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Neue Nationalzeitung · 1909-01-15 · Heft 2 (15.1.1909) · p. Seite 9

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XI (1909)
Issue
Heft 2 (15.1.1909)
Date
1909-01-15
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 2 „Neue National-Zeitung" Seite 9 Jude und Kardinal. Messina sank in Staub und Trümmer Der Todeswunden flngstgewimmer Stieg auf bis zu des Himmels Zelt Und füllt mit seinem Web die Welt . . . Und vor dem Leid der Kranken sanken Des Kampfes und des Hasses Schranken, Es öffnet ihrer Todesqual Der Papst sogar sein Hospital. Und selbst der Bürgermeister Nathan Klopft höflich bei dem Kirchenstaat an — Und sieb, man läßt den Juden ein, Der sonst dem Papst bereitet Pein. Das Unglück der geschlag'nen Lande, Es löste alten Hasses Bande; Was nie vermocht die Politik, Das bracht* zuwege das Geschick. Als Nathan bei den Kranken weilte, Die Pforte abermals sieb teilte: Den Raum betrat Merry de Val, Der eifervolle Kardinal. Zwei Mächtige in ihren Landen Sich plötzlich gegenüberstanden Dort in des Papstes Hospital: Der Freigeist und der Kardinal. Im Angesicht der Todeskranken, Da reichten schweigend, ohne Schwanken, Von ihres Volkes Not gebannt, Die beiden Gegner sich die Hand. Mit einmal fanden sich die beiden In ihres armen Landes Leiden — — Was nie vermocht' die Politik Das bracht zuwege das Geschick . . , . Vielleicht gereicht noch d i e Begegnung Italien dir dereinst zur Segnung, Vielleicht noch dankst du es einmal, Dem Juden und dem Kardinal, Wenn sich ob deines Volkes Schmerzen Erschließen alter Feinde Herzen, So bleiben sie vielleicht vereint, fluch wenn des Glückes Sonne scheint. Und aus dem Leid, das dich betroffen, Erstrahlt vielleicht ein wenig Hoffen. Zeltschriften-Rundschau. Die jüdische Presse. Das Organ der Polen »mosaischer Konfession« in Warschau, „Izraellta", hat nach 43jährigem Bestände zu erscheinen aufgehört. In diesem Blatte wurde die jüdisch-nationale Bewegung seit ihrem Beginn heftig bekämpft; Nahum Sokolow ist hier im Jahre 1897 gegen den ersten zionistischen Kongreß aufgetreten. In den letzten Jahren war das Blatt trotz seiner Tendenz ziemlich matt; der Tod seiner Hauptstützen Dr. Cylkow und Berson scheint ihm jede Basis entzogen zu haben. Erfreulich ist dafür das Entstehen zweier Volksblättar in Yiddisch: »jüdische Wochenschrift« in Warschau (Redakteur: J. L. Perez) und »JUdische Illustrierte Zeitung« in Krakau. In Warschau erscheint außerdem seit dem 1. Jänner unter der Redaktion von David Frisch mann und T. Lewin eine neue hebräische Tageszeitung »Haboker«; in Wilna die „Jüdische Zeitung" als Tagblatt in Yiddisch. Nebst New-York verfügt daher Warschau über die meisten jüdischen Zeitungen: Drei Tagblätter (»Unser Leben« und »flaintc in Yiddisch, »Haboker« in Hebräisch) und zwei Wochenschriften (»Jüdische Wochenschrift' und Theater-Welt« in Yiddisch). * Die Jänner-Num.ner der Monatsschritt »Ost und West« bringt an leitender Stelle einen sehr instruktiven Artikel von M. A. Klausner »Das Jahr 1908«. In demselben wird mit Recht darauf verwiesen, welchen hervorragenden Anteil die Alliance Isr. Un. an der Erziehung der türkischen Juden zu gebildeten Staatsbürgern genommen hat. Es folgt ein Aufsatz von Max Schacherl »Hermann Heyermans« mit einer feinen Anatyse dieses jüdischen Dichters. Joseph L i n wiederholt in einem Artikel »Soziale und geistige Strömungen in der osteuropäischen Judenheit« längst bekannte Phraseu und beweist, wie das Wort »sozial« in der jüdischen Publizistik für allerhand oberflächliche Gemeinplätze mißbraucht wird. Unter »osteuropäische Judenheit« versteht Herr Lin nur die Juden in Rußland. Ks wäre aber auch über Galizien so manches zu sagen, was die Leser dieser Zeitschrift interessieren könnte. * « * An leitender Stelle der »Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden« beschäftigt sich NT. W. Goldstein mit der »Konzentration der jüdischen Einwanderungs-Bevöikerung in London.« Die Masseneinwanderung polnischer und russischer Juden nach London gieng Hand in Hand mit ihrer Niederlassung in East End, wo sie alle Schulen überflutet, die Wohnungen riesig verteuert und die Einheimischen verdrängt haben. Ihre Zahl ist von 8063 im Jahre 1881 auf 50.160 im Jahre 1901 angewachsen. Als Grund dieser geographischen Konzentration, die im East-End eine »jüdische Uebervölkerung« herbeigeführt hat, bezeichnet der Verfasser die Notwendigkeit einer wirtschaftlichen Konzentration, d. h. einer wirtschaftlichen Verbindung aller jüdischen Emigranten, die mit ihren billigen Arbeitskräften neue Industrien schaffen und eigene Märkte haben. Diese Uebervölkerung hat zur Folge, daß im East-End während der Periode von 1897—1903 107 Straßen ganz jüdisch geworden sind. 16 Schulen haben eine Majorität jüdischer Schüler von 70—80" 0 (zus. 15,056 jüdische Kinder). Es werden daher in diesen Schulen der Sabbath und die jüdischen Feiertage gehalten. Es folgt dann ein Artikel über »Die Kriminalität der Juden in Rußland« von Leopold Ambrunn, der sich eigentlich mit den politischen Verbrechen im Zeiträume von 1901—1903 beschäftigt und die Wiedergabe eines Artikels von Professor Tarnowsky in der Zeitschrift »Archives d' anthropologie criminelle« bildet. Nach Tarnowsky verteilen sich die wegen politischer Verbrechen Augeklagten auf die einzelnen Religionen mit folgenden Prozenten: Wegen politischer Verbrechen Angeklagte Religion Orthodoxe 61 Altgläubige 1 Katholiken 19 Protestanten 2 Armenier 1 Juden 13 Mohamodaner 2 Andere Religionen oder unbekannte Bekenntnisse 1 1884-1890 1901—1903 51 1 4 i 1 29 1 1 Auf Angehörige dieser Religion entfallen von der Gesamtbevölkeruug Prozen'e 73 i 9 3 1 4 Am auffallendsten ist die Zahl der Juden, indem diese ungetähr sechsmal stärker an der VerÜbung politischer Verbrechen beteiligt siud, als es ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung entsprechen würde, Ebenso fällt unter der Zahl der wegen politischer Verbrechen angeklagten Frauen die der Jüdinnen auf. Von 974 in den Jahren 1901 —1903 angeklagten Frauen waren 446 jüdischer Religion, 403 orthodoxe, 104 katholisch und 21 gehörten anderen Konfessionen an. * Anläßlich des Erdbebens in Sizilien widmet Dr. S. O c h s e r in der »Allg. Zeitung des Judeatuns< den Juden dieses Landes eine

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