Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- X (1908)
- Issue
- Heft 49 (11.12.1908)
- Date
- 1908-12-11
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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NZÜZ aCiONAL-ZEiOJNG _•■»._».— Ml*. —« jQDISCRPOUCiSCfig WOCR2NSCBRIFC OrS.R.LNNDiSUÜ X. tlflHHÖÄMG. WIEN, 11- DEZEMBER 1908. Ntr. 49. Die jüdisch-antisemitischen Abgeordneten. Im österreichischen Parlament. Min zionistisches Proueiblatt nannte vor einiger Zeil den Herrn Rcichsrusabgeordneten Dr. Nathan Löwen st ein einen ..Lumpen". Herr Dr. Löwenstein, der sieh schon manche sehr unangenehme Sa-chcm von Lemberger Zeitungen nachsagen Hess, wollte sich diese Beschimpfung nicht gefallen lassen und klagte. Ob dies deswegen geschah, weil für eine Beschimpfung der Wahrheitsbeweis unzulässig ist. oder weil er zu den Wiener Geschworenen mehr Vertrauern hatte, ist mir nicht bekannt. Die Wiener Geschworemen kernen auch nicht in die Lage, zu entscheiden, ob Herr Löwenstein ein Lump ist. Jene Zeitung revoziertc und bat um Entschuldigung. Herr Dr. Löwenstein ist somit ein Ehrenmann. Ich habe daiia|n ine gezweifelt. Er hat die Bezeichnung ..Hausjude" in einer Parlamentsrede als Eairemprädikat erklärt, und so tragen nun die Herren Gold uimd Gall, Kolischer und Löwenstein diese Bezeichnung in Ehren. Sie fallen im Polenklub durch gar nichts auf. Sie beziehen pünktlich ihre Diäten, auch wenn das Parlament nicht tagt: sie stimmen, wie es der Klub-Obmann befiehlt; sie interpellieren nicht, wenn er es verbietet. Es gibt aber Leute, die es diesenvier Herren zum Vorwurfe machen, dass sie in einem Klub mit prononzierten Antisemiten, die erst jüngst 'einen christlich-sozialen Verband gegründet und die 'die Juden lals ein .fremdes, ausbeuterisches Element" bezeichnet haben, zusammensitzen: diese Leute versteigein sich sogar so weit, ein solches Verhalten jüdischer Abgeordneten als Lumperei hinzustellen. Ich glaube, dass majn den Herren .jüdischen" Abgeordneten damit En "echt tut. Eeber das Verhalten eines Abgeordneten haben in erster Linie seine Wähler zu urteilen. Die 4 Hausjuden wurden aber bisher nicht gehör;, dass sich diese jüd'schen Majoritäten zu einem Proteste gegen das Verbleiben der Hausjuden im Polenklub aufgeschwungen hätten. Die Majorität der jüdischen Wähler in den Wahlbezirken von Brody, Ko],>mea, Ta'"nopol und Zloczow besteht aus jüdischein Prou tariennassen. deren wirtschaftliche Lage mit jedem Tage unhaltbarer wird, und die angesichts des polnischen und ruthenischen Boykotts sowie der bevorstehenden Aufhebung des Propiinationsgesetzes einem sicheren Hungertode entgegengehen. Diese jüdischen Vo|ksmassen schweigen : sie haben keine Beschwerden, sie h iben keine Wünsche. Sie vertrauen ihren Abgeordneten: sie fühlen sich wohl beglückt durch das Beuusstsein, in den Polenklub Männer entsendet zu haben, die für das Reichs- und Landeswohl sorgen. Man wäre fast versucht zu glauben, dass jeder Wähler für seine Stimme soviel erhalten hat. um ruhig die Neuwahlen abwarten zu ■können. Im übriger; sind ja die Hausjuden als gute Polen auch starre Lode'"i.hsten. Man kann ihnen daher nicht zumuten, d-sss sie .innere Landcs-Kragen" vor das Zentralparlamentbringen. Das galizische lude.nelend beschäftigt ja bereits den Landesausschuss. Dort werden Studien gemacht, Informationen gesammelt. Enqueten vorbereitet. Die Hausjuden können ruhig warten. Die politisc hen Mandatare der galizischen f udenmassen haben in Wien daher nur grosse Politik /u machen. Hand in Hand mit den Christlich-Sozialen haben sie die Eunda> meinte für ein parlamentarisches Ministerium aufzubauen. Im Interesse des Reiches müssen sie dem Beamtenministerium Budget und Rekruten bewilligen, wiewohl dasselbe die Staatsgrundgesetze schroff ausser acht lässt. Von dieser parlamentarischen (irossmachtstelluing des Polenklubs fällt auf den letzten jüdischen Proletarier in Galizien ein Licht-