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Neue Nationalzeitung · 1908-11-20 · Heft 46 (20.11.1908) · p. Seite 10

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
X (1908)
Issue
Heft 46 (20.11.1908)
Date
1908-11-20
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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„freue National-Zeituiig" Eine dreizehn Jahrhunderte aite Synagoge beiludet sich tun Jjjusse des Berges Mithridates bei Feoclosia (ursprünglich Theodo sia) an der Südostküste der Halbinsel Krim. In den letzten Jahren der Khanen-Herrschaft wurde sie verwüstet und mit Stein und Erdhaufen überworfen. Die Kaiserin Katharina II. hat bei Annection der Krim die Synagoge restaurieren lassen, und im August 1788 wurden in den uralten Mauern wieder die heiligen Lieder Israels gesungen. Das Gewölbe wird vor» einer Reihe Säulen gestützt, von denen zwei aus Mamor und zwei aus Granit sind. Ursprünglich waren es lauter Marmorsäulen, aber in den 40er Jahren des vorigen Jahrhunderts brachte der bekannte Karait Abram Firkowitz zwei Säulen nach Petersburg mit einer uralten Thora- und einipen PergamentroUen, welche er der kaiserlichen russischen Bibliothek verkaufte, indem er Kopien abnehmen Hess. In der Seitenwand der Synagoge ist eine steinerne Quadraitafel eingemauert mit der Inschrift, welche die Entstehungszeit aufweist. Diese Inschrift lautet übersetzt: „Durch die Weisheit der Menschen ist dies Haus erbaut. Messias komm und sammle Dein Volk Israel! anno 678" (4678 Synagogenjahr — M8 der neuen Aera). Ueber dem Altar befindet sich eine Aufschrift, welche aufweist, dass die Türen zum „Allerheiligsten'' vor 602 Jahren hinzugebaut wurden. Im Vorräume der Synagoge befindet sich eine Mikwah, an deren einer Wand von aussen eine Tafel di« Inschrift trägt: Der erleuchtetste und geachtetste und weiseste Rabbi Meier Aschkenas, die Zierde und der Stolz Israelis, ruht in Gott im 389. Jahre (5389 Synr.gogenjähr 1628 unserer Zeitrechnung). Die Tränen der Nachkommen von Abraham, Isaak und Jakob rinnen über seinen Staub." Die Synagoge hat einen dü4eren, geheimnisvollen Ausdruck. Für die Betenden sind kaum 50 Plätze. Die Ortsgemeinde, welche 70 Familien zählt, beabsichtigt, die Synagoge durch Zubauten an der Eingangsseite zu vergrüssern. 25eitschriften*Rundschau. Eine russisch-jüdische Privatunivei^ität. In einer der letzten Nummern des „Hed - Hasmann" erschien unter dem Titel „Jetzt —■ ist die Zeit!" ein symptomatischer Artikel, der zur Frage der jüdischen Bildung in Russland energisch Stellung nimmt. In grellen Farben wird hier die Lage der studierenden jüdischen Jugend geschildert, der jüdischen Jugend, die weit von den Türen der Hochschulen, an die sie vergebens so lange und mit solcher verzweifelten Hartnäckigkeit gepocht hatte, hinweg geschleudert ist. „Es stürzten die letzten Hoffnungen zusammen" — sagt die Zeitung — „es verschwand auf immer das „Vielleicht", von dem die Jugend lange beseelt war. Die zwei Möglichkeiten — vielleicht wird sich der Geist der Zeit ändern, vielleicht wird man auf Ansuchen eines Professors eine Ausnahme machen — welche die studierende jüdische Jugend immer in Rechnung zog und sich darauf mehr oder weniger stützen konnte, sind in ihren Herzen blosse Funken der eitlen Hoffnung geworden. Denn was früher noch möglich war, ist nun unmöglich geworden. Das unentschiedene „Vielleicht" hat «ich in ein entschiedenes „Gewiss" verwandelt. Wahrscheinlich wird der Zutritt der Juden zu den Hochschulen auf 3 bis T> Perzent beschränkt werden. Und welcher iüdisehe Jüngling kann sich sicher fühlen, dass eben er in die Zahl der wenigen Glücklichen fallen wird? Das Externntum ist auf der jüdischen Gasse — eine progressive Krankheit. Die jüdischen Externisten füllen in Russland Städte und Städtchen — die grossen und klunen Zentren. Sie finden sie in jedem Hause, ja in jeder Familie. Alle lernen, alle lehren — alle darben in Hunger, laufen Privatstunden nach und konkurrieren miteinander, alle — hungrig, ohne Kleider und Obdach" . . . Der Artikelschreiber ist der Meinung, dass die Lösung dieses brennenden Problems nicht von aussen, nicht seitens der Regierung oder der russischen Gesellschaft, sondern von innen, seitens der jüdischen Gesellschaft selbst kommen müsse und sieht den einzigen Ausweg aus dieser verzweifelten Lage in der Errichtung einer russisch-jüdischen Privatuniversität, wo die zurückgesetzte, verschmähte jüdische Jugend ihre Studien beendigen köni te. * Die „Ckaluka"-Gelder in Palästina. Der letzte Jahresbericht;'>'»'■• des IVkidim und Am.'trkalitn /u Amsterdam findet in der „Jüd. Rundschau" feilende Kritik: ,.ln der neuesten Nummer der Münehener Zeitsehritt. ..Palästina" finde jeh einen Auszug aus der neuesten Abrechmine, der nunmehr refoimiei ten deu!><'hlm]]andis<hen ( 'halttkali. l'nd was ist das Ergebnis? Es sind dieselben Familien und dieselben Summen. < >b da ein Alex l'rcuss mit jiihrlieh 7<> Franken hinzugekommen ist, tut absolut nielits zur Sache. \'<>n den 2cS'.8<;S\<;2 ]• ranken, die auf die holländisch detitsch-e (iemeinde verausgabt wurden, entfielen auf die Familie Hertmann rund j< <;.) ,ml Familie S< hlank rund .V>''">, I-ilieiithai 2000. Fanrlir Ilaiisdorff 151:0. IIa!ber>tadt 1400 Franken an jährlicher ArnieniiiHersiützue;j,. Ks sind dieselben Kamill e n. die 11 n l e r s 1 c h e ine e i n z i g e S r h \v ä g e ru n d (. e s c h w i s l e r s e h a t t b i 1 d e n : Hergmann. Sachs. Lilienthal. Hausdorff. Klb. S< blank. Coponel, die heute wie vor zehn und zwanzig Jahren uir.er sich den Löwenanteil der Ai nietigeid-.T teilten. I>arun;.-r si.nd Leute, die in den letzten zwan/ie. Jahren insgesamt Renten aus diesen unter dem Titel ,,1 ür die (iesanitheit palä-tinisi her Armen" ausgewiesenen Armciigel.'.ern in Höhr von ctv.a 20.000 Kranken erhalten haben und diese Keinen weher beziehen, die es nicht nötig haben, von den Spargroschen zum Teil recht armer jüdischer Krauen in 1 >eutsi bland sich in so reich1,;.'her Weise unterstützen zu hissen. Daneben aber gibt es tatisende und abertausende armer Juden in Jerusalem und den anderen heiligen Städten des Landes I-ie l, die nicht das (ieringste vom allern o t w e n (1 i g s t e n h a b e n. Wie viel Not Hesse sich mit den an die wohlhabende deuts« hhollandische (demeinde so reichlich vei leihen Ariiiengeklern lindern, wenn die Armen und Bedürftigen, die S< hüler der Talnuulschulen und die wirklichen Taluuidgelelirten die notwendigste!'nter-tüt/ung erhielten." ♦ I>ie seit o |ahren in iVier-burL; erscheinende jiddische Tageszeitung ..Der Fraitld" hat ihr Li--. h."inen eingestellt. Die druixlr dafür sind 1. diglii h finanzieller Natur, da „Der Kraind"'. obwohl •weifelhieine der li'stn iüdis<dien Zeitungen, sehr uiuer der Konkurrenz anderer indischer Tageszeitungen zu leiden hatte, die in dem jüdischen A nsiedelungsgcbicl näher gelegenen Städten erscheinen. Das Kingehen dieses sii« )hl ].oji;i.,i h als .«uc'i literarisch sehr gut redigi-Tten Blatte.-, is' ein trauriger Bewis für die Apathie in den jüdischen Kreisen Petersburgs. Die jüdischen ..Mai her" strengen sieh höchsten-; noch für die ,,Kietsch" an . . * In den nächsten Tagen wird in Helsingfors ein neues Pressorgan erscheinen, das den Zweck hat, den Interressen der finnländischen Juden zu dienen. Das Blatt wird deutsch und russisch erscheinen. PcFsonalnacliFichtcn. Der akademische Mah-r Ädnh" Kau im a n n. der sich durch seine Bilder aus eleei jüdischen «dhetto einen herv >rlageuden Platz in d< r Kutisiueit eiohen 'hat, feien am 20. d. AI, init seiner (iittii), brau luhette Kautmann geb_ Bauer, das fest der silbernen 11 o ■ h z e 1 t. Wir sind überzeugt, (ia.-s die zahlreichen lüeiinde und Veiehr.-r des Herrn Adolf Kaufmann diese (lelegenin-ii u'erne benüt/.en werden, um diesem so bescheidenen, wahrhalt jüdi-chen Künstl r ihre <Iii« ku iinsche darzubringen iiiriiiiiiiiiniiiiii wm iidi rrifti tvr* ninrif n Fimnif unrni itjt t r t ■ 1 KLEINER ANZEIGER. "IM"" 'I^ilii« itüintufi mULLLIJ tinfiiiinifi'Hi""""""'"" Heirat v/ünscht Kaufmann5 Zwtcks Heirat wird isr. mit hübschen intellig. verpög. Mädchen, eleeanter Mann Ton angenehmen Eihr ist n»ho der Dreissigor, Israelit, terleur. mit gutem sicheren Einkommen fesch u. gebildet, aus guter Fam. In- Kegncht füt ebensolche Dame, 35 Jfthre 5,b5r«nei?eT J°nt-- nt«ril0h,"ens 111 '* »lt, mit 3J.009 Kronen Vermögen. Anfc-bjOO K Jahreseink Zuschr erbeten trii untor Bnen Retlro« an d- Adm. unter rT>. 19u9a. Postlagernd Wien 0j. Suche für meine junge, fesche und intelligente Tochter, mit entsprechendem VermOyen, sicher angestellten Israeliton im Alter bis 3't Jahio. Nichtanouyme /.usohriften erbetan nnt. .Zufall" an die Adm. Dieser Raum kostet K 2 - ^ß/T Ueber vielfachen Wunsch unserer Leser haben wir uns entschlossen, in der „NEUEN NATION AL-ZEITUNG" einen KLEINEN ANZEIGER ^m» zu eröffnen. In demselben gelangen Heirats- und Verlobnngsanzeigen, sowie Heiratsannonzen zur Veröffentlichung. Da sich die „NEUE NATIONAL-ZEITUNG« infolge ihrer grossen Verbreitung in jüdischen Familien für derartige Inserate besonders eignet, haben wir für dieselben (in obiger ürosse) einen Einheitstarif von 2 K bestimmt. Gefl. Mitteilungen bitten wir zu richten an die Adresse: „KLEINER ANZEIGER" der f4cue J^ational-Zeitung "Wien, 1. UeTülrlr. Zelinktigasse Nr. 11.

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