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Neue Nationalzeitung · 1909-01-01 · Heft 1 (1.1.1909) · p. Seite 8

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XI (1909)
Issue
Heft 1 (1.1.1909)
Date
1909-01-01
Page
Seite 8 (sequence 10)
Language
German
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Seite 8 „Neue National-Zeitung" Nr. 1 seits im Hinblick auf das ständige Wachsen der jüdischen Bewohnerschaft, und zwar gerade jener Schichten, die zur Steuerleistung in der weitaus überwiegenden Mehrzahl nicht herangezogen werden können, im Gegenteil, eher unserer Hilfe bedürfen, andererseits aber, und ich möchte sagen, in erster Linie, weil wir eine Reihe von Verpflichtungen haben, die als überaus wichtig bezeichnet werden müssen. Ich denke dabei hauptsächlich an eine Regulierung der Gehalte unseres Lehrkörpers, mit der wir uns hoffentlich im nächsten Jahre beschäftigen und dieselben der Erledigung zuführen werden, vorausgesetzt, daß sich der Entwurf, den das Bureau demnächst ausarbeiten wird, als durchführbar erweist. Ich will von allen ethischen Momenten, die ich ja übrigens genügend oft beleuchtet habe, absehen, und nur die eine praktische Erwägung, Ihnen, meine verehrten Herren, vorlegen. Nach langer Arbeit ist es gelungen, uns wenigstens großenteils einen Stand von Religionslehrern k>u gewinnen, welche die Gewähr für eine würdige pädagogische Leitung bieten: wollen wir diesen nicht nur erhalten, sondern auch in dem gleichen Sinne weiter entwickeln, dann müssen wir den Religionslehrern ein entsprechendes, möglichst sorgenfreies Auskommen bieten, und wenn es früher anders war, wenn das Lehretmateriale einstens kein gutes gewesen ist, so lag die Schuld gewiß hauptsächlich an der schlechten Besoldung. Es ist natürlich, da Li jede Gemeinde in erster Linie dafür sorgen muß, daß ihr Nachwuchs zu guten Juden herangezogen werde, dazu bedarf es guter Lehrer. Solche besitzen wir heute zum großen Teile, und werden sie ja hoffentlich auch bald aus unserer Lehrerbildungsanstalt zur Verfügung haben, aber wir müssen sie den heutigen geänderten Lebensverhältnissen entsprechend besolden, sonst werden wir sie eben nicht haben. Und deshalb ist die Regulierung der Lehrergehalte nicht etwa eine dem Mitleide entspringende, sondern durch die Pflicht der Selbsterhaltung diktierte Forderung. Auch die Frage der Erweiterung des alten, oder des Ankaufes eines neuen Friedhotes rückt immer dringender an uns heran, ebenso die endliche Errichtung eines unserer Gemeinde würdigen Amtshauses, verbunden mit der Wiederherstellung unserer altehrwürdigen Stadtsynagoge. Der Staat und die Kultusgemeinde. Sie werden mir sicher alle zustimmen, meine sehr verehrten Hereen, wenn ich sage, daß es ein himmelschreiendes Unrecht ist, wenn der Staat sämtliche Kulten unterstützt, mit Ausnahme des jüdischen, wenn die jüdischen Steuergelder mit dazu benützt werden, um die katholische, die evangelische und die griechischorientalische Kongrua zu bezahlen, die noch immer weiter erhöht wird, während wir selbst vollständig leer ausgehen. Und wenn einzelne unserer jüdischen Mitbürger murren, weil sie die Steuer, die wir ihnen aufzuerlegen genötigt sind, zu hoch finden, so mögen sie uns doch sagen, woher wir denn die Mittel nicht nur für unseren Kultus, sondern hauptsächlich für unsere Kranken, Siechen, Waisen und Erwerbsunfähigen nehmen sollen, wenn das so viel gepriesene Staatsgrundgesetz so gehandhabt wird, daß wir wohl die gleichen Pflichten, aber nicht die gleichen Rechte wie unsere nichtjüdischen Mitbürger haben. Wir sind treue Bürger dieses Staates, unsere stete Opfervvilligkeit, unser Patriotismus, unsere treue Anhänglichkeit an das Herrscherhaus wurde nie in Zweifel gezogen, im Gegenteil, erst in jüngster Zeit aus Allerhöchstem Munde ausdrücklich anerkannt. Und so fordern wir vom Staate als vollberechtigte Bürger die Anerkennung der gleichen Rechte nicht nur durch Worte, sondern auch durch Taten, Ich empfehle das Budget Ihrer Annahme." Deutsches Reich. Eine Mystifikation. Berlin. 26. Dezember. (Orig. Korr.) Die von mehreren jüdischen Blättern jüngst gebrachte Nachricht, daß sich Dr. Franz Oppenheimer an der hiesigen Universität als Dozent habilitierte istnicht richtig;jedenfalls ist sie verfrüht. Es ist nicht recht klar, wem mit solchen Nachrichten gedient werden soll; dem Dr. Oppenheimer können sie höchstens schaden. Türkei. Ein jüdischer Senator. Konstantinopel. 20. Dezember. (Orig. Korr.) Unter den vom Sultan ernannten Senatsmitgliedern befindet sich auch ein Jude: Bechor Effendi Aschkenasi. Es dürfte von Interesse sein, zu erfahren, daß besagter Herr Aschkenasi auch einige Zeit im Medschliz (Kultus-Gemeinde) die Würde des Präsidenten in Ehren bekleidete. Als solcher suchte er streng korrekt in Allem vorzugehen und nahm er sich vor, gründlich Ordnung zu schaffen. Da er aber hiebei auf allzu harten und schroffen Widerstand stieß, legte er freiwillig sein Ehrenamt nieder. Auch in seiner früheren Stellung als Staatsrat nahm er sich dem Sultan gegenüber durchaus kein Blatt vor den Mund und sagte seinem Gebieter ungescheut und rücksichtslos seine Meinung, ohne daran zu denken, daß er durch solche Offenherzigkeit leicht sein Leben gefährden könne — ihm gieng nun einmal das Staatswohl über alles! Bekannt ist auch seine einfache, streng geordnete Lebensweise und teilte er seine Geschäfte so ein, daß er jeden Abend mit einem Kollegen bis nach Mitternacht Talmud und More Nebuchim studieren konnte, von welcher Gewohnheit er auch sicherlich derzeit nicht abweicht. Seine große Bescheidenheit und seltene Gastfreundlichkeit gegen Anne sind sprichwörtlich geworden und steht ihm in letzter Beziehung seine ebenso würdige Gattin als treue Gefährtin im guten Werke hilfreich zur Seite. Möge es dem edlen Manne gegönnt sein, noch recht lange zum Wohle und Heile seiner Stammesgenossen und des Staates ersprießlich zu wirken! Palästina. Oer Jahresbericht des „Bezalel". Jerusalem, 10. Dezember. Der »Bezalel«, Verein zur Verbreitung VOO Kunstgewerbe und Hausindustrie in Palästina und den Nachbar-

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