Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- X (1908)
- Issue
- Heft 47 (27.11.1908)
- Date
- 1908-11-27
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 47. alle seine Mannen durchgebracht. Auch den Rapjxjport, wenn auch mit der geringst e n Stimmenanzahl! Für den sollte sich Dr. Stern speziell bei den vereinigten Bethäusern, die so wacker und mit heroischer Selbstlosigkeit bei der Wahl mitgearbeitet haben, recht herzlich bedanken. Wie wäre es denn, wenn die Wiener Juden dem Beispiel ihres Kultusvorstehers folgend ihre Töchter in den — Kirchen verheiraten würden! Was würden dann die Bethausvereine machen? __ Ein Verdienst hat die Opposition jedenfalls zu verzeichnen: ihr ist diese grosse Wahlbeteiligung, die absolut und relativ alle bisherigen Wahlen übersteigt, zu verdanken. Sie hat die Wühler aufgerüttelt und aus ihrer bisherigen Indolenz herausgerissen. Das wiegt mehr, als ein im Kompromisswege gnadenweise erhaltenes Mandat. Die offizielle Partei aber hat jetzt zu zeigen, ob sie es mit ihrem Programm und mit ihrem Versprechungen ehrlich meint, oder ob das Füllhorn der Verheissungen nur die Wähler betören sollte. Die absolute Majorität der abgegebenen 4997 Stimmen erhielten: Für eine sechsjährige Mandatsdauer. Piof. Dr. S. Ehrmann........Stimmen 3961 Salo Cohn............. „ 3904 Kais. Rat L. Sachs......... „ 3849 vlax Frank............. „ 3842 Dr. J. Samuely........... „ 3762 Samuel Steiner........... „ 3713 Karl Seligmann........... „ 3537 Hofrat Dr. B. Rappaport...... „ 3187 Für eine zweijährige Mandatsdauer: Wilhelm Pollak..........Stimmen 3749 In der Minorität verblieben: Für eine sechsjährige Mandatsdauer: Börserat Adolf Brecher....... Stimmen 1139 Adolf Böhm............ „ MIO Dr. J. Schallt........... „ 1058 Oberingenieur Fried........ „ 1015 Dr. J. Margulies.......... „ 1014 Dr. Josef Zipser „ 1013 Sigmund Kohn .......... „ 997 Max Markus.......... „ 979 Bernard Hofbauer ......... „ 618 Dr. Hermann Löwl........ „ 331 Für eine zweijährige Dauer: Dr. Egon Zweig..........Stimmen 1046 * Die „reine" zionistische Liste. Sie war diesmal ganz ,.vein". Unter neun Kandidaten gab es sieben Zionisten. Und sie erreichten kaum 20—22 Prozent der Wähler. Der Obmann des zionistischen Distrikts-Komitees Markus erhielt von allen Zionisten die wenigsten Stimmen, weniger als die anderen oppositionellen Kandidaten Dr. Zipser und S. Kühn; ein Beweis, dass die „reinen" zionistischen Stimmen nicht einmal 20 Prozent betrugen. Die Kraftprobe war also diesmal etwas — verfrüht. Mehr Bescheidenheit und weniger — Ehrgeiz wären am Platze gewesen. Es gibt Niederlagen, die eine Partei lächerlich machen. Und diese sind die traurigsten. * Die Niederlage der ..Union". Eine solche Niederlage war auch die der ,,Union". Es hat eine Zeit gegeben, da die ,.Union" das Zentrum des gesamten jüdischen Lebens in Wien gebildet hat. Die „Union" hat bei allen Wahlen die Kandidaten ernannt, sie war die jüdische „Tammany Hall". Nun yeigt sich, dass sie blos eine Scheinmacht war. Sie herrschte, weil sich ihr Alle unterwarfen. Ihr Kampf gegen Dr. Gustav Kohn bei der Reichsratswahl in der Leopoldstadt hat es dem Präsidium des Kultusvorstandes unmöglich gemacht, mit ihr bei den Kultuswahlen zu kooperieren. Die Union" ging also in die — Opposition. Ihr Präsidium agitierte gegen die offizielle Liste - und diese wurde gewählt. Sie agitierte für die Opposition und diese erhielt 22 Prozent . . . Die „Union" hat in Wien ausgespielt. Einer ihrer Vize-Präsidenten (Dr. Samuely) ergriff die Flucht in die offizielle Liste und wurde von seinen Vorstandskollegen bekämpft. Merkwürdige Zustände in Wien. Die Kultuswahlen haben sie uns in grellem Lichte gezeigt. .JDRRCSPONöeNZCN ©cstemich»0n§aFii. Theodor von Taussig rechtfertigt'sich _ Wien, 24. November. Wie in den Kreisen des Kultusvorstandes erzählt wird, soll demnächst im Auslande eine inspirierte Publikation erscheinen, in der die Gründe dargelegt werden, welche den jetzigen Gouverneur der Bodenkreditanstalt veranlasst haben, die russischen „Pogromaktien" auf dem Geldmarkte zu {ilazieren. In dieser Verteidigungsschrift soll nachgewiesen werden, dass Ritter v. Taussi g nur unter einem Drucke „von oben" gehandelt hat. Wrir übernehmen selbstverständlich keine Verantwortung für die Richtigkeit dieser Version, wir wollen dieselbe lediglich aus publizistischer Pflicht registrieren. Auf die Publikation selbst werden wir für den Fall ihres Erscheinens noch zurückkommen. Die „Wiener Pflanze" in Galizien. Krakau, 22. November. (Orig.-Korr.) Wenn der selige Abgeordnete für Bnody, Dr. Emil B y k, heute aufstünde, dann hätte er gewiss nicht mehr den Mut. die galizischen Zustände zu beschönigen und den Antisemitismus eine ,.Wiener Pflanze" zu nennenj. Er müsste zugeben, dass sich diese Pflanze in Galizien bereits akklimatisiert hat, dass sie dort blüht, gedeiht und fruchtbare Samenkörner ausstreut. Eine Zeit lang hat man es noch versucht, eine verschämte Form für eine unverschämte Agitation zu wählen und man sprach von — A s e m i t i s m u s. Heute -wird auch diese Maske gelüftet. Der Führer der Volkspartei und Obmannstellvertreter des Polenklubs verhetzt offen gegen die Juden, ja, Abgeordnete des Polenklubs gründen trotz der sogenannten Solidarität des Polenklubs einen eigenen „c h r is t Ii ch-st>z ialen Verband" mit jenem rohjen Programm der