Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- X (1908)
- Issue
- Heft 49 (11.12.1908)
- Date
- 1908-12-11
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10. „Neue National-Zeitung1' fällt (li-ni israel. braucnwohltätigkeits\ ereine zu. Sitze ä <>, 4 und 2 K, Studentenkarten ä 1 K. Bestellungen \<>n aus wärts bei Gustav binzi, Troppau. ^USflltfN WEIttCiLCN i. Das Moses Mendelsohn-Denkmal in Berlin, ein Werk des Bildhauers Rudolf Markuse, der aus dem Wettbewerb siegreich hervorging, wird demnächst in der Grossen Hamburgerstrasse auf dem Platze vor der Knabenschule der Jüdischen Gemeinde zur Aufstellung gelangen. Auf einem Sockel aus grünem Dolomit, der die Inschrift „Moses Mendelsohn" trägt, erhebt sich die Bronzebüste des Philosophen. Die Büste ist nach dem Original von Tassärt geschaffen, der Mendelsohn nach dem Leben modellierte. Die Witwe nach Abraham Goldfaden befindet sich in grosser Notlage und hat von allen Wohltätigkeits- Vorstellungen, die in ßussland für sie veranstaltet werden, noch nichts erhalten. Frau Goldfaden gibt daher ihre Adresse bekannt, an welche die für sie bestimmten Geldsendungen zu dirigieren sind: New- York, 223 Madison St. Herr S. P. Rabinowitz (Scheffer) schreibt uns: „Um allen Gerüchten, die in letzter Zeit über meine angebliche Erkrankung durch verschiedene Zeitungen liefen, die Spitze abzubrechen, bemerke ich, dass dieselben aus einer mir unbekannten und falsch informierten Quelle stammen. Wahrscheinlich ist es einer jener jungen Quasijournalisten, die oft mit ihren übereifrigen Federn mehr Schaden als Nutzen stiften." Der Pogrom in Bagdad, Eeber die Ausschreitungen gegen die Juden in Bagdad, die wir kurz geschildert haben, treifcu jetzt hier nähere Berichte ein. Am Samstag, den 24. (>ktob.-r. fand sich eine bunte Volksmenge von etwa 50.000 Köpfen am Stadttore ein. um einigen aus der Verbannung zurückkehrenden juugtürkischcn Führern einen ehrenvollen Empfang zu Ii - reiten. Darob geriet die reaktionäre Partei, die hier immer noch in den muselmänischen Kreiden starke Anhänger hat, in grosse Erregung, der sie durc h einen Demonstrationszug kräftigen Ausdruck verleihen w ölke. Die Volksw ur. die im Grunde gegen die Christen gciirhte; war. Oekainen wie immer und überall zunächst die Juden z.i spüren. Sofort trat grosse Panik im Judein iertel ein. Sämtliche Läden wurden geschlossen und die Häuser von innen verbarrikadiert. denn das Gerücht verbreitete sich, dass die Demonstranten eine Judenmetzelei beabsichtigten. Die Angst war nicht ganz unberechtigt. Viele ahnungslose Juden, die das Engiück hatten, mit dem Zuge zusammentreffen, wurden grausam misshandelt und beraubt. Ein Jude wurde getötet, etwa 40 verwundet. Als nachmittags 4 Ehr eine Militant uppe auf der Strasse erschien, da zerstreute sich die Lande s >fort und «teilte ihr Verwüstungswerk ein. Am Abend versammelten sich etwa 20.000 Mohammedaner vor dem Paläste des Gouverneurs und verlangten die Abschaffung der Konstitution. Es gelang dem Gouverneur, die aufgeregte Menge zu beruhigen. Die Vorsteher der jüdischen Gemeinden haben beim Gl ossv.-zier Protest gegen die Ausschreitungen eingelegt und eine Deputation aus der Gemeinde erhielt vom Gouverneur, b-i d -in sie vorstellig wurde. Versprechungen, die aber mit Ruck-irht aul die Erregung, die unter den nnsehnänischen Reaktionären herrscht, kaum beruhigend wirkten. Zurzeit -orgi ein Mar kes Militäraufgebot für die Ruhe und Ordnung in der Stadt, sodasfür die nächste Zukunft eine Wiederholung dieser Aus schreitung nicht zu befürchten ist. Ein englischer Minister über die jüdischen Schächter. Im englischen Enterhause kam \orige Woche eine interessante Frage zur Sprache. Abgeordneter M. Hunt richtete an den Präsidenten der E-okalverwaltung die Anfrage, ob es ihm bekannt sei, dass Tausende von importierten geschlachteten Tieren, die von den Behörden der jüdischen Gemeind w gen verschiedener Krankheitssymptomo für den Geimss vrEoten wurden, dennoch in Verkehr gebracht und an ('bristen verkauft werden. Der Interpellant fragt nun, ob die komp.-ten ten Behörden die Absicht haben, dieser für die sanitären Kr- 49. Zustände der Hauptstadt Englands wichtigen Frage ihre Aufmerksamkeit zuzuwenden? In seiner Antwort gibt nun Mr. B u r n s zu. dass judische Jleisc'nbesc hauer (gemeint sind die Schächter. die nach Vor.schiitt die Lunge untersuchen! in zahl reichen Fähen importiertes bleisch zurückgewiesen haben, und dass dieses LK-isch dann tatsächlich zum Verkaufe gelangt ist. Di'- Zurückweisung durch den jüdischen I-leis'hbeschauer, meint Mr. Burns, ist noch kein beweis dafür, dass das Fleisch sich nicht als Nahrung für Menschen eigne. Die jüdischen Ll( ischl)Csc|i;iuer stellen eben an die Geni-essba rkeit des Fleisches viel s t r e n g e r e P> e d 1 n g 11 n g e n. als selbst die s 1 1 e n g s t e n 11 \ g i e n i k e r. Russisches aus Deutschhöhmen. Aus Gahlmz wird de: ..Selbstwehr"' gemeldet: Der 27jährige Kaufmann IL-nzi >n!•' r i e d m a n n aus Warschau kam vor einigen Tagen geschalt Ii''!, hieher. Er wohnte in einem der erstell Hotels. ging seineu Geschäften nach und nach des Tage- Mühen ins Theater. Allda gefiel ihm die neunjährige Herta Jann wvitz sehr, die mit ihrer Mutter im gleichen Motel wie der Kaufmann aus Warschau wohnte. laues Abends pla iderte F. in der Portierloge mit dein Theaterkind, das eine neue Ehr auf dem Kleide trug. Diese I hr fehlte dem Mädchen, als es kurz daran* ins Zimmer seiner Mutier, der Privaten Vilma Janowitz, trat. Da : ofort igvs Suchen auf Stiegen und Gängen keinen Erfolghatte, beschuldigte die Mutier des Theaterkindes km zerhand den Kaufmann F.. die Ehr gestohlen zu haben. Es wurde die Anzeige gemacht und Herr F. wurde von eiir-m Diener de> Gesetzes sofort angeschrieen die Ehr h e r a u -> zugeben. Da er das begreiflicherweise nicht konnte, schleppte man ihn sogleich unter allgemeinem Aulsehen auf <he Wach stube. dort nahm mau dem Manne alles weg und steckt ihn in die Zelle! M a n v e r w e 1 g e 1 t e i h m s o g a r e i n Glas Wasser, ja selbst ■einen Pelz. Nach eineinhalb Stun den erhielt er die l reiheil wiedu da sich die Ehr gelundeii hatte. Der Waehehalu-nde entliess Ln-dmann .mit (En mehrlach wiederholten Worten: ,.N'o. das haben Sie fein gmacht!' Die Ehr fand sich im I Iotelzimm r der Krau l.uino witz in der Ocffnung des Türstockes, in die der Riegel -in zuschnappen hat! |edenfalls eine -ehr merkwürdige Sacke. Nuht geniig all der schimpflichen Behandlung des Herrn Fried mann erstattete die stadlische Polizei noch eine Strafanzeige, aber nicht etwa gegen ihre Leu::- wegen Einsi hr.'in kung dei persönlichen Freiheit, sondern, gegen Fn-dmaim wegen Diebstahls. Natürlich spra< h der Richter. Adjunkt Dr. Kneissel. den Augeklagt eil nach -Vernehmung niehveler Zell gen frei und er Ii >b in der Begründung ' hervor, dass sich gegen Herrn briedmunn auch nicht der leiseste V e 1 dacht nähten könne. Herr Fricdmann hatte gegen die Frau lannowit/. die ihn -o schwer beleidigt hatte, die Beleidigungsklage erhoben. Er bestand zuerst auf ihrer Bes!raf"ng'. gab s'cli aber dann doch damit zufrieden, dass Frau Vilma Janowitz ihre Beschuldigungen, zu denen sie nicht den kleinsten Gmnd liatli . bedauernd zurücknahm. Hein Fricdmann öfii-nTch \], bitte leistete. ihm seine V1 Tl I'et UUgsk os! n b-zahlle und aussei dem noch;c> Kronen als Sühne erlegte, die Herr Fi r'dmann für wohltätige Zwecke widmete. ^citschFiften^undschau. Jüdische Monatsschriften. Von der vortrefflichen Monatsschrift „Palästina'' i-t da- Dezember lieft erschienen. 7'^s ist vornehmlich der S c h u 1 f r a g e gewidmet. Dr. Ernst Müller ijaffa1 behandelt dieses Thema in einem Artikel ..Die S c h u 1 f r a g e i n P a 1 ä s t i 11 a". wäIrrend die Fortsetzung der Artikelserie ,.S y s t e m a t i s c h e P a - 1 ä s t i n a - A r b e i t" der Frage der Hochs e h u 1 e gewidmet ist. Kleinere Aufsätze, wie ..Die Weinbaukrise in Palästina " von Fritz Förch, ..Kommunale Selbstverwaltung in der Tür kei" von Dr .Bruno Tannenwald und ..Türkische" Agrar- Refornien" machen uns mit den derzeitigen administrativen und wirtschaftlichen Verhältnissen des heiligen Bandes bekannt. Da> Dezemberheft „Unsere Hoffnung-' enthält u. a. nach stehende Beiträge: Prof. < •. Warburg: ..Ensere Palästina arbeit"; E. S t a r k : ..Türkische Bahnen"; F. R o t e n s t r e ich: ..Di'- goldene Kette"; J. L. Perez: Aus ..die goldene Kette"; David Pinsky: Arbeiterinnenlied: Nachrichten aus Palästina. Die Dezember-Nummer von „Ost und West'' zeichnet sich durch ein reiches llhistrations-Material aus. Josef R o n a, der ungarische Bildhauer, der das Denkmal der Kaiserin Elisabeth für den Schlosspark von Gödöllö modelliert hat, findet eine <-ingehende Würdigung, ebenso der "Dichter Jakob Wassermann, über den Max Schacher! ein Essay veröffentlicht, loset' bin ,-chreibt über Gustav K a r p e 1 e s. Eine Reihe von Illustrationen zeigt uns die Gebäude der Alliance Schulen in Jerusalem, sowie (las Leben und Treiben ihrer Schüler.