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Neue Nationalzeitung · 1908-12-18 · Heft 50 (18.12.1908) · p. Seite 9

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
X (1908)
Issue
Heft 50 (18.12.1908)
Date
1908-12-18
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Seite 0. nationalen Gedanken Opfer gebracht, er selbst ist mit seinem Deutschtum alt geworden. ( nd doch hat Dr. Per gelt, der Führer der Deutsch-,,Liberalen" — mit Respekt /.u sagen in offener Parlaments sitzung, ohne Scheu und Rückhalt sich bereit erklärt, ihn den Tschechen zu schenken. Herr Jlofrat Kuranda hat diesen Fusstritt nicht mit würdevollem Schweigen oder Verachtung zur Kenntnis genommen, er hat daraus nicht eine politische Lehre gezogen; nein, er ist dem Dr. Pergelt nachgelaufen, er hat ihm Vorhalte gemacht, wie sich die luden für das Deutschtum plündern und zugrunde richten lassen, er hat schliesslich den ,,t'ür das Deutschtum leidenden Juden" Gnade oder wie er es nannte Rechtsschutz erbetteln wollen. Kin peinlicher Anblick für jeden luden, der etwas auf Würde hält. Herr Hofrat K u r a n d a hat die letzten 13 Jahre verschlafen. Beim grünen Tisc h seines Amtsbureaus hat er von den deutschen Idealen geträumt. Aber während er eine der obersten Stufen der Beamtenhierarchie erklommen hatte, war es der .,deutschliberale" Finanz-Minister der Koalition, Herr Frnst von Plener, der einen jüdischen Bewerber um eine Praktikantenstelle abwies. Die ganze Partei drückt sich um die Judenfrage immer mehr herum, sie fürchtet sich zu exponieren und schweigt, während die Tschechen und Antisemiten den Juden, den deutschen Juden, immer mehr zusetzen. Das »Schweigen lässt eine zweideutige Erklärung zu und das war 'für die Deutschliberalen sehr vorteilhaft. Die Juden gaben ihnen Geld und Stimmen bei den Wahlen, die Deutschliberalen hatten beides von Nöten. Aber „Grüss mich nicht unter Zielen Linden!" Für die Herren Pergelt, Gross und Genossen wurde'der ganze Liberalismus, durch den sie zu einem'Mandat gelangt sind, zu einer Phrase. Herr Pergelt hat erst in einer engeren Wahl und mit Hilfe 'der Ghristlichsozialen sein Mandat erobert; er will Minister aller Deutschen werden und so erklärt es sich, dass er endlich dem latent in ihm schlummernden Antisemitismus, seiner innersten Feberzeugung, dass das Deutschtum mit den Juden nichts zu tun'hat . -endlich offenen Asdruck gegeben hat. Herr Dr. Pergelt hat endlich (offen zugegeben, was die politisch denkenden Juden sschon längst wissen : dass die Deutschliberalen die Juden bisher neben sich geduldet haben, und auch .nur bloss deshalb geduldet, weil sie sich für deutsche [Zwecke'wie Präger Kasino", „Deutscher Schulverein", seit jüngster Zeit ,,Deutsches Studentenheim" schröpfen Hessen. Nur die politischen Streber und Soldschreiber, die sich früher oder später taufen lassen, oder die politischen Kinder in unserer Mitte, konnten nach den Ereignissen der letzten fahre ihrem anerzogenen Deutschtum treu bleiben. Vielleicht gehen nun endlich diesen naiven Politikern die Augen auf! Werden ,die luden nicht von den Deutschen Tag für Tag verhöhnt, wird nicht gerade von Deutschen unseren Studenten'die persönliche Ehrenhaftigkeit abgesprochen, werden nicht an den deutschen Universitäten,unsere Studenten meuchlerisch überfallen, werden nicht unser Handels- und Gewerbestand in Deutsch-Böhmen boykottiert, werden nicht die jüdischen Abgeordneten „mit dem deutschen Herzblute" von allen deutschen Parteiverbänden ignoriert? Und da sollen sich die Juden für ihre blutigsten Verfolger noch opfern! Das ist schon Wahnsinn. Die Fnuuziatiou Pergelts und seine .Auseinandersetzung .mit Ktirnndn bilden nur einen Beleg für die vo.i un- .-ei: fahren vertretene An-icht, dass die deutschen Juden \ ou den Deutschen für ihre hündische Ankängigkei: und Unterwürfigkeit nur l ndank zu erwarten haben. Un po'i'i-che 1 Leben gibt es all' h keinen Dank. Da gib* es mir Geschäfte und Karrieren. Der An!i>'.-miti-mus ist deut-ehen Volke heute Trumpf. Wollen wir -> lange warten und ein Martyrium ertran. bis das d'-uts-die Volk den Antisemin-mus überwanden hat. dann, bereichern wir die Gesehichte der fe ie,! mi ' N'-terreieh um ein jämmerliche- Bim. L PARLAMENT. Die Budqetvorjaae imd die Juden. Das Budget i'ür das näch-te jähr ist laut (hau Expose des Lei;-, rdei'!:• t n Z-M i :i! -! cid limgegen über dem dV-'ä'irige.i am über '.'.[ Millionen Kronen gestiegen und beträgt über zwei Milliarde];. Für die Kuhns!); dürftdsse de'~ luden hat ' der Staat nicht mehr als die anr-selig-at - i 2.000 Kronen. Ili.'.mi entiaden am' die;-rächt isch-theoi ogische Lehrm-mi; in V :< e 10.000 Kronen und auf die ,.Privat!chra.:stah zur Heranbildung der Lehrer für den mo n-ehen Keiigion-uuterricht in Lemberg*' 2000 Kro.se;;. Stiefmütterlicher könnten die fuden nicht behau-;■•!: wrden. Fs habea wohl im Laufe die-e-; fahres einzelne Mitglieder deiridis dien Klubs d;ese Zurücksetzung der Juden scharf im Parlamente getadelt, aber angesichts der passe.e i Haltung der anderen ..mosaischen'" Abgeordneten hat sich die Regierung nicht veranlasst gesehen, etwas >;u um. Fs wäre die hoch-:e /eil. da-- d;e Herren v;m ihren jüdischen Wühlern aulgerüiteh w-.'.rden. Speziell die Kuitus-\'orstä -.de. d;e -o gerne 1ünilal: »- risch schillern, sollten doch bedenken, dases sich hier um die Befriedigung der „rituellen" Bedürfnisse ihrer Gemeindemi'glieder handelt, Uir w 'eiche 1 der Staat aufzukommen hätte, weil er eauch bei den arid< ren Konfessionen tut. So kosten die ..;.<So_ooo Protest a aten den Staat jährmh zirka 700.000 Kronen. Die 1.25 Millionen fuden kosten ihm eben 12.000 Kronen. Da hätten die Knitus\o: stände da- Kecht, von allen ..israelitischen" und „fori-<d>r;t; icheu" Ab geordneten, denen sie zum Mandate verhalfen, eine energische Stellungnahme /u verlangen. * Die Rede des Abgeordneten Dr. Manier. In die Debatte über die Dringlichkeit de-'. Budget-Provi-oriums hat Abgeordneter Dr. M a h 1 e r mit einer wirkungsvollen Kede eingegriffen. Die-elb" hat, wie aus den Tagbläoem bekannt ist. bei den Deutsch: utiomden -eha;u" Zwischenrufe he;", orgerufen. 1 )ie-e Rede 1 )r. Mahlers -lieh' durch ihre scharfe Polemik angenehm . on seinen früheren Limonaden-K cd' n ab. \'ie!i icht besinnen! sich auch die anderen Herren des iüdi-rhen Ki'uh- <aidli(d; da rauf, dass di Position eines Abgeordneten nicht von seiner „Vornehmheit", -onde n von seine'- Sachkenntnis, Unerschrorkenheii und Schlngb-rtigkeii abl ängt. * Die Phantasie des Grafen Sternberg. Graf Adalbert S* ernberg. <!er bekanntlich in seinem Tun und Lassen ganz unberei henbar i-i, hat seine Rede zur Dringlichkeit des'P>udgeipro\ isoriums

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