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Neue Nationalzeitung · 1909-01-01 · Heft 1 (1.1.1909) · p. Seite 9

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XI (1909)
Issue
Heft 1 (1.1.1909)
Date
1909-01-01
Page
Seite 9 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 1 „Neue National-Zeitung" Seite 9 landein, erstattet soeben seinen dritten Tätigkeitsbericht. Eingeleitet wird der hübsch ausgestattete Bericht mit einem kleinen Porträt Samuel Hirszenb ergs, des am 15. September dieses Jahres in Jerusalem verstorbenen Künstlers, der als Lehrer an der Jerusalemer Bezalel-Schule Vortreffliches leistete. Der Verein will zum Andenken an den Verstorbenen ein Hirszenberg-Stipendium am »Bezalel« begründen. An der Jerusalemer Anstalt des »Bezalel«, die im Berichtsjahre in zwei neue vom Jüdischen Nationalfond dem »Bezalel« mietsweise überlassene Häuser übersiedelte, bestehen gegenwärtig eine Teppichabteilung und Färberei, in der insgesamt 44 Arbeiterinnen beschäftigt sind, eine Abteilung für Holzschnitzerei mit einem Meister und drei Gesellen, eine Rahmenabteilung mit einem Meister und neun Arbeitern, eine Abteilung für Filigran arbeiten mit einem Meister und drei Arbeitern, eine Abteilung: für S t e i nh a u e r a r b e i t e n, in der in einem dreimonatlichen Kursus 29 Arbeiter ausgebildet wurden. Den Vorbereitungskursus der Kunstschule besuchten zehn Schüler im Alter von 16 bis 22 Jahren. Im Februar nächsten Jahres wird am >Bezalel« von Alexius Popowitz (Hermannstadt) eine Abteilung für Korb-undKunstmöbel-Flechterei eingerichtet, für die die nötigen Entwürfe von der Kunstabteilung des »Bezalel« geliefert werden. Außerdem sollen im nächsten Semester besondere Werkstätten für Damaskusmöbel eingerichtet werden. Das mit dem «Bezalel« verbundene Museum erfreut sich bei der Jerusalemer Bevölkerung eines lebhaften Interesses. Die aus der Anstalt bis jetzt hervorgegangenen, sowohl Teppiche wie Bilderrahmen, Gold- und Silber-Filigranarbeiten usw. zeigen deutlich den Fortschritt, den die Schule seit ihrer Begründung gemacht hat. Besonders die Teppiche finden das Interesse und die Anerkennung aller Fachleute, von denen sie bisher geprüft wurden. Über den Absatz seiner Produkte hat der »Bezalel« nicht zu klagen. Er hatte im Gegenteil mehr Autträge, als er im letzten Jahre effektuieren konnte. Eine Reihe von Wohltätern, die auch bewußte Juden sind, bewies ihre Sympahie durch namhafte Spenden. Herr Friedensrichter Jakob Moser, Bradford, hat einen Jahresbeitrag von 2000 Fr., ferner Herrr Dr. P. Schottländer, Breslau, einen solchen in der Höhe von IS00 Mk. zugewendet. Herr Pollak (Moskau) hatte die große Güte, während seines Aufenthaltes in Jerusalem zur Errichtung und Unterhaltung eines Ateliers für Filigranarbeiten in der Bezalelschule 3000 Fr. in fünf Jahresraten ä 600 Fr. zu stiften. Herr Jakob H. Schiff, New-York-, der gleichfalls unsere Schule besuchte, hat in hochherziger Weise einen Beitrag von 50 fc gespendet. Herr D. W. Byscbowski, St. Petersburg, spendete in hochherziger Weise 1000 Rubel für einen zu schaffenden Betriebsfond der Schule. Herr E. Feinberg Irkutskj, spendete dem Belalel nach den uns vom Odessaer Komitee zugekommenen Nachrichten 1817 Rubel in Wertpapieren mit der Bestimmung, daß nur die Zinsen alljährlich für die Schule verwendet werden dürfen, das Kapital aber als Stiftuugsfond auf den Namen des Herrn Feinberg unangetastet bleibt. Wir wollen ferner erwähnen, daß Herr Schloßberg in Moskau dem Bezalel 3000 Fr. als unverzinsliches Darlehen für ein Jahr als Beisteuer zum Betriebsfond gewährt hat. Herr Wyszniak in Moskau hat bei dem Bezalel für 2000 Fr. Teppiche bestellt und diesen Betrag im voraus bei der Anglo-Palestine Companie Ltd. zur Verfüngung des Bezalel eingezahlt. Es ist aber unbedingt nötig, den »Bezalel« soweit pekuniär sicher zu stellen, daß er in der Lage ist, größere Quantitäten von Rohmaterialien auf einmal und dadurch erheblich billiger xa kaufen, als es ihm jetzt möglich ist. Bis jetzt hat der «Bezalel« bewiesen, daß er lebensfähig ist, und daß er wahrscheinlich nicht mehr allzulange der materiellen Unterstützung bedürftig sein wird. Gerade deshalb aber verdient er sie jetzt in reichstem Maße, denn hier ist der Grundsatz der edelsten Wohltätigkeit verwirkficht worden, der fordert: nicht Almosen, sondern Arbeit! $$US ALLEN WClSWilM Ist das in Oesterreich möglich? Über die antisemitischen Zustände in der Bukowina berichtet ein Czernowitzer Blatt: „Wie dringend aber ein Einschreiten der kompetenten aufsichtsführenden Faktoren gegen das kulturschändende Treiben einer Klique notwendig ist, möge die Tatsache beweisen, daß z. B. in Korowia durch zwei volle Jahre hindurch, trotz Petitionierens, Betteins, trotz des dezidierten Auftrages des Landesausschusses ein Jude eine Baubewilligung für ein Wohnhaus nicht herausbekommen kann." Die Juden werden Mohammedaner. Im russischen Departement für geistliche Angelegenheiten trafen zahlreiche Meldungen von massenhaften Übertritten der Juden zum Mohammedanismus ein, Diese merkwürdige Erscheinung ist daraus zu erklären, daß man 1) beim Uebertritte zum Mohammedanismus durchaus nicht verpflichtet ist, mit den Eltern und den Verwandten gänzlich zu brechen, 2) ist die Ehe zwichen Juden und Mohammedanern zulässig, 3) ist der Uebertritt mit keinen so großen Schwierigkeiten veibunden. Da aber in den russischen Gesetzen ein Punkt enthalten ist, welcher lautet, daß Juden nur zum Christentum übertreten dürfen, wurde im Departement der Gedanke angeregt, die Uebertritte der Juden zum Mohammedanismus zu vereiteln. Aber infolge des Allerhöchsten ,,Ukases" wegen der Konfessionsfreiheit, mußte dieser Schritt des Departements verschoben werden, bis die Duma diese Frage auf rechtlichem Wege lösen wird. Die Juden in Finnland. Zahlreiche Juden sind mit siebentägiger Frist aus Finnland ausgewiesen worden. Die Notlage mitten im Winter ist eine außerordentliche. Von dem wachsenden Antisemitismus des linnischen Senats zeugt auch die Tatsache, daß der Senat ein aligemeines Schächtverbot zu erlassen im Begriffe ist. Es verdient hervorgehoben zu werden, daß Finnland gegen die russische Unterdrückung die Sympathien der zivilisierten Welt immer erneut angerufen hat und daß nunmehr die finnische Regierung genau nach russischem Vorbild in rücksichtslosester Weise zur Austreibung der wenigen Juden, die es in Finnland giebt, schreitet. Es gehört zu den Unbegreiflichkeiten, daß die Finnländer, die um ihre Freiheit zu kämpfen haben, sich die Sympathien der human denkenden Welt durch solche Maßregeln verscherzen. Baron Moriz Rothschild, der Sohn des ersten Gründers derPalästinakolonien, Baron Eduard Rothschild, hat sich jüngst in Paris mit Fräulein Halphen \\rmählt. Ein österreichisch -ungarisches Spita! wurde am 6. Dezember in Alexandria anläßlich des Jubiläums unseres Kaisers eröffnet. Die notwendigen Fonds wurden zu drei Vierteln von Juden beigesteuert. Gegen die Mädchenhändler macht sich unter den Juden in Argentinien eine heftige Bewegung geltend. Leider sind von den 3000 Prostituierten des Landes 90 Prozent jüdische Mädchen, welche durch Schurken niedrigster Art, die sogenannten „Weißfleischhändler", in das Land gelockt und in Freudenhäusern untergebracht wurden. Der „unabhängige jüdische Klub" hat sich mit der argentinischen Regierung in Verbindung gesetzt und ihre Hilfe im Kampfe gegen die Mädchenhändler angerufen. Der Klub verlangt Ausnahmegesetze gegen die Händler. Die Regierung unterstützt die Forderung der Juden nach Kräften. An dem Meeting werden Minister und Parlamentarier teilnehmen. Es ist daher zu er-

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