Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- X (1908)
- Issue
- Heft 48 (4.12.1908)
- Date
- 1908-12-04
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2425679-2425722-2425770--1161-2427499- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 6. doch alle Welt, dass der Jude grosse Verwendung haben muss, um zu dem Rechte zu gelangen, das für jeden Anderen etwas Selbstverständliches ist. Die höchsten Würdenträger, die den Beförderten 7.ur Seite stände/», 'sind hohe (Generale, die es als kein Unglück betrachteten, vom jüdischen Arzte behandelt und geheilt zu werden. Bekanntlich sollen auch Päpste jüdischen 'Acrztcn ihr Vertrauen geschenkt haben. Nach dem bekannten Heine'schen Verse: Wenn wir dann zusammen sind, Wird sich Alles schon finden, werden die jüdischen ärztlichen Redakteure gegen den bezweifelten hohen Offizier in Schutz genommen, der es tadelnswert fand, dass sie dem Verfolger ihrer Konfession im dem von ilmen redigierten Blatte Weihrauch streuen und ihre S t a m m e s b r ü d e r v e rd ä c h t i g e n und sr hm ä h e n Hessen. Mögen sich die Herren Dr. Heinrich Adler und Dr. Adolf Kronfeld bei ihrem nunmehrigen Bundesgenossen und Schutzherrn Ernst Vergani für Schutz und Schirm bedanken: wir gönnen ihnen Beides. Und zum Schlüsse kommt die bekannte Verhetzung und Lockung ins antisemitische Lager: Werdet judenrein und Ihr werdet Kombattanten! ..Deutsches Volksblatt", Sie versprechen mehr, als Sie halten können. Denn Wissende können Ihnen darüber Aufschluss geben, dass nicht die wenigen Juden das Hindernis für die Verleihung der Kombattanz an die Aerzte bilden. . . . Den eigentlichen Schlussabsatz des Artikels des „D. V." 'könnten wir füglich übergehen; er strotzt von Verlogenheit. Denn leicht nachweisbar ist es, dass nur christliche Stipendisten den ärztlichen Militärdienst verliessen — erhielten ' doch bis in die jüngste Zeit keine Juden militärärztliche Stipendien und unter den für '..geheime Krankheiten" inserierenden Aerzten findet sich bei so manchen Namen ein eingeklammertes .,Christ". Soll die Entrüstung des ,,D. V." daher stammen, dass die inserierenden Aerzte der ,,N. Fr. Pr." den Vorzug geben? Das wäre ungerecht, denn die , Judenblätter'4 öffneten die Spalten ihrer Blätter den Lobpreisungen des ..greisen Chefs des militärärztlichen Offizierskorps" ebenso, wie das ,,D. V." Allerdings gingen sie verschämt über die judenfeindliche Tätigkeit Dr. v. Uriels hinweg, während das ,,D V." gerade diese am schärfsten betonte und damit alle unsere Behauptungen vollauf bestätigte. Nur vor der Beantwortung der letzten Frage blieb es stehen : ob sich die belobte Amtsführung Dr. v. U/riels m i t d e m Staatsgrundgesetze vereinbaren lasse. Doch wer wird Wahrhaftigkeit und Gerechtigkeit vom „D. V." 1 und seinen Schützlingen verlangen! . . . ©f. Paul Nathan ßeßcn den „Öniflers Jsraelite". (Die Judenfrage am Orientkongress.) Hochgeehrter Herr Redakteur! Erlauben Sie mir, dass ich in Threm geschätzten Blatte einen gegen mich gerichteten Angriff gebührend zurückweise, der in gleichem Masse eine Manifestation hämischer Niedertracht und aufgeblasenen Ignorantentunis in jüdischen Angelegenheiten darstellt. Handelte es sich nur um meine Person, so konnte ich erwägen, ob dem in Betracht kommenden Skribenten gegenüber verachtungsvolles Schweigen nicht angebracht wäre, aber da zugleich ernste Interessen des Judentums in Frage stehen, so wärees sträflich, wollte ich mich aus vornchmtnender Bequemlichkeit der Aufgabe •entzi 'hen, die gebotene öffentliche Abstrafuug vorzunehmen. Der ball ist der folgende: Die jüdi-che ( »effentliehkeii mtissie sieh die Krage vorlegen, ■ob die möglicherweise l>e\ orstcheude Konferenz; über die orientalische Krage nicht die <Gelegenheit bieten könnte, die Leiden unserer (Üaubensgenos.s.-n in Rumänien und die \ er letzung des Berliner Vertrages seitens der rumänischen Regierung gegenüber unseren Glaubensgenossen vor das Koruni der (benzmächte zu bringen. Ks war daher nicht erstaunlich, dass die jüdischen Zeitungen Knde Oktober und Anfang \m einher ..aas zuverlässiger Oudle" die Mitteilung brachten, dass die Alliancc fsraclitr l 'ni\ersehe in Baris Sehritt«' unternommen habe, utll die I' rag-e der Verletzung des berliner Vertrages seitens der rumänischen Regierung vor die geplante < >rientkonfeivnz zu bringen. ( nd es war erfreulich, dass ein jüdischer Politiker von dem Schartblick und d< r Erfahrung Kae-en Wolfs sich über die Chancen: eines solchen Vorgehens offen 11 ich und unumwunden im ,.Je\vish World" ausgespi ocheii hat. Wolf liess es sich klugerweise angelegen sein. Illusionen zu /.< latreuen. und er sagte offen, dass der Kongivss k "ine Gelegenheit bieten werde." 1: i welchen wir von den Mächten irgendwelche Genugtuung erlangen könnten, aber gleichwohl sei es notig. die rumänische Judeid' age vor die Mächte zu bringen, damit durch Schweigen kein ungünstiger Präzedenzfall geschaffen werde. Wesentlieh später. bereits gegen Mitte November", konnte die jüdische Presse mitteilen, der Hilfsverein habe xich an «las Auswärtige Amt in der gleichen Angelegenheit g'- wendet. und das Auswärtige Amt habe unter Anführung von Argumenten, wie sie sieh bei l.ueien Wolf finden, hervorgehoben, dass, wenn der Kongress zustande käme. Deutschland die Initiative zur Diskussion der rumänischen Judenfrage kaum ergreifen könne und dies uniso weniger, als man bisher deutscherseits aus Gründen «1er allgemeinen Politik jede Initiative bei Aufstellung des Programms für eine eventuelle Konferenz vermieden habe. Der wesentlich«' Inhalt dieser Bnterredung auf d un Auswärtigen Amte war. dass die deutsche Regierung durch ihre Erklärung sich zu (lern Standpunkte bekannte, es könne die Verletzung <l<s S 44 des Berliner Vertrages an und für sich für eine Diskussion der Grossmächte in Betracht kommen, wenn auch der geplate Kongress aus Gründen der allgemeinen i olitischen Lage ein«- solche Diskussion im jetzigen Augenblick kaum werde vornehmen können. Diese Klarstellung, die zu erwarten war. hat ihre Wirkung nicht verfehlt : denn wenn es auch bisher leider unmöglich war. ein Einschreilen «hu- Grossmächte in Rumänien: selbst herbeizuführen, so weiss doch jeder Politiker, w'lche' Bedeutung die Keststellaug hat. dass nicht allein nach dem' Erteil der öffentlichen Meinung der aufgeklärten zivilisierten" Welt, sondern dass auch nach der Ansicht von grossen Staaten' Rumänien einer Verletzung des Berliner Vertrages schuldig ist. die vor das europäische E o r u m b v i s i r h biet e ti d e r G e 1 «• g e n b e i t gezogen werden kann. Diese Vorgänge nimmt der ..t nivers Tsraelite" in Paris vom 2~. November zum Anlass, um einen Artikel über den Hilfsx crem, in Wahrheit, um einen Schmähartikel vor allem über den Euterzeichneten zu veröffentlichen. Er nennt den Enterzeichneten den tatsächlichen Inspirator des 1 i ilfs\creines, er nennt das Vorgehen in dc-r rumänischen Etage ..sträflich", und er behauptet, dass rcklamesüchtige Eitelkeit die Triebfeder meiner Handlungen zugunsten des Judentums sei. Kiese Behauptimg wird mit einer Beschimpfung der gesamten deutschen luden als Deutschen V 'fknüpft, wie sie nur chauvinistische Hetzblätter niedrigster Art zu verbreiten pflegen. Von meinen verschiedenen Reisen in den Orient sagt e<\ dass in Nachahmung eines berühmten Vorhildes ich ,.i n d e r T ü r k e i m e i n e I. a n d u n g i n T a n g er \ o 1 1 z o g e n h ä t t e." Vü'lle:cht bin ich auch nach Russland während der Hochflut der Revolution mit dem trefflichen Steitauer aus Eondon und Eeinbevg aus PelvTshuvg und nach Rumänien w ährend der Bauernrevolten als Posen r gegangen. Es ist charakteristist h. wie hier die Besprechung jüdischer Angelegenheiten durch einen an den Haaren herbeigeschleppten Hinweis auf die Marokkopolitik zu vergiften -versucht wird End soll es üblich werden, den nii-drigsten ( nauvinismus aufzureizen durch die hölmis« he Gegenüberstellung, dass freilich diV als ..leichtfertig und windbeutelit: verschrieenen Eranzosen eine Krage wie die rumänische reiflich und mit Ruhe studieren". ..in Berlin hat man so viel Bedachtsam keit nicht von Nöten". Kreilieh. es musstc wieder einmal dem deutschen Judentum bewiesen werden, dass es allein imstande