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Neue Nationalzeitung · 1908-12-18 · Heft 50 (18.12.1908) · p. Seite 8

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
X (1908)
Issue
Heft 50 (18.12.1908)
Date
1908-12-18
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Seite 8. „Neue National-Zeitung" Nr. 50. gen Tagen wieder erscheinende „Fraind" erfährt, habeir. die Kadetten erst über Wunsch der jüdischen Abgeordneten so gestimmt. Der ,,Fraind" bezeichnet diese Abstimmung als einen Fehler. Die Dringlichkeit hätte bewilligt werden sollen; dann wäre in meritorischer Beziehung mit den Stimmen der Okt'obristem, der Freunde Stolypins, der Kadetten und der Sozialdemokraten das Zirkulär genehmigt worden. Es wäre ein Erfolg der Regierung und der Juden. Allein Herr Nisselowitsch hat sein Material noch toi cht gan;: beisammen. Nun frage ich: Wozu schickt die J. C. A. Htunderttausende für Presszwecke nach Petersburg, weinm bisher nicht einmal das Material für jüdische Yerteidiguinigsz wecke zusamemngestellt wurde? . . . ©er fjudeneid in Rumänien. Wie ein Stück mittelalterlicher Barbarei, das nun hoffentlich der Geschichte angehört, mutet uns der rumänische Eid „more judaico" an. Denn nicht die Eidesformel ist hier spezifisch jüd sch, sondern die ganze Prozedur ist grauenhaft. Dieser Eidschwur, der von einem jüdischen Renegaten verfasst und im Jahre 1844 vom Woiwoden Caragea durch eine besondere Verordnung (Anaforcua genannt) in Kraft gesetzt wurde, darf nur an einem Montag oder einem Donnerstag geleistet werden, weil nur an diesen Tagen die Thora vorgelesen wird, oder wie andere sagen, weil nach der Rückkehr der Juden aus Babylon im jüdischen Staate nur am Montag und Donnerstag das Tribunal geöffnet war. Derjenige, der einen Eidschwur morj judaico zu leisten hat, muss vom Rabbiner und vom Richter frühmorgens aus dem Bett herausgeholt werden, da streng darauf geachtet werden muss, dass er vor der Zeremonie weder isst noch trinkt: andernfalls wird der Schwur für nichtig erklärt! Alsdann wird er, immer vom Rabbiner und vom Richter begleitet, zum Ritualbade (M i k w a h) geführt, wo ihn zwei Diener m i t scharfen Messern empfangen und ihm die Nägel abschneiden. Nach dem Bade muss er sich frische Wäsche anziehen, und dann begibt er sich mit dem ganzen Gefolge in die Synagoge. Dort muss der zu Vereidigende sich die Schuhe ausziehen, das Totenhemd anlegen und mit dem Tal Iis angetan, vor offener Bundeslade und vor der an der Stelle der zehn Gebote aufgerollten Thora die Eidesformel dem Synagogendiener nachsagen, Vorher hat er noch folgende Worte zu sprechen: „Wie furchtbar dieser Platz ist, so ist es doch Gottes Haus, und das ist das Himmelstor fflr unsere Gebete. Mit dem Wissen des Allerhöchsten und unseres furchtbaren Richters bin ich hierher gekommen, um im heiligen Bethause zu schwören. Ich sihwöre bei dem lebendigen Gotte, der Himmel und Erde geschaffen, beim Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, so wahr wie Gott und die Synagoge da sind, wie die heilige Thora wahr ist, so schwöre ich wahr," Dann folgt der Schwur: „Wenn ich falsch schwöre, oder wenn ich einen anderen Gedanken habe, oder wenn ich nicht mit der ganzen Seele und ganzem Herzen schwöre, oder wenn ich einen schlechten Gedanken gegen den Appellanten hege, und wenn ich nicht die volle Wahrheit schwöre — so sollen auf mir alle Bannflüche ruhen, die in der Bibel geschrieben sind! Amen! Ich soll, wie Koran mit seiner ganzen Rotte versengt werden! Amen! Alle schlechten Träume sollen über mich kommen! Amen! Alle meine Anverwandten sollen ein Jahr nach mir trauern! Amen! Der Donner soll mich treffen, und mein Name von den Juden ausgelöscht werden! Amen! Nach meinem Tode soll die Erde mich nicht empfangen, und wie das Meer die Aegypter verschlungen hat, soll auch mich dieser Schwur vertilgen! Amen! Man soll mich nicht als Juden begraben! Amen! Alle Leiden Hiobs sollen auf mich kommen! Amen! Wie Mirjam, die Schwester Moses, krätzig wurde, weil sie gemurrt hat, so soll auch ich krätzig werden, wenn ich falsch schwöre; ich soll von Gott mit zehn Plagen geschlagen werden, wie die Aegypter einst geschlagen wurden; ich soll ein Schuft sein und keinen Brocken Brot haben, wo immer ich sein werde! Amen! Ich soll betteln von Haus zu Haus und soll mit einem schwarzen Siegel gebrandmarkt werden! Amen! Wenn ich falsch schwöre, soll ich verflucht sein, wenn ich in ein Haus hineingehe, und wenn ich aus dem Hause herausgehe. Gott soll mir Not und Hun?er schicken, Gott soll mich heimsuchen mit allen schlechten Krankheiten, mit wilder Krätze und Beulen vom Kopf bis zu den Füssen; ich soll nie davon geheilt werden; ich soll verrückt und blind werden und soll bei Tag wie ein Blinder in der Nacht tasten; ich soll nie Glück haben, wo ich immer hingehen werde! Alles Unglück soll über mich ko nmen und niemand f oll mir helfen können: Ich soll den Messias nicht erleben! Amen! Amen! Amen! So wie Gott wahr ist, so wie die heilige Thora wahr ist, o schwöre ich, wahr geschworen zu haben! Amen! Amen! Amen!" Das ist die fürchterliche Zeremonie des Judeneides in Rumänien. Wie willkürlich und ungesefzlich die Forderung dieses Eides ist, beweist u. a. auch die Tatsache, dass er nur, wenn es dem Richter gerade so passte, einem Juden aufgedrängt wurde und dass er in vielen Provinzstädten schon lange nicht mehr bestand. In Fozsani kämpfte vor einigen Jahren bereits Herr Dr. J. Nacht für die Abschaffung dieses Eidschwures, und in Galati sowie in Bukarest wird er bereits seit Jahren nicht mehr gefordert. Dagegen hatten in Braila und in Jassy die Juden einen harten Kampf zu bestehen, der durch das tapfere Auftreten des Herrn Dr. Niemirower und den Spruch des Kassationshofes vom 24. November d. J. hoffentlich definitiv abgeschafft ist. Ganz sicher ist das allerdings nicht, weil eigentlich nichts einen Richter hindert, morgen von irgend eifern andere.i Juden diesen Eidschwur wieder zu verlangen. Nach Artikel 24 des rumänischen Zivilfesetzbuches ist die Form des Eidschwurs eines NichtChristen dem Richter anheimgegeben. Der Artikel besagt! der Richter kann den Eidschwur ändern, je nach dem Glauben dessen, der zu schwören hat." Der Richter hat dabei allerdings den Artikel 21 der Verfassung zu beachten, der die vollständige Gewissenfreiheit und die Freiheit aller Konfessionen garantiert. Ausserdem ist, wie der Kassationshof bereits im Jahre 1904 und in dem Urteil vom 24. November d. J. abermals anerkannt hat, mit der Abschaffung des Zivilgesetzbuches vom Jahre 1844 und dem Erlass eines neuen bürgerlichen Gesetzbuches vom Jahre 18)6 auch der Eidschwur more judaico abgeschafft. Der Sieg, den die rumänischen Juden durch den Rabbiner Dr. Niemirower errungen haben, ist aber solange kein ganz vollständiger, als nicht der Justizminister eine Verordnung erlässt, durch die ein für alle Mal den Richtern untersagt wird, den Eidschwur more judaico zu fordern. Erst dann wird diese an das finsterste Mittelalter erinnernde Sitte auch in Rumänien ganz beseitigt sein. Bis dahin mag sich Rumänien noch weiter d«n stolzen Titel „Frankreich des Ostens" beilegen. fjätmtierlkhe fääpfypw. „Wenn du die Namen auf den hciabgerissenen Firmentafeln in Küniginhot und in Laibach liest, so wirst du darauf fast keinen anderen Namen finden als jj i: '1 i s < Ii e. Herabgerissen wurden diese Tafeln wegen dos deutschen Bekenntnisses. Für das Deutschtun) /:\ leiden ist uns erlaubt, der R cchtss c Ii u t z, der für die Deutschen gefordert wird, wird aber den für das Deutschtum leidenden Juden nicht gewährt. Ich kann nur auf das tiefste bedauern, dass gerade du es warst, der diese Worte gesprochen hat." Abg. Kurand a an den Abg. P e r g e 11. Die Szene, die sich am letzten'Dienstag )im Büffet des Reichsrates zwischen dem Abgeordneten des Kaiviertels, Hofrat k'uranda und (dem deutschfortschrittlichen Abgeordneten Dr. Per gelt abspielte, wäre furchtbar tragisch, we in sie nicht eher unsäglich komi s c h wäre. Am I)ienstag, den 15. Dezember 1908, hat der ,,zur israelitischen Konfession" gehörige deutsche" Abgeordnete Kuranda die Entdeckung gemacht, dass die Deutschfortschrittlichen gerade solche Antisemiten sind, wie die Deutschnationalen, dass sie das Deutschtum der Juden gar nicht für echt fanerkennen und dass sie bereit sind, die deutschen Juden jeden Augenblick den Tschechen zu schenken .... Herr Hof rat Kuranda war wie niedergedonnert. Das ^var'unmöglich. Sein Vater hat Dezennien iür den deutsch-

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