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Neue Nationalzeitung · 1908-11-20 · Heft 46 (20.11.1908) · p. Seite 4

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
X (1908)
Issue
Heft 46 (20.11.1908)
Date
1908-11-20
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. Die offiziellen Wählcp^cpsatnttiluti§«n. Vom 14. bis 18. d. M. an vier aufeinanderfolgenden Tagen, veranstaltete der Kultus-Vorstand — nicht das Zentralwahlkomitee -- Wähler-Versammlungen in verschiedenen Bezirken. In denselben stellten sich die offiziellen Kandidaten vor und es kam mitunter auch zu heftigen Renkontres zwischen beiden Parteien. Die erste Wähler-Versammlung am 14. d. M. bei „Guth" fand ein sehr frühzeitiges Ende. Dr. Zipser beantragte die Wahl eines Präsidiums und die Alternierung der beiderseitigen Kandidaten bei ihrer Vorstellung; das war dem Vorsitzenden, Dr. Gustav Kohn, nicht angenehm und er schloss die Versammlung. Seitdem übernahm Dr. Stern selbst die Leitung der Versammlungen. Am 16. d. M. kam es im „Hotel Savoy" zwischen ihm und dem zionistischen Kandidaten Börserat Breche r zu einer heftigen Auseinandersetzung. Herr Brecher Jas ein Schreiben vor, welches das Präsidium der „Union" an ihn gerichtet hat und worin der Polizeigeist Doktor Sterns sehr treffend charakterisiert wird. In diesem Schreiben wird erzählt, welche Antwort sich das Präsidium der „Union" bei Dr. Stern holte, als an diesen die Bitte gerichtet wurde, ein vorgebrachtes Programm in absehbarer Zeit zur Diskussion zu stellen. Dr. Stern sagte zur Deputation der „Union": „Gegenüber der Forderung, dass der Kultus\\>rsiand das aufgestellte Programm innerhalb einer befristeten Zeit diskutieren soll, erkläre ich auf das bestimmteste: ich werde es niemals zugeben, dass ein von einem \Vahlk:>mitee oder von einem Vereine, und wäre er auch so hen .»n agend, w ie es die ,.1'nion" ist, vorgelegtes Programm \ um Vorstande auch n u r in Diskussion g e. l o g e 11 w e r d e. Von einer Befristung kann schon gar keine Rede «ein. Es steht Jedermann fiei, einzelne konkrete Anregungen im Wege ^iner Petition vor den V,»stand zu bringen. Solche Anregungen werden immer in l\- atung gezogen, aber ich dulde es nicht und nuiss mit i) ganz entschieden dagegen verwahren, dass eine Reihe solcher Vorschläge programmäßig zusammengefasst und dem Verstände vorgelegt werde. Ich werde auch gerade solchen Mitgliedern des Kultusvorstandes, die sich auf ein derartiges Programm haben verpflichten lassen, weniger Einfluss einräumen." Die Vorlesung dieses Briefes machte auf die Versammlung grossen Eindruck und Herr Doktor Stern sah sich gezwungen, die Darstellung als unrichtig hinzustellen. Die Versammlung, die am 18. d. M. bei der „Post" stattfand, nahm gleichfalls einen stürmischen Verlauf. Sie wurde wegen der aggressiven Rede des Herrn Böhm von den Anhängern der offiziellen Partei gesprengt. Die provokatorische Art, mit der Dr. Stern den Vorsitz führte, seine merkwürdige, ganz unparlamentarischc Art, Redner zu unterbrechen, um in längeren Ausführungen mit ihnen zu polemisieren, kann selbst den ruhigsten Redner aus dem Gleichgewichte bringen. Es war eben nicht das erste Mal, dass Dr. Stern die oppositionellen Kandidaten provoziert hat, um der Versammlung ein \orzeitiges Ende zu bereiten. Der alte Herr darf sich darauf nicht viel einbilden. ©Ie fluldigungsdeputation der l&ulhisgeitieinden aus Bosnien und Herzegowina. Angesichts des bevorstehenden sechzigjährigen Regierungs-Jubiläums des Kaisers haben auch die österreichisch-ungarischen israelitischen Gemeinden in Bosnien und der Herzegowina den Beschluss gefasst, an den Kaiser eine Huldigungsdeputation abzusenden. Die Deputation erschien am, letzten Donnerstag, den 12. d. M., in Wien und wurde tags darauf von Sr. Majestät in der huldvollsten Weise empfangen. Sie bestand aus 30 Repräsentanten der in Bosnien und Herzegowina bestehenden fünf „Österreichisch-ungarischen Kultusgemeinden". Wir sahen hier für die Gemeinde Sarajewo: den Herrn Rabbiner Dr. W e s z e 1, den Präsidenten der Kultusgemeinde Dr. R o t h k o p f, den Vize-Präsidenten Bernardo Klein, den Kultusvorsteher Ignaz König'sbcrger, dann die Herren Ch. Wei t z n e r, S. Chacha m o wi cz, A. ü. S a 1 o m u. a.; für die Gemeinde B a n j a 1 u k a : Rabbiner Pinchas Kell e r, den Präsidenten G r ü 11vvald, Vize-Präsidenten H erzler und Buchhändler Fon; für die Gemeinde Bihac: Präsidenten Dr. Kerb ler; für die Gemeinde Bfcka: den Präsidenten Hof m a n n und Herrn N a s c h i t z; für die Gemeinde D o 1 n a - T u z 1 j a : Präsidenten Liska und Vize-Präsidenten S c h u s t e r. Beim Eintritt des Kaisers in den Audienzsaal bedeckten die Mitglieder der Deputaten ihr Haupt und Rabbiner Dr. Weszel sprach über den Monarchen den hebräischen Segen. , Präsident Dr. Roth köpf hielt hierauf eine Ansprache an den Kaiser, in der er dem Danke der in Bosnien angesiedelten österreichisch-ungarischen Juden für das beständige Wohlwollen des Monarchen und ihrer Freude darüber Ausdruck gab, dass der Kaiser diese Länder nunmehr seiner Krone ■einverleibt habe. Mit der Versicherung der steten loyalen Ergebenheit der bosnischen Juden und einem „Hoch" schloss der Präsident seine Ansprache. Der Kaiser erwiderte mit einer kurzen Ansprache, in der er seiner Befriedigung über das Erscheinen der Deputation Ausdruck gab, deren Huldigung ihn sehr erfreue. Der Monarch sprach seine Ueberzeugung aus, dass die Juden wesentlich zur kulturellen und wirtschaftlichen Hebung Bosn'cns und der Herzegowina beigetragen haben. Der Kaiser liess -ich sodann alle Mitglieder der Deputation vorstellen. Die Konversation wurde in deutscher Sprache geführt, zwei l'ngarn sprach er ungarisch an und eineai Teilnehmer italienisch. Den Rabbiner Dr. Weszel fragte der Kaiser, wie lange er schon sein Amt bekleide. Dr. Weszel erwiderte, dass er seit zehn Jahren in Sarajewo sei und seine erste Funktion am Tage des 5ojährigen Jubiläums des Kaisers ausgeübt habe. Auf die Frage, ob die österreichisch-ungarischen Juden eine Synagoge besitzen, erwiderte Dr. Weszel, dass diese vor drei Jahren am 18. August in Anwesenheit des Erzherzogs Friedrich eingeweiht worden sei. Den Grossindustriellen Hirsche. 1 fragte der Kaiser, ob er bei der Okkupation 1878 dabei ge-

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