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Neue Nationalzeitung · 1908-11-27 · Heft 47 (27.11.1908) · p. Seite 9

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
X (1908)
Issue
Heft 47 (27.11.1908)
Date
1908-11-27
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Helte 9. Juden- V e r 11 i c h t u n g, wie es selbst die Wiener Christlich-Sozialen bereits verleugnen. Dieses Frogramm lautet im Wesentlichen: „In ökonomischer Beziehung sind sie (d i e Jude nj bisher am allerwenigsten produktiv geblieben und leben hauptsächlich von der A u s b e u t u n g der einheimischen polnischen Bevölkerung. Alle Versuche der Assimilation der Juden sind bisher misslungen, dagegen halben die ^erobernden Mächte" (darunter verstehen die Holen Deutschland und Russland. Anm. d. Red.j in ihnen die eitrigsten Schergen bei ihren auf die Kntnationalisierung und Enteignung der polnischen Bevölkerung gerichteten Bestrebungen gefunden. (.Mit dieser Behauptung haben Sie, Herr Dr. Johann Hogdanik, Obmann dieses Verbandes, infam gelogen! Anm. d. RedJ Im preussischen Polen hat sich das ganze Judentum ohne Ausnahme an das Deutschtum geklammert, bei uns will die Majorität der Juden um keinen Preis der hiebräisch-deutschen Sprache entsagen oder auf ihre Sympathien für das Deutschtum verzichten. Leberdies sind sie bei uns ein zersetzendes Element in der gesellschaftlichen Harmonie, indem sie alle antinationalen und antireligiösen Bestrebungen unterstützen. Ein solches fremde s, ausbeuterische s Element dürfen wir in unserer Mitte nicht dulden, wenn wir der voll ständigen Vernichtung entgehen wolien. Dieses Element müssen wir mit allen zulässigen Mitlein bekämpfen. Fort mit diesem Element aus unserem nati mal ^.i/ial-. u ( b ganismus!" In der Leitung dieses Verbandes sitzen u. A. auch drei Mitglieder d e s Polenklu bs: die Reichsratsabgcordneten Pater Hanusiak, Dobi- 1 a und Pater Kzeszodko, die Kollegen der 1 lerren Kolischer, Löwenstein und Gen. L'nd diese Herren schweigen! Barou Hirsch sehe Schulstittung. Lemberg, l8. November. (Orig.-Korr.) Sämtliche l.eln koi per der Baron 1 Iirsch's« hen Schulen haben an das Kuratorium nachstehende Petition überreicht: Löbliches Kuratorium! Freudenvoll hatten die ergebenst gefertigten Lehrer der vor etwa 2 Jahren vom löbl. Kuratorium* geplanten Gehaltslegulienmg entgegengesehen, in der Hoffnung, dass sich mit der Erledigung derselben ihr materielles Schicksal bessern wird. Aber welche Enttäuschung! Mit der Schaffung des neuen Regulativs ist wohl eine Masse von neuen Vorschriften, Verordnungen und Pflichten für die Lehrer der Baron Hirsch-Schule entstanden; ihr Dienst wurde mit dieser neuen Schaffung noch schwieriger und verantwortungsvoller; aber für die Regelung der sehr kargen Bezüge dieser notleidenden Lehrer, dass dieselben bei ihrem schweren und aufreibenden Berufe ihr Auskommen finden können und nicht hungern brauchen, wurde leider kein guter Wille bekundet! Ihr Elend ist nach wie vor! Die bisherige Regulierung der Bezüge der Lehrer ist sehr minimal und reicht nicht aus, um ihre Not zu beseitigen! Waren schon diese Bezüge vor der gegenwärtigen herrschenden Teuerung ein Ilungerlohn, so sind sie es jetzt, da sämtliche Lebensmittel, Kleidung und Mietzins um das doppelte gestiegen sind, in viel höherem Grade. Um 240 K jährlichen Mietzins kann man gegenwärtig nur einen Herd der Tuberkulose bekommen; für eine halbwegs gute Wohnung muss man jetzt mindestens 4S0—500 K zahlen. Ebenso verhält es sich auch mit den Kleidungsbedürfnisscn. Einen Anzug z. B., den mau erst vor kaum. 3 Jahren um 50 K haben konnte, muss man. jetzt mit 80 K zahlen; ein Paar Schuhe, die man damals um 10 K haben konnte, kostet jetzt 18—20 K. Ein Ctn. Holz, der früher 60 h kostete, kostet jetzt 1 K 20 h, und so verhält es sich mit den übrigen Lebensmitteln. Wenn man also jeden 1. des Monats von dem kärglichen Lohne, den grössten Teil desselben für Wohnung, Feuerung und Kleidung wegzahlen muss, was bleibt nun für Zehrung des ganzen Monats übrig? Mit welchem Diensteifer, mit welcher Lust kann daher der Lehrer seinen Dienst verschon, wenn er weiss, welches Mittagmahl ihn nach anstrengender Arbeit in der Schule zu Hause erwartet, und welchem Nachtmahle er entgegensehen kann! Damit der Lehrer aber seinem Berufe voll und ganz leben kann und von seinem Ansehen nichts cinbüsst, muss auch seine und seiner Familie Existenz gesichert sein. Es möge daher vom löbl. Kuratorium eingesehen werden, dass die Unzufriedenheit der Gefertigten, die nicht gleich anderen Beamten und Diene.n passive Resistenz halten, oder als organisieite Masse ihre Not aut der Gasse kundgeben kann, eine gerechtfertigte ist und daher eine baldige Abhilfe notwendig erscheint. Die untertänigst Gefertigten stellen daher die ergebenste Bitte: Das löbl. Kuratorium geruhe den gefertigten Lehrern, die angeführten Gründe würdigend, eine Bezugsaufbesserung oder, wenn das momentan nicht möglich, bis zur Regelung derselben, einen den Teuerungsverhältnissen entsprechenden Teuerungsbeitrag gnädigst zu bewilligen, da die Hilfe nicht mehr aufgeschoben werden kann! In der Hoffnung, dass das Jubiläumsjahr auch für die Lehrer der Baron Hirsch-Schulen eine wesentliche Wendung zum Besseren nachweisen wird, zeichnet der Lehrkörper. Deutsches Reich. Präsident Taft und die Einwanderungsfrage. Berlin, 24. November. (Orig. - Korr.) Heute Zangwill, der vor wenigen lagen von einer Reise dureii die Vereinigten Staaten nach London zurückgekehrt ist, charakterisierte einem unserer hiesigen Freunde gegenüber die Stellung des neuen Präsidenten zur Kinwanderungsfrage wie folgt: ,,J )ie Wahl 1 a f t s bedeutet in Wirklichkeit d i e Fortsetzung de r R o o s e v e 11 s c h c n R e - g i e r u n g und wenn, wie ich hoffe, Oskar St raus in seinem Kabinett als Minister verbleibt, so habe ich;ii( hl die geringste Befürchtung für irgend eine Be>chiünkung der Einwanderung. Mein Stück „ 1 he mc'ti igpot'", dessen Aufführung soeben in verschiedenen amei ikanischen Städten stattgefunden hat, ist 111 der Hauptsache als ein mächtiger Protest gegen diejenigen aufzufassen, die die Einwanderungsbedingungen verschärfen wollen und verlangt, dass Amerika als freies A s y 1 offen bleibe. Die Tatsache, dass Roo s e \ c 11 die Widmung dieses Stückes angenommen hat, und bei der Erstaufführung in Washington zu den grössten Beifallspe-idern gehörte, gibt seiner Tendenz eine gewisse offizielle Sanktion. W ie mir gerade soeben mitgeteilt wird, hat T a 1 t ausdrücklich erklärt, dass er gegen jede Verschärfung der Einwanderungsbedingungen ist und dass, Oskar S t r a 11 s, der Staatssekretär des DepartementSifür Handel, dem bekanntlich auch die Einwanderungsbehörde untersteht, sich bereit erklärt hat, in seinem Kabinett als Minister zu verbleiben." . M» A. Klaasner. Berlin, 24. Xovember. (Orig.-Korrj Heute feiert der angesehene Schriftsteller und Geschäftsführer der „Deutschen Konferenzgenieinschaft d. A. J. U." seinen sechzigsten G e burtsta g. Weit über die Grenzen Deutschlands hinaus, hat sich M. A. Klausner als Publizist einen Namen gemacht. Seine Feberset/.ungen der Bibelgesänge gehören wohl zu den besten Schöpfungen der modernen jüdischen Dichtkunst. Auch als Herausgeber einer seither schon eingegangenen jüdischen Wochenschrift hat er sein glänzendes publizistisches Talent und seine Hingebung für jüdische Interessen bewiesen. Die literarischen Kalender bezeugen zwar unzweifelhaft, dass M. A. Klausner heute sechzig Jahre erreicht hat. Wer ihn aber an der Arbeit sieht, wer sein reges literarisches Schaffen und seine unermüdliche Tätigkeit als Leiter der Deutschen Konfcrenzgcmein.-chaft betrachtet, der vermag es zu beurteilen, wieviel die „Alliance" und mit ihr das gesamte Judentum dem geistvollen Manne zu danken hat.

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