbiner-Kongress in Warschau. Warschau, 18. Jänner. (Orig. Korr ) Am 12. d. M. wurde der Rabbiner-Kongress eröffnet. Es wurde zunächst zu den Wahlen geschritten. Zum Ehrenpräsidenten wurde der Senior der polnischen Rabbiner, d r Rabbi Samuel B o r n s t e i n aus Sochazew gewählt, als Vorsitzender Rabbiner Moses Pinchas Frank aus Ktittna, der in der Leitung von den Rabbinern Graubart aus Bendin, Weingarten aus Konsk und Rosenfeld aus Petrikow unterstützt wird. Als Sekretär fungiert Rabbiner Ch. Lipschitz aus Kaüsch. Der Ehrenpräsident 1 ielt eine begeisterte Ansprache, in der er die grossen Aufgaben dieses Kongresses besprach und der Regierung für die Erlaubnis der Abhaltung dankte. Die Versammelten erhoben sich von ihren Plätzen, um dem Kaisergebete, das von Oberkantor und Chor der Warschauer Gemeinde vorgetragen wurde, zuzuhören. Dann wurde ein Huldigungstelegramm an den Kaiser und den Ministerpräsidenten abgesandt. Die Diskussion und die Beschlussfassung stützte sich auf die in Ihrer vorigen Nummer angegebenen Tagesordnung. Am zweiten Tage wurde an die Wahl von fünf Kommissionen geschritten, d.i. sich die Diskussion im Plenum als weitschweifig erwies. Selbstverständlich wurden alle Anträge des Organisations- Komites angenommen. Als der wichtigste Beschluss, welcher die Stellung der Rabbiner gegenüber den vom Staate anerkannten Kronrabinern festigen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.