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Neue Nationalzeitung · 1908-12-18 · Heft 50 (18.12.1908) · p. Seite 14

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
X (1908)
Issue
Heft 50 (18.12.1908)
Date
1908-12-18
Page
Seite 14 (sequence 14)
Language
German
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Seite H. „Neue National-Zeitung" Nr. 50 Für die Falaschas. Der Vorsitzende des Pro-Fa- Jascbas-Komites, Oberrabbiner Dr. Marguli es in Florenz, erhielt am 1. Dezember ein Telegramm von Dr. Faitlowitsch aus Adis Abeba, worin dieser ihm mitteilt, dass er vom Negus von Abessinieu in Audienz empfangen wurde und dass S. Majestät die ihm überbrachten Geschenke gnädigst entgegennahm. Der Negus versicherte Herrn Faitlowitsch, das$ er für die Besserung der Lage der Falaschas Sorge tragen wolle. Sehr bekannte Namen. In Warschau gibt es nach dem „Haint" nicht weniger als 5000 Juden, die Kohn heisi-eu, abgesehen von den 16'K) Juden, die auf den Namen Kahn hören. An zweit r Stelle kommt Schapiro mit 4500 Inhabern. Friedmann, (Joldberg und Rosenberg haben je 3000 Träger. 2510 Mann heissen Bernstein, Silberberg und Rubinstein, 2000 Goldstein, Levin, Schneider und Steinberg, lieber tausend Namensvettern vereinigen die Namen : Grünberg, Zuckermann, Rabinowitz, Silbermann, Goldmann, Hurwitz, FinkelsteiD, Rosenblum, Eisenberg und Neumaun. Der „weise* Riehter. In Georgia (Vereinigte ►Staaten) geriet unlängst ein Richter durch seine Bibelfestigkeit in eine recht peiDliche Lage. Zwei Frauen kamen mit einem sechs Monate alten Kinde zu ihm, und jede behauptete, die Mutter dieses Kindes zu sein. Der Richter hatte nicht umsonst die Heilige Schrift studiert. Er Hess sich nach dem Beispiele des weisen Königs Salomo, ein Messer bringen, legte das Kind auf den Tisch und wollte es entzweischneiden, um jeder von den beiden Frauen eine Hälfte zu geben. Die Frauen aber riefen „wie ein Mann" : „Nein, nein, tun Sie das nicht Herr Richter! Behalten Sie lieber das Kind!" Sprachen's und liefen davon. Der Richter aber hat das Kind bei sich aufnehmen müssen und sucht ihm jetzt eine dritte Mutter. Der älteste jüdische Beamte in Deutschland, Geh. Medizinalrat Dr. Alexander L e v y, ist zu Hagenau im Elsass im 75. Lebensjahre gestorben. Er war der älteste deutsohe Beamte, denn gieich nach der Beendigung des Krieges 18 70; 71 wurde er als Anstaltsarzt an das Frauengefängnis zu Hagenau berufen und bei Gründung der Knabenbesserungsiinstalt 1875 in gleicher Eigenschaft angestellt. lhS8 wurde er zum Sauitätsrat, 1903 zum Kreisarzt, \904zum geheimen Medizinalrat ernannt, und bei Gelegenheit seines 50jährigen Doktorjubiläums' erhielt er den Roten Adlerorden. Die zionistische Bank in Lemberg Wie der Krakauer „Czasu berichtet, entsteht demnächst in Lemberg eine zionistische Bank. Das Kapital wurde teils durch Privatanleihen v200 000 Kronen), teils durch Beteiligung der jüdischen Kolonialbank in London (100.000 Pfund Sterling l), aufgebracht, An der Spitze der Bank wird Dr. Markus Brande, der gewesene Prediger in Stauislau, stehen. Es ist sonderbar, d;>ss diese hochbedeutende Nachricht erst durch ein klerikales Blatt in die Oeffentlichkeit gelangt. Moses Mendelsohns Denkmal wird in Berlin am 4. Jänner 1909 enthüllt. Ein antisemitischer Bahnbeamter. In Rawa Ruska. dem Wahlbezirke des Prof. Starzynski, über den der Beizer Rabbi die schützende Hand hält, passierte dem Krakauer Kaufmann K. 11. folgendes : Als der Personenzug in Rawa Ruska eintraf, zerschlug ein Packer die Waggonscheibe und um von sich die Verantwortung abzuwälzen, zeigte er eine Jüdin, namens Feigl Spindler aus Lemberg, beim diensthabenden Beamten Johann Maraszewski an. Wiewohl diese Anzeige ganz unbegründet war, forderte der Beamte die Frau zum Ersätze des Schadens auf. Die Mitpassagiere erlegten auch den Betrag, doch fragte Herr K. B. den Beamten nach dem Namen des Packers, um sich höheren Ortes zu beschweren. Darauf erwiderte der Beamte : „Scher dich zum Teufel J u d\ es fragt dich niemand!" Diese Aeusserung hat Maraszewski einigemal wiederholt. Erst über wiederholtes Verlangen sah er sich veranlasst, den Namen des Packers anzugeben. K. B. beschwerte sich sohin hei der Krakauer Staatsbahn- Direktion und überreichte gegen den Bahnbeamten die Ehrenbeleidigungsklage. Es fand vor dem Bezirksgerichte Rawa Ruska eine Verhandlung statt, in welclier der Balmbeamte — freigesprochen wurde. Es gibt also noch Richter in Galizien, die der Rechtrfansieht sind, dass der Zuruf; „Scher1 dich zum Teufel Jud, es fragt dich niemand" keine Ehrenbeleidigunp bildet. Nun kam der staatsanwaltschaftliche Funktionär an die Reih", welcher den K. B. wegen Einniengung in eine Amtshandlung verklagte (!) Diesmal wurde der Angeklagte ebenfalls freigesprochen. Der Fall dürfte noch die höheren Instanzen beschäftigen. Jedenfalls wäre es zu empfehlen, dass dem Leiter des Eisenbahnministeriurns dieses Verhalten eines Bahnbeamten bekannt gegeben werde. Jfisfe dt* ${\\s§t\*<iHmt). Vom I. bis 18. Dezsmber 1908. Wallerstein Samuel. Landesgerichtsrat, geb. 11. Mai 1850, Tarnopol. XVII. Hauptstrasse 43. Breth Egon Viktor, Hochschüler, geb. 5. November 1887. IgUu, IX., Liechtensteinstrasse 21. Frisch Rudolf, Privatbeamter, geb. 22. August 188e, Bohnitz bei Pra<?, III., Barichgasse 21. Gottlieb Alexander, geb. 21. Dezember 1879, Wien, Wohnort: Radautz. Kohn Ida, geb. 24. Juni 1878, Aurinowes bei Prag, XVII.. Carl Beckgasse 25- Kolmann Samuel Sigmund. Maiqueur, geb. 10. November 1871, Hodi bei Pressburg, II., Sterneckplatz 19. LÖW Emilie, geb. 23. Juni 1853, Jungbtinzlau, III.. Untere Yiaduktgasse 38. Marcovici Eugen, Dr., Arzt, geb. 14. September 1885, Bacau (Rumänien), IX., Liechtensteinstrasse 45 a. Singer Alfred, Hochschüler, geb. 14. März 1887, Wien, IX., Türkenstra-se 8. Wallerstein Rosa, ^eb. 17. September 1862, Prag, Atzgersdorf, Breitenfurterstrasse l^. Winter Siegfried, lvinendvehe, geb. 9. April 1882, Wien, X.. CoUimbusgasse 1<>7. Sokal Marcell Dr.. A ivokaturskandidat, s^eb. 4. September 1884, in'.wif!. B.mkgasse 2. Porges Viktor, Ritter von Porthelm, geb. 19. Feber 1871, Pratr, i.. Oi.ernnm: 3. Justitz Marta. Kor1 in. geb. 10. Feber 1883, Beneschand, II., Krumbauiüg tsse 10 Klamper Rosa, g<M>. 29. September 1884, Wien, XIV., Schwendercasse 9. Schreiber Zygmunt. Beamter, geb. 16, April 1834, Tarnow, II., Obere Uonaustrasse 37. Blum Rudolf, Arzt. <*eb. 18. April 1871, Znaim, VIII., Josefstädterstrasse 73. Fritz Adolf, Arbeiter, geb. 3. Juli 1890, Krems, XII., Koppreitergasse 2. Koch Gabriele, geb. 3. September 1873, Lemberg, XIII., Hadikgasse 112 Katay Julius. Kapellmeister, geb. 7. Juli 1883, Wien, Gmunden. Suppe v. Pauline, geb. 2<>. August 1851, Wien. II.. Untere Donaustrasse 29. Wachtel Annetta, geb. 14. Juni 1882, Odessa, II,Taborstrasse 24. Deutsch Alois, Schriftsetzer, geb. 22. April 1883, Wien, V.. Hartmanngasse 5. Schütz Arthur, Kaufmann, geb. 25. Jänner 1880, Moskau. IX., Widenhofergasse 7. Scrürgast Honore, geb. 6. Oktober 1887, Wien, IX., Sechsschimmelgasse 22. Epstein (Elmhorst) Alexander, k. k Hofburgschauspieler, geb. lti. Mai 18o7, Prag, VIII., Skodagasse 10. Mautner Jakob, Monteur, geb. 4. Jänner 1885, Prachuyan, XVII., Rokitanskygasse t'.

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