Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- X (1908)
- Issue
- Heft 48 (4.12.1908)
- Date
- 1908-12-04
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 48. „Neue Natioual-Zeiturg" Seite 5. Zu Dr. S o n n c n s c h e i n (Troppau) bemerkte der Kaiser auf dessen Mitteilung, dass er Advokat sei: „Da haben Sie wohl in der Advokatur viel zu tun und wirken dabei noch in diesen Aemtem erspriesslich," Der Kaiser fügte hinzu, dass er geglaubt habe, dass in Schlesien, speziell in Troppau grössere G em e i n den b e st ün d e n. Bei den anderen Delegierten, speziell bei Dr. Schaff und Dr. T i 11 c s erkundigte sich der Kaiser nach der Grösse ihrer Gemeinden und nach deren Wohlfahrtseinrichtungen. Zum Schluss bemerkte Dr. Stern, er möchte sich die Bemerkung erlauben, dass alle Kultusgemeinden von Czcrnowitz bis nach Ragusa und von Prag bis Triest Eins seien in der Huldigung für den Kaiser. Er erbat sich die Erlaubnis, die Adresse zeigen zu dürfen, öffnete die Kassette und zeigte Sr. Majestät die drei Blätter, die den Text enthalten, dann die 'Unterschriften der Vorsteher der Gemeinden. Er fügte hinzu, dass die Adresse schon 450 Blätter habe, dass aber stets noch neue dazu kämen. Er bat um die Ermächtigung, auch diese nachtragen zu dürfen, was der Monarch gewährte. Dann wurde die Deputation focht huldvoll entlassen. Der Kaiser bat den Führer, der Gemeinde Ragusa mitzuteilen, dass es ihn sehr gefreut hätte, deren Delegierten liier zu sehen, und dankte allen Herren für ihr Erscheinen. i * Die Kassette zur Adresse. Auf zirka So cm langem rechtr« ki;j,cn .Sockel aus profiliertem libcnholz. der von sechs silbernen Küsschen getragen wird, ist eine massive Silberplatte montiert. In derrn vier Ecken erheben sich auf reich ziselierten Silberbasen vier polierte Säulchen aus besonders gewähltem blauschillernden Labrador und tragen die Kassette, in welcher die eigentliche Adresse ruht. Die vier Seiten der zirka S cm hohen Kassette sind rnit Labradorplatten belegt und mit symbolischen Emblemen in reicher Silberapplikation dekoriert. Der Deckel der Kassette ist aus massivem Silber, am Rande reich mit teils getriebenen, teils montierten Ornamenten verziert und mit blauen Lapislazulisteinen besetzt. In der Mitte des Deckels bildet ein durchbrochen gearbeitetes, reich \ erziertes Davidsschild den Verschluss. Im Innern der Kassette, das teilweise vergoldet, teilweise mit schwerer weisser Seide ausgestattet ist, befinden sich vier Lädier, in welchen auf 434 künstlerisch umrandeten blättern die l'uterschriften der Vorstände sämtlicher jüdischer Kultusgemeinden der Monarchie vereinigt sind. Die eigentliche 1 luldigtmgsadresse ist in kunstvoller Kalligraphie auf drei mit allegorischer und ornamentaler Malerei reich ausgestatteten Pergamentblättehen verzeichnet. Der Entwurf für die Kassette stammt von den Architekten Emerich Spielmann und Cr. A. Teller. Generaloberstabsarzt ©r, (Jf Von elnemjh So wäre denn die Erörterung der für den Bestand des militärärztlichen Offizierskorps >o weniggedeihlichen Amtsführung des gegenwärtigen Gh-fs desselben vor die richtige Schmiede gekommen : in die Spalten des ^Deutschen Yolksblattes". In der Nummer vom 18. Nov ember polemisiert dieses gegen unseren Artikel vom 13. November in der gewohnten, berüchtigten Art: unlogisch und unanständig. Auf das Niveau des Deutschen Yolksblattes'' sich zu stellen, kann einem Offizier ebensowenig zugemutet werden, als dass er auf die Provokation desselben hin seine Anonymität lüfte. Der angezweifelte ..hohe Offizier" ist s ch seiner standeswürdigen Handlungsweise bewusst, wenn er Yorgänge und Zustände bekämpft und verwirft, die verbrieften Rechten hohnsprechen. Der angezweifelte ..hohe Offizier" ist sich auch bewusst. dass er in seinem Kampfe ums Recht der jüdischen Militärärzte stets an Tatsachen und Wahrhaftigkeit festgehalten. Darum konnte er. ruhig und sicher des Erfolges, die Einsetzung einer parlamentarischen Unters u c h u n g s k o m m i s s i o n über die scinerzeitige Intcrpcllationsbeantwortung des Landesverteidi - gungsministers beantragen, die jedem Wahrheitsgefühle hohnsprach. In einer Anführung authentischer Daten -ins dem letzten Militärschematismus, aus welcher leicht zu erraten ist, von wem der Artikel geschrieben wurde, bestätigt das ,.D. Y." vollauf unsere Angaben, dass nur Juden sowohl im Mai als November präteriert wurden. Die Entstellung, dass wir von sechs bewährten und dennoch präterierten jüdischen Militärärzten sprachen. — wir führten dies nur von den im November präterierten 3 ,aus — sei darum verziehen, weil wir dasselbe Lob auch den im Mai zum Opfer Gefallenen spenden können. Wenn dann die früei und „Deutsches ^oll<sb!att". hen Offizier. hören Kriegsminister und früheren Chefs des militärärztlichen Offizierskorps als „Judendiener" bezeichnet werden, so könnten sie sich das ruhig gefallen lassen, wenn sie sich bewusst wären, dem Staatsgrundgesetze über d.e Gleichberechtigung der Bürger Rechnung getragen zu haben. Wir sagen wenn, denn dies ist tatsächlich nicht der Fall, da Dr. v. Friels System viel länger, als die ministerielle Tätigkeit Exz. von Schönaichs dauert. Yon des letzteren Gerechtigkeitsliebe und Yerfassungstreue ist Jedermann, auch die indischen Militärärzte, überzeugt — doch was kann er gegen die von Dr. von Vriel präsidierte militärärztliche Beförderungskommission ausrichten? Sie tagt doch in derselben formell ..legalen" Weise, wie die von uns geschilderten Superarbitrierungskommiss'onen. Dass die auf diese bezughabende Schilderung vollkommen zutrifft, können nicht nur die präterierten Militärärzte, sondern alle die Offiziere bestätigen, die in Manövertagen in der Fühl ung nicht entsprochen haben sollen und nach ihrer Pensionierung jahrzehntelang im Militärdienste mit dem ..Superplus" auf den Ruhegehalt weiter verwendet worden. Nur der jüdische Militärarzt ist von diesem Y o r t e i 1 e ausgeschlossen und mnss, vorzeitig ausgeschieden, von dem kargen Ruhegehalte sein Leben fristen. Die Anbiederung an Exz. von Schönaich dürfte Sr. Exzellenz am wenigsten Freude bereiten. Dio bekannte Noblesse der Gesinnung dieses Ministers ist genügende Bürgschaft dafür, dass ihm beifälliges Lob eines ,,D. Y." zumindest nicht willkommen ist. Wenn wir die Beförderung zweier jüdischer Oberstabsärzte dun Einfluss hoher Persönlichkeiten zuschrieben, so meinten wir damit, dass dieser mächtiger war, als der Einfluss Dr. v. l'riels und diesen bei dem Fernstände, als die Beförderten zu den Tüchtigsten gehörten, brechen musste. Weiss