Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- X (1908)
- Issue
- Heft 50 (18.12.1908)
- Date
- 1908-12-18
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 benützt, um seinen Protektoren von der antisemitischer Partei ein kleines Verbilligen zu bereuen. Er hat sich über die Jubiläums-Auszeichnungen der Juden belustigt und meinte, jeder Zweite sei ein Kohn oder PoIIak gewesen. D um lügte er hinzu: „Ein holier Staatsbeamter, den ich gefragt habe, ob es denn gar keine Christen gibt, die ausgezeichnet worden sind, hat mir geantwortet: Der Kaiser hat ja auch sein (>o jaluaga-s fiibüäuin als König' von Jerusalem gefeiert. (Lebhafte Heiterkeit.) Der Titel „kaiserlicher Rat" ist heute kein Titel mehr, sondern eine Rass e n b e z e i c h n u n g. (Erneuerte lebhafte Heiterkeit.) In meinem Wahlkreise ist kein einziger Mann durch einen ()rden oder einen 'Titel ausgezeichnet worden. Im Wahlkreise des grossen Serbenführers Klofac hat der Abg. T Ii u m a, der ein Mitglied der Partei des Herrn Klofac ist, einen hohen Orden bekommen. Auch der Bürgermeister \ on (ipocin), der grösste Agitalor.dcs Professors M isaryk hat einen hohen Orden bekommen. Wo tnur ein grosser Schreier geg'ai den Katholizismus aufzutreiben war, hat man ihm den Grosskordon um (den Hals gehängt." Das ist nichts anderes als Geschw ätz eines'Menschen, dessen Reden zwar auch das grosse Publikum aus ,,Hctz" gerne liest, wie ihm „das Haus" anhört, den aber niemand ernst nimmt. Wer die Auszeichnungen der Juden gewissenhaft untersucht hat, musste zur Ueberzeugung gelangen, dass sie nicht nur perzentuell zurückgesetzt, sondern auch qualitativ brüskiert wairden. Dem Herrn S t e r n b e r g w ar es aber darum zu tun, seine abgeschmackten und schon langweilig gewordenen -Angriffe ,,uach oben" durch neue ,,Witze" pikant zu machen. Aber 'diese Witze waren nicht einmal gut. Ist flenn das ein Witz, 'dass der Titel ,,kaiserlicher Rat" eine Rassenbezeichnung ist. wenn selbst die Herausgeber von antisemitischen Tagblättern, Ycrgani und Kirsch, diesen Titel führen? Oder sollten am Ende .auch diese Ereundc des Herrn Sternberg zur Rasse gehören? . . . * Die Schlägerei im Polenkiub und die -- Zionisten. Die Akcjiüsition, die der Polenkiub durch die Heranziehung der polnischen Volkspartei gemacht hat, dürfte nicht von dauerndem Werte sein. Der Austritt des Abgeordneten Mleczko aus dieser Partei und der meuchlerische Ueberfall des Abgeordneten O 1 s z e \v s k i, eines alten Parteigängers Stapinskis, sind ein Beweis, dass die polnische Bauernschaft das Strebertum ihres Führers ötapinski, der sie ins klerikale und antisemitische .Lager zu führen versucht, zu erkennen beginnt. Die polnische Bauernschaft ist zu radikal gesinnt, um sich für die Dauer von einem politischen Intriganten verkaufen zu lassen. Komisch ist es aber, dass Herr Stapinski für seine Niederlage in der gesprengten Bauern-Yersammlung von Jaslo neben den AUpo'en, Sozialdemokraten auch die — Zionisten verantwortlich zu .mac hen sucht. Gibt es denn schon unter den Bauern - Zionisten? Oder ist Abgeordneter Mleczko, der die Stapinski-Partei verlassen sat, am Ende ein verkappter Zionist? Die Geschichte mit.den Zionisten wird Herrn Stapinski niemand glauben. , * Die antisemitische Hetze in der Bukowina. Die Hausjaden bessern sich. In der Parlanientssitzting vom 14. d. M. haben Abg. Dr. Strauche r und Genossen eine Interpellation über die antisemitischen Hetzereien in der Bukowina an das Ministerium Bienerth gerichtet, welche nach mehrfacher Richtimg interessant ist. Vorerst fällt die Tatsache auf. dass diese Interpellation des Jüdischem Klubs von zwei jüdischen M i t - g Gedern des P o 1 e n k 1 u b s ,u n t e r f c r t i g t wurde. Es ist bekam|nt und bereits wiederholt in diesem Blattte erörtert worden*, dass diese Herren bisher nie. selbst oder gerade in e i n e r j ü d i s c h c n Sache dazu zu haben waren,, um die 'Interpellation, einedem Polenklub nicht angehörigen Abgeordneten mitzufertigen. Noch steht mir in frischer Erinnerung die'Szene, die sich im jähre 1897 im den Kouloirs abspielte, als Dr. Strauche1" infolge meiner Artikelserie in der Wochenschrift ..Zeit" über die Judenexzesse von Chodorow eine Interpellation an das Ministerium Badeni richten wollte und die Abgeordneten Dr. Byk und Dr. T r a c h t e n b e »• g ihre l nterfertigung verweigertem, weil ihnen Obmann Jaworski so befohlen hat. Dr. Strauch e r hat diese Herren in seiner gerechten Entrüstung öffenttlich stigmatisiert. Seitdem sind wohl 11 Jahre verstrichen, aber die Nachfolger und haben des Dr. Byk sind von seiner Taktik nicht abgewichen .... Der Leitartikel dieses Blattes vom voriger Woche scheint nicht ohne Wirkung geblieben zu sein. Dr. G o 1 d und Dr. L ö w c n s t e i n haben die Interpellation des Dr. S t r a u c h e r unterschrieben, ohne selbst ihren Obmann anzufragen. Es geht also doch, wenn man nur will. Sie sind beide vom Polenklub dafür nicht ausgeschlossen worden. Die Regierang and die Bakowlnaer Jndenbetze. Die Strauchersche Interpel'ation lenkt die Aufmerksamkeit der Regiereng auf die antisemitischen Pressbanditen, die trotz Staatsanwaltschaft and Gerichtsbehörden ungehindert gegen die jüdische .Bevölkerung täglich zUaMord und Raub aufreizen dürfen, und denen es gelungen ist, in der friedlichen Bukowina durch systematische Vergiftung der ioffentlichen Meinung die Gefahr eines Pogroms 1 heraufzubeschwören. Die Regierung ist ja sonst nicht so duldsam! Gerade dieser Tage hat der Ministerpräsident an den Leiter des Justizministeriums eine Zuschrift gerichttet und ihn aufgefordert, gegen die Boykott-Bewegung energisch einzuschreiten, und zwar in -— Böhmen. Die Deutschen werden von den Czcehem wirtschaftlich bedroht — das genügt, um den Herrn Ministerpräsidenten zum Sprechen zu bringen. Wenn aber die Juden in der Bukowina von deutschen Hetzern a m L e b e n und Eigentum bedroht werden, so wird der Ghef der Regierung plötzlich blind und taub: er sieht nichts und hört nichts. Das ist eine sehr bedenkliche »Erscheinung.' Ich' muss es daher als einen schweren politischen Fehler bezeichnen., dass der Jüdische Klub für die Dringlichkeit des Budget-Provisoriums gestimmt hat. Die Herren haben sich einfach ins Schlepptau der Sozialdemokraten nehmen lassen, wie iwenn sie deren Anhängsel wären. Müssen wir denn die Opportunitäts-Politik der Sozialdemokraten mitmachen? Sie fürchten die Auflösung des Parlaments; wir könnten sie nur freudig begrüssen. Haben ja die Ruthenen, die gerade jetzt zwei neue ruthenisclie Lehrkamzeln erhalten, sich absentiert! Und die Juden, denen die Regierung nicht einmal das Leben garantiert, weil sie vor den Antisemitten Angst h^t, be-