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Neue Nationalzeitung · 1908-11-20 · Heft 46 (20.11.1908) · p. Seite 3

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
X (1908)
Issue
Heft 46 (20.11.1908)
Date
1908-11-20
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 46. Protektion beseitigt, das Bcamtenwcsen reformiert und gesäubert. So spricht ein Mann, der selbst Beamter war, von den jüdischen Kultusbeamtcn und er bleibt trotzdem, offizieller Kandidat. . .. Ks ist selbstverständlich, dass sich die Beamtenschaft derartige Beschimpfungen, von denen man ruhig sagen kann, dass sie selbst das ,,Deutsche Volksblatt" nicht gewagt hätte, nicht gefallen lassen durfte. Die Herren wandten sich daher an den Präsidenten um Schutz. Filter gewöhnlichen Verhältnissen dürften sie beim Herrn Dr. R appoport. dessen beamtenfeindliche (iesinnung seit jeher bekannt ist, übel angekommen -ein. Aber es ist vor den W ahlen. Man braucht die Beamten als Agiiat oren, als Stimmensammler und "Einpeitscher. Diesmal kroch nun Herr Dr. R appoport zu Kreuz. Hofrat Rappoport revoziert. Die Entschuldigung gegenüber den Kultus - beamten geschah in recht feierliche]" W eise. Es wurde zu diesem Zwecke nm Sonntag, den 15. d. M.. eine geheime Vorstands-Sitzung einberufen, die folgenden Verlauf nahm : Vor Eingang in die Tagesordnung gibt der P r üs i d e n t folgende E r k 1 ä r u n g ab : ,,Es dürfte Ihnen, meine Herren, bekannt .-.ein. dass aus Anlass einer Aeusserung des Herrn Hofrates Dr. Rappoport in einer i:i den jüngsten- Tagen stattgefundenen giö-.>e!"en Komitee-Sitzung ein M issverständnis!!; um er im-erer Beamtenschaft platzgegriffcn hat. Die Beamten haben sich heute in grösserer korporativer 'Deputation an mich gewendet und hat an der Besprechung mi' den Beamten auch Herr Holrat R a )) p o ]> o r t teilgenommen. Es ist dieses Mißverständnis durch meine Aufklärungen und die des Herrn Hofrates Rappoport \ol!ständig beseitigt worden. Ich fühle mich aber verpflichtet noch hinzuzufügen, dass meiner Ansicht nach nicht viele Körperschaften, sicherlich eher keine einzig* autonome über einen so tüchtigen, vorzüglichen, so gut tpialifizierten Beamtenkörper '.■(•'■fügt, wir gerade 'he Kultusgemeinde. An der Spitze unserer Acmtev haben wir Männer, auf deren \ olle Vertrauenswürdigkeit wir unbedingt rechnen können, ebenso muss ich sagen, dass die anderen Beamten ihre Chefs in der Rührung der Acmte*" vortrefflich untc s.ützen. Was ich besonders an unserem Beamtenstande begrüsse, ist, dass unsere Beamten nicht nur ihre Amtspflicht erfüllen, die Amtsstunden einhalten, wie es die Dienstpragmatik vorschreibt, sondern dass sie zu jedci" Zeit aus vollem Herzen bereit sind, für das Wohl unserer (Gemeinde einzutreten. Ich fühle mich verpflichtet, dies vor dem Plenum zu erklären. Herr Hofrat Rappoport hat sich bereits meiner Anschauung angeschlossen und bin ich sicher, dass auch Sie meine Herren meiner Erklärung beistimmen werden. Für die Veröffentlichung derselben werde ich Vorsorge treffen." (Allgemeine Zustimmung. Hierauf erklärte Herr Hofrat R a p p o p o r t : ,.Ich habe gestern zum ersten Male gehört, dass meine Worte, die ich in der Komitee-Sitzung vom 12. November 1908 gesprochen habe, einer missverständlichen(! Auffassung seitens der Beamtenschaft begegnet sind. Ich war in jener Sitzung nicht vorbereitet darauf, dass ich zu Worte kommen werde. Dass gerade seitens der Beamten meine Worte in einem ihnen feindlichen Sinne aufgefasst wurden, bedauere ich sein", zumal selbe den entgegengesetzten Zweck verfolgt haben. Ich habe meinem Bedauern über diese missverstäadlichc .Auffassung heute schon gegenüber der Beamtendepuiation Ausdruck ge geben. Ich bin überzeugt, dass wir einen ausgezeichneten Beamtenkörper hallen und schliessc mich nach dieser Richtung den Ausführungen des Herrn Präsidenten vollinhaltlich an. in Details einzugchen hat keinen Zweck, da nur die wenigsten Herren bei der Versammlung zugegen waren. Ich wiederhole, dass ich stets für alles, worauf die Beamten begründeten Anspruch haben, nicht nur im Sinne des Rechtes, sondern auch im Sinne des Wohlwollens eintreten werde." Das ,,Mis.s\ erständnis'" wäre nun beseitigt. Das es aber möglich war, beweist den Beamten am besten, welche Parias-Stellung sie beim jetzigen Regime einnehmen. Herr Di". R app-oport hat sich's verdient, dass sie sich nun für ihn sehr anstrengen. Eine Erklärung der Schiffschur. In derselben Sitzung kam auch der Innstand zur Sprache, dass ein Vorstandsmitglied der Schiffschul' (Herr Wolf P a p p e n h e i m) der oppositionellen Deputation, die unter Führung des Dr. Zipser dem I"ntenichtsminister Dr. Marchet ein Memorandum überreicht hatte, angehört hat. Das kann Heri" Dr. Stern nicht leiden. 'Er erstreckt seine Polizei* iewalt sogar über die Vorstandsmitglieder der Bethäuscr. W iewohl es bekannt war, dass Herr Pappenheim als Privatmann, ohne jedes Mandat der Schiffschul\ zum Minister gegangen ist, hat Herr Dr. Stern Herrn P a p p e n h e i m öffentlich anlässlich einer Versammlung in brüsker Form zur Rede gestellt und überdies auch* beim Vorstande der Schiffschur den Fall angezeigt. Hierauf hat die Schiffschur geantwortet, dass iierr Pappenheim mit Bestimmtheit ausdrücklich eik'äri habe, sich nicht im Namen der SchiffsehuP der Deputation zum Ministe]" anzuschhessen, dass auch: f ü r n i e m a n d e n c i n Anlass vorlag, diese Audienz in irgend eine Beziehung zur Schiffschur zu bringen, dass vielmehr der Vorstand Wert da lauf lege, kein Missverständ nis zwischen sich und dem Vorstande der Wiener Kuitusgemcinde aufkommen zu lassen und bitte, diese loyale Erklärung zur Kennmis nehmen zu wollen. Die Prolongation der Mandate für Floridsdorf. Mit Rücksicht auf die Ordnung der Floridsdorfer Verhältnisse, die sich infolge mannigfacher Schwierigkeiten sehr verwickelt gestalteten, und daher bis heute noch nicht geregelt werden konnten, beantragte der Präsident 1 amens des Vertreterkollegiums, an die k. k. niederösterreichische Statthalterci mit dem Ersuchen heranzutreten, die Zustimmung z u r V e r 1 ä n g e r u n g d e r M a n d a t s d a u e r der Herren Dr. König und (irünwald. die durch ihre Kenntnis aller einschlägigen Fragen unentbehrliche Mitarbeiter bei den Agenden der l'ebernahme geworden sind, auf weiterei 2 Jahre, eventuell bis zur ('»(•nehmigung des zu ändernden Statutes zu erteilen. Der Antrag des Verlreterkollegiums wird bei Anwesenheit von 2ö Mitgliedern e'nhellig zum Beschlüsse erhoben. *

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