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Neue Nationalzeitung · 1909-01-15 · Heft 2 (15.1.1909) · p. Seite 7

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XI (1909)
Issue
Heft 2 (15.1.1909)
Date
1909-01-15
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 2 __„Neue National-Zeitung"____________________________Seite 7 Sehr merkwürdig ist die Einladung, in der auf vorangegangene Kämpfe innerhalb der Rabbinerschaft angespielt wird. Es heißt da: „Wir haben die Ehre, Ihnen mitzuteilen, daß uns der Herr Generalgouverneur mit Zustimmung des Herrn Ministers des Innern die Erlaubnis zur Abhaltung des Rabbiner-Kongresses gegeben hat, allen denen zum Trotz, die gegen uns gewühlt und uns gezwungen haben, den Kongreß fortwährend hinauszuschieben. Daher stärkt Euch und stärken wir uns alle, zu Ehren des Allerhöchsten und seiner heiligen Thora, sowie zum Wohle unseres Volkes Israel. Es helfe Einer dem Anderen, und der Allmächtige uns Allen, auf daß sie Alle, die den Kongreß hintertreiben wollen, zu Schanden werden." Es dürften sich ungefähr 50 Rabbiner am Kongreß beteiligen. Den Vorsitz wird der Rabbiner von Bendin führen. Der Kongreß hat auch ein Programm, resp. eine Tagesordnung. Sie wurde vom Organisations-Komitee ausgearbeitet und mit den Einladungen versandt. Es wird also ganz parlamentarisch zugehen. Das Streben des Kongresses geht dahin, die kirchliche Gewalt der Rabbiner mit den Machtmitteln der Staatsgewalt auszustatten. Die Rabbiner wollen das Recht der Strafe, der Strafverfolgung für die Verletzung der Religionsvorschriften erhalten. Ihr Appetit ist da ebenso groß wie ihre Unduldsamkeit. Wir finden im Programm u. a. folgende Punkte: Die Regierung hat den Rabbiner als das Haupt der jüdischen Religion anzuerkennen, und ihm das Recht einzuräumen, jeden anzuklagen, der die Religion mündlich oder schriftlich beleidigt. Es sollen die Verfasser und Drucker von Schriften, die der Moral oder der ,Jüdischkeit' schädlich sind, bestraft werden. Der Lehrplan für die jüdischen Volksschulen soll von den Rabbinern verfaßt werden. Den Rabbinern soll das Recht zustehen, für alle Handlungen, die dem »Schulchan Aruch« widersprechen, zu strafen....... Das sind die wesentlichen Punkte, über die am Kongresse debattiert werden soll. Vorläufig wird aber noch das ganze Programm geheim gehalten. Denn die Herren wollen ja nichts anderes als eine jüdische Inquisition. Dazu sind sie aber zu spät auf die Welt gekommen. SRPRRßSPONDGNZGN Osteiweicb-Ungapn. Eine nichtöffentliche Vorstandssitzung. Wien, 6. Jänner. Bei der heutigen Plenarsitzung sind bereits die neugewählten 4 Vorstands-Mitglieder erschienen. Nach Vorlesung des Einlaufes werden dieselben und zwar die Herren kais. Rat Wilhelm Pollak, Dr. Isidor Samuely, Karl Seligmann und Direktor Alois Weishut, vom Präses Dr. Stern begrüßt. Derselbe gibt der Ueberzeugung Ausdruck, daß sich diese Herren mit voller Hingebung den vielfachen Aufgaben der Gemeinde widmen werden. Er gedenkt bei diesem Anlasse der Wirksamkeit der Herren Dr. Adolf Stein und Dr. Hermann L ö w i, welcher während seiner Tätigkeit im Vorstande mit lebhaftestem Interesse sich allen Agenden der Gemeinde, insbesondere auf ärztlichem Gebiete, zugewendet hat. Dr. Stern teilt mit, daß der Antrag gestellt werden wird, Herrn Dr. L ö w i in alle jene Kommissionen, denen er bisher angehörte, wieder zu berufen, soweit dem nicht statutarische Gründe entgegenstehen. Im Sinne des Statutes wird die Wahl der für eine einjährige Mandatsdauer zu wählenden Vize- Präsidenten vorgenommen. Die bisherigen Vize- Präsidenten Dr. Gustav K o h n und Baurat R. v. Goldschmidt werden wieder gewählt. Dann erfolgt die Wahl von 8 Mitgliedern des Vertreterkollegiums mittelst Stimmzettel. Es werden die bisherigen Vertreter Dr. Alfred B e r g e r, Salo Cohn, Dr. Felix Katzau, Dr. Leopold Kühn, Wilhelm Kuffn er, Dr. Benjamin Rappaport, Dr. Maximilian Steiner, wieder, das Vorstandsmitglied Max Frank neugewählt. Die Lösung der Mikwah-Frage! Unter Ausschluß der Oeffentlichkeit wird diesmal demPlemumzur Kenntnis gebracht, daß zwischen dem Kultusvorstande und der Schiffschur, bezüglich der Mikwah eine Einigung erfolgt ist. In dem offiziellen Kommunique heißt es sehr lakonisch: „Im Präsidialbericht bringt der Vorsitzende zur Kenntnis, daß bezüglich der Errichtung und Beaufsichtigungdervon der Gemeinde neu errichteteten Mikwah zwischen dem Rabbinate der Kultusgemeinde und dem Rabbiner des Vereines „Addass Jisroel" (Schiffschul) eine, beide Teile, befriedigende Vereinbarung getroffen wurde. Diese erfreuliche Tatsache sei das Ergebnis langwieriger Verhandlungen, für deren gedeihliche Beendigung in erster Linie Herrn Oberrabbiner Dr. Güdemann, ferner auch dem Obmanne des Mikwahkomitees Herrn kais. Rat Siegmund Kauders, sowie allen unmjttelbar Beteiligten aufrichtiger Dank gebührt. Kais. Rat Kauders gibt der Genugtuung über das erreichte Resultat Ausdruck, an dessen Herbeiführung sich der Präsident ein wesentliches Verdienst erworben hat." Mehr hat man der Oeffentlichkeit nicht mitzuteilen, denn man will nicht zugeben, daß der Präsident Dr. Stern eine Schlappe erlitten hat und daß Rabbiner Mayersohn blosgestellt wurde. Die „befriedigende Vereinbarung" ist nichts anderes, als eine bedingungslose Kapitulation des Präsidenten vor der Schiffschul, der das neue, in der Vollendung begriffene Mikwah-Gebäude zur ausschließlichen Beaufsichtigung übergeben wird. Und da hat ja die Oeffentlichkeit das Recht zu fragen: Warum wurde vor zwei Jahren das Anerbieten der Schiffschul, die aus eigenen Mitteln eine Mikwah erbauen wollte, zurückgewiesen, wenn jetzt der Schiffschul ein fertiges Gebäude, durch welches das Gemeindeficit um 164.000 Kronen vergrößert wurde, übergeben wird? Warum hat der Kultvorstand während aller bisherigen Pertraktationen den einzig möglichen Standpunkt eingenommen, daß die rituelle Beaufsichtigung der Mikwah den beiden konservativen Rabbinern Für st (Schiffschur) und Mayersohn (polnische Schul') gemeinsam anzuvertrauen sei, während sich jetzt Herr Dr. Stern dem Starrsinn der Schiffschul', daß sie nur die Aufsicht durch ihren Rabbiner Fürst allein gestattet, unterordnet? Der Vorstand der Schiffschul' war ja selbst überrascht, daß ihm alle seine Forderungen vom Präsidium ohne jede Gegen-Konzession bewilligt wurden.

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