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Neue Nationalzeitung · 1908-12-11 · Heft 49 (11.12.1908) · p. Seite 5

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
X (1908)
Issue
Heft 49 (11.12.1908)
Date
1908-12-11
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Seite 5. landwirtschaftliche Personal ist einsichtig, fähig, eifrig. Herr Oettingcr, der an der Spitze der Pflanzschule in Soroki steht, verdient besonders rühmende Erwähnung. Ich habe mit Freude wahrgenommen, dass in den Schulen wie in den Kolonien der Landwirtschaftsbetrieb der Gegenstand bedeutender Vervollkommnungen gewesen ist. Man beginnt die Nützlichkeit guter, tiefer Beackerimg und gründlicher Entstoppelung einzusehen. Die Aussaat ist besser ausgesucht. Ich habe in Dombroveni einen Kolonisten gefunden, der sich in dieser Hinsieht auszeichnete, indem er höchste Sorgfalt darauf verwandte, Saatkorn und Gartensetzlinge zu erzeugen. Die Wiederherstellung eines im Besitz von 76 Familien befindlichen Weinbergs von über 120 Hektar bei Resina (Bessarabien) lässt nichts zu wünschen übrig. Den Besitzern hat man einen mit 5 Prozent verzinslichen Vorschuss von 14.000 Rbl. gegeben. Die Wiederherstellung ist besser auch in Frankreich noch nie erzielt worden. Die Kosten beliefen sich im Durchschnitt auf 1600 Francs per Hcfktar. und vom 3. Jahre an hat man einen Nettoertrag von 4—500 Fr. per Hektar erzielt. Im ersten Jahr war der Nettoertrag über 1 500 Fr. per Hektar gestiegen. Damit haben die Kolonisten ein Vermögen erworben. Die Traube wird als Speisetraube zur Kur für schwächliche Personen verkauft. Sie gehört zu unseren -besten Chasselas-Arten. Die Anpflanzung geschieht in Reihen, auf Eisendrähten, wie in den besten französischen Weinbergen. Der Boden wird fortgesetzt d uanf bearbeitet, \dass alles Unkraut entfernt und die Scholle frisch erhalten wird. Die erzielten vortrefflichen Ergebnisse sind ein schlagender Beweis für die Vorteile, die Tiefpflügung und Säuberung des Bodens bieten. Uebrigens ist die Wirkung des guten und tiefen Pflügens vor dem Winter, die ich immer gepredigt habe, gleichmassig in allen Kolonien, in der von Dombroveni, ebenso wie in denen von Soroki, Novopoltavka usw., erkannt worden. Das ist ein Erfolg. Denn vor acht Jahren leugnete man Nutzen und Wirksamkeit der Bodensäuberung und des Tiefpflügens. Jetzt muss man einen Schritt weiter gehen, indem man die Cercalien reihenweise aussät und dem Unkraut, das die Kulturen vielfach bedeckt, unerbittlichen Krieg bereitet. Man wird sich auch mit der Dünguiig beschäftigen müssen. Ich habe den Landwirten in dieser Hinsicht Anweisungen gegeben. Die Baumschule. Die Anpflanzungen in den unter der geschickten Leitung des Herrn Oettinger stehenden Baumschulen von Sonoki lassen hinsichtlich der Kulturen wie der Auswahl der gezogenen Pflanzen nichts zu wünschen übrig. In wenigen Jahren wird die Baumschule von Soroki eine Anstalt ersten Ranges sein. Wenn die Bäume, die jetzt 3—4 Jahre alt sind, die volle Ertragsreife erlangt haben und ihre Erzeugnisse beim Verkauf nach ihrem Wert geschätzt werden, wird die Baumschule hohen Nutzen abwerfen. Ein guter Prospekt ist eben jetzt veröffentlicht worden, die Anstalt nimmt in der Gartenbauausstellung von Kiew beträchtlichen Raum ein. Bei Anwendung hinreichender Reklame und bei Erzeugung von Früchten guter Qualität wird die Kundschaft sich schnell einstellen. Tabak- und Mais-Bau. Die Tabakkulturen, die ich in den Kolonien gesehen habe, machen den israelitischen Pflanzern Ehre. Sie sind durchaus bemerkenswert; ich habe nirgends schönere und bessere getroffen. Der Maisbau macht in den südlichen Kolonien sehr gute Fortschritte, auch der Lupinenbau — zu frischem Dung — gewinnt in den Kolonien mit wenig fruchtbarem Sandboden an Umfang. Der Fortschritt ist sehr deutlich erkennbar. Das Handwerkszeug hat sich sehr vervollkommnet. Gute eiserne Pflüge sind allgemein im Gebrauch. Man trifft Mäh- und Sämaschinen, ebenso Dreschmaschinen in grosser Zahl. Man braucht nur noch die Verwendung von Sämaschinen, die reihenweise säen, auszudehnen, um tadelloses Saatkorn usw. zu erzielen. Gemüse- und Frucht-Kultur. Die Entwicklung der Gemüse- und Fruchtkulturen empfiehlt sich in der Nachbarschaft der grossen Städte und dort, wo die Kolonisten sehr wenig Land und sicheren Absatz haben. Doch oft hla.be ich bemerkt, dass die angelegten Gärten nicht ausreichend bebaut und gepflegt werden, dass zu viel Unkraut die Beete überwuchert. Der Melioration muss andauernde Sorgfalt gewidmet werden. Mit dem Anbau von Gemüse und der Anpflanzung von Bäumen allein ist es nicht getan; die Kolonisten müssen von der Ueberzeugung durchdrungen sein, dass die Garteinikultiir nur dann guten Ertrag gewähren kann, wenn die Gärten immer in peinlichster Sauberkeit gehalten werden und jedes Unkraut beim ersten Erscheinen entfernt wird. Ein schlecht gepflegter Garten gibt mittelmässigen und geringen Ertrag, so dass er mehr kostet als er einbringt. Die Hilfskräfte der anleitungsbedürftigen Agronomen müssen ohne Scheu selbst Hand anlegen und den Kolonisten zeigen, wie man Hacke, Spaten und andere Utensilien handhaben muss. Das ist eine ihrer wichtigsten Aufgaben, und ich habe ein- oder zweimal mit Bedauern bemerkt, dass sie diese Aufgabe nicht erfüllt haben. Die Düngung scheint in den Kolonien vollständig vernachlässigt zu werden, vielfach sogar unbekannt zu sein, daher die kläglichen Erträge, die auf den reichsten Gütern der Welt erzielt werden; man verwendet nämlich den Mist als Brennmaterial oder als Baumaterial, indem man eine Art Ziegel davon macht, oder man wirft ihn einfach ins Wasser, um ihn los zu werden. In dem Bezirk der schwarzen Erde muss man erst das allgemein verbreitete Vorurteil zerstören, als ob der Dung überflüssig und sogar schädlich wäre. Ich habe den Ackerbauschulen über die anzustellenden Versuche ganz genaue Ratschläge gegeben. Die Darlehenskassen. Das Funktionieren der Spar- und Darlehenskassen auf Gegenseitigkeit in den Kolonien habe ich ganz besonders bewundert. Sie arbeiten mit erstaunlicher Einfachheit und Billigkeit. Diese ganz neue Einrichtung wird sicher der Ausgangspunkt neuer Vervollkommnungen sein, dank den Erleichterungen, die sie den Kolonisten zur Erlangung von Vorschüssen zu massigem Zinsfuss gewährt — mässig gegenüber dem landesüblichen Zinssatz von 12 Prozent und dem Zinssatz von 20 und 25 Prozent

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