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Neue Nationalzeitung · 1908-12-11 · Heft 49 (11.12.1908) · p. Seite 2

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
X (1908)
Issue
Heft 49 (11.12.1908)
Date
1908-12-11
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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SfMte 2. Mr. 49. der jüdische Wähler dadurch bringt, dass er seinem jüdischen Abgeordneten gegenüber auf die (ieltendmachung seiner politischen und wirtschaftlichen Interessen verzichtet! Die bald zweijährige Dauer des österreichischem Parlamcmtes ha* bewiesen, dass der Polenklub mit seinen Hausjuden zufrieden sein kann. Sic haben kein einziges Mal ihre Klubgenossen mit irgend welchen Spezialwünschcn inkommodiert. Sie haben selbst die Belastungsprobe einer antisemitischen Präsidentschafts-Kandidatur siegreich überstanden. Nun rückem sie an der Seite Stojalowskis immer näher uind näher in die Arme eines Lueger, Bielohlawek uind Konsorten : Dieser Patriotismus ist doch rührend. Main wird dagegen vielleicht einwenden, dass die Hausjudein, nur durch Pressionen, Gewaltmittel, Bestechuingen und Wahlfälschungen gewählt wurden, dass sie in ihren Wahlreden die Vertretung der jüdischem Interessen im Zentralparlament ausdrücklich versprochem haben, dass die jüdischen Wähler nicht freiwillig schweigem, sondern durch die Knute der Bezirkshauptleute niedergehalten werden. Es werden sich wohl Stimmern finden für die Ansicht, dass es eiine gewisse politische Reinheit jedem Juden verbietet, mit dein Erzfeinden des Judentums gemeinsame Sache zu machen.; mit jenen an einem Tische zu verhandeln, die die Juden in ihrer Mitte nicht dulden und ,,dieses Element mit allen zulässigen Mitteln bekämpfen" wollen. End so kommen wir zum Kapitel der jüdischantisemitischen Abgeordneten. Das sind auch die II tusjuden. Wiewohl von Juden, .von jüdischen Majoritäten gewählt, Besitzer von Mandaten, die das "Wahlgesetz für jüdische Repräsentanten festgelegt hat ■- sind sie nicht nur Mitglieder des Polenklubs, sondern auch bewusste Schädlinge der jüdischen Bevölkerung. Weiter kann sich ja die politische Charakterlosigkeit nicht mehr \ ersteigern, als w enn Juden mit Antisemiten, ja mit antisemitischen Hetzern, jn einem und demselben Klub sitzen. Diese traurige Erscheinung sehen wir nicht allein in Oesterreich, sondern auch in'Ungarn. Dortjst es der polnische, hier der ungarische Chauvinismus, der die jüdische Solidarität in Trümmer schlägt und die jüdische Bevölkerung der Hetze und Entrechtung preisgibt.; Das Unmögliche und Unnatürliche wird hier Ereignis: Es steigen die Wogen des 'Antisemitismus, aber gleichzeitig schwellen auch der assimilatorische Wahn, die Verleugnung und Preisgebung des eigenen Volkstums ins Unermessliche an. Und . über den Häuptern der armen, hungernden und rechtlosen jüdischen Volksmassen reichen sich antisemitische Hetzer und ,,jüdische" Abgeordnete die Hände." L. * ]tti ungarischen Parlament Unter dem Titel: ,,E r g e b e n e A n f r a g e a n die gjnädigen Herren" richtet der '^Budapests Naplo" am 25. November an die Abgeordneten jüdischer „Konfession" nachfolgende Anfrage: ..Dieser kleine Artikel ist an die nachfolgenden gnädigen, eventuell hochgeborenen Herren Abgeordneten gerichtet; namentlich die Herren: Bakonyi Samu, Fried Lajos, H i rt e n s t e i n Lajos, Kardos Samu, Kelcmcn Samu, L a n y i Mor, Nagy Sandor. R a j k Aladar, S a g Mano, Szatm a r i Mor, S z u n y o g Mihaly und Visontai Sorna. Ein anderer braucht ihn nicht einmal zu lesen. Er gilt diesen allein nur darum, weil die hier genannten Alle zu dem zuletzt r c z i p i c r t e n G 1 a u b e n gehören, d. h. sie sind alle Mitglieder der Unabhängigkeitspartei; noch besser gesagt: sie sind alle Achtundvierziger jüdische Abgeordnete. Er gilt ihnen aber hauptsächlich darum, weil ich ihre Aufmerksamkeit auf das amtliche Organ der Volkspartei lenken will, welche mit ihrer Partei, also a u c h mit i h n e 11 koaliert ist- Dieses Organ der mit ihnen koalierten ,,V o 1 k s p a 1t e i'- schreibt u. A. folgendermassen über die ungarischen J u (1 c n : ,L)er Grund und die Ursachen, sowie der Ausgangspunkt des Antisemitismus liegt in den abstossenden X u a nee n und in der Gefährlichkeit der Gesa m th c i t der jüdischen R a s s e. Aus diesen unverwüstlichen Rassen-Eigentümlichkeiten, aus ihren immer und überall mit ausdauernder Energie wirkenden Rasseneigenschaften und nicht aus unserer Verachtung der Ii ä s s 1 i c h e n j ü d i > c Ii e n S i t t e n entspringt das jüdische Bestreben, den Boden unter den Füssen des christlichen ungarischen Volkes zu erobern, ihm sein Blut auszusaugen, sein kulturelles Leben und sein seelisches Gefühl zu vergiften. Die jüdischen Kräfte wirken — wir wiederholen es — aus innerem Zwang, streng nach psychologischen Gesetzen, und gerade darin liegt ihre schreckliche Gefahr. Geradeso wie nicht das Ungeziefer auf dem Felde den llass hervorruft, sondern seine natürliche Schädlichkeit, so auch das Judentum. Viele ungarische Magnaten liebten einst ihre Juden und gerade deshalb haben sie die von ihren Almen geerbten, im Dienste der nationalen Interessen stehenden Güter verloren. Und wenn es zu einer ("hristem erfolgung kommen wird, wenn aus den freien Berufen, aus den Kreisen der Kunst, degeschäftlichen Verkehrs, aus der Presse die christlichen Elemente ganz hinausgedrängt werden, so kann das nur da? Resultat der jüdischen waltenden Kräfte sein, die in d n schmutzigen Ghettos der Jahrhunderte herangewachsen sind, denen gegenüber die in den Mitteln wählerischen christlichen Rassen unterliegen, erschlaffen müssen.' Nicht wahr, eine reizende Schilderung und Würdig mg der Juden, was? Nun, meine gnädigen Herren Abgeordneten, als Ihr- Wahl bevorstand, da waren Sie nicht nur gute Patrioten, treue Achtundvierziger, sondern auch brave Juden: variiert doch die Zahl der jüdischen Wähler zwischen 15—-25 "u. und?o haben doch nich' nur Sic, sondern auch Ihre Kortesche nicht genug Ihre Vorzüge und die den Juden bevorstehende Auszeichnung hervorheben können, die die Juden trifft, wenn man Sie wählt. Und noch weniger genügend konnten Sie Ihr gutes jüdisches Herz loben, weh lies fürs- Vaterland, für Achtundvierzig, für Ihre G 1 a u 1) e n s g c 71 o s s e n, f ü r s J udentum pocht. Und nicht nur in einzelnen Fällen, sondern sehr oft erwarben diese Reklame, diese Versieherungen und diese Taktiken Ihr Mandat. Abgesehen von dem, sind Sie doch, ^geehrte Herren Abgeordnete, nicht nur Koalitionisten. Ungarn und Juden, sondern auch gebildete Kulturmenschen und Anhänger des liberalen Fortschrittes. Sie behaupten es wenigstens und lassen es durch andere behaupten. Alldies vorausgeschickt, fragen wir Sie, wie weit halten Sie es mit Ihrem Gewissen, mit Ihrer J u d e n a b s t a m m u n g. Kulturmcnschlichkeit, Liberalismus, Versprechen, Vergangenheit und Absichten für die Zukunft vereinbar, dass Sie mit einer solchen Partei auch weiterhin in interner Verbindung, in einer Gemeinsamkeit stehen, d e r e n a m t 1 i c h e s O r g a n derart den llass g e g e n d a s u n g a r i s c Ii e J u d e nt u m p r c d i g t. Erlaubt dies Ihr männliches Ehrgefühl, Selbstbewusstsein, aebtundvierziger Glaubensbekenntnis. Ihre Versprochungen und Gelöbnisse, die Ihr gutes jüdisches Empfinden versicherten? Wenn Ihre Zusagen das alles erlauben, so fragen wir Sie, ob Sie bei einer zukünftigen Wahl sich wieder -or den jüdischer. Wählern anempfehlen und rühmen werden, wie gute Juden Sie sind? Sehr, sehr viele Wähler sind auf Ihre Antwort neugierig, Ihr gnädigen, würdigen und hochgeborenen Herren Abgeordneten." Freunde und Gesinnungsgenossen! Verlanget in euren Gast- und Kaffeehäusern die =! „NEUE NATIONAL-ZEITUNG". —

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