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Neue Nationalzeitung · 1908-11-20 · Heft 46 (20.11.1908) · p. Seite 2

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
X (1908)
Issue
Heft 46 (20.11.1908)
Date
1908-11-20
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2. Die ein/ige Iic•. ölkcrungsschic iiU\ dir ihrer Verteidigung dringend benötigt, v. ircl aus falscher Scham oder Mangel an Mut von ihnen bei Seite gelassen. Es ist daher die Pflicht der jüdischen Gemeinde, wenn sie das Prädikat j ü d i s c h überhaupt \ erdienen Avill, das jüdische Banner emporzuheben, und zur Führerin des Judentums zu werden. Wohl zählt der Kultusvorstand in seiner Mitte einzelne Herren, deren Gesichtskreis über den bureaukratischen Schimmel, Kri?dhofs-Agenden und Rabbiner-Versorgung hinausreicht, aber ihre Zahl ist zu gering und ihre Autorität gegenüber der Präponderanz des Präsidenten zu schwach. Sie müssen Zuzug erhalten durch die Wald Gleichgesinnter und die darin liegende Willenserklärung der Gemeindemitglieder. Wohl hat das offizielle Wahlkomitee nn letzten Moment ein „Programm** verlässL in dem fast alle Wünsche der Oppositionellen enthalten sind, allein man weiss, dass solche Kunststücke nur dazu dienen, um die Wähler zu täuschen: Kein einziger Kandidat hat mündlich oder schriftlich diese „Grundsätze" akzeptiert und deren Erfüllung versprochen. Der Präsident des Kultus\ orstandes würde dies auch gar nicht dulden, denn er kennt nur ein Programm : seinen Willen! Die jüdische Wählerschaft von Wien ist politisch zu reif, um nicht diese Machinationen zu durchschauen. Sofern sie nicht dem Judentum ganz apathisch gegenübersteht, wird sie daher beide Richtungen genau prüfen, bevor sie entscheidet. Und wäre die Opposition bei der Aufstellung ihrer Kandidatenliste klüger, vorsichtiger, würde sie sich auf eine breitere Basis stellen und das öffentliche Wohl dem Ehrgeize einzelner .unterordnen, würde sie im Wahlkampfe mehr Takt und Beredsamkeit aufweisen, dann wäre ihr vollständiger Sieg sicher. Nach der jetzige!) Sachlage ist ein Erfolg nur dann zu erzielen, wenn die oppositionell gesinnten Wähler für e i n e k o m b i n i e r t e Liste stimmen, in der die besten Männer aller Parteien enthalten sind. Eine solche Eiste werden gewiss auch viele Anhänger der offiziellen Partei wählen, die von parteiischer Yerblendung frei - nur gerecht zu denken vermögen. Wir bitten deshalb unsere Freunde und Gesinnungsgenossen für nachstehende Liste zu stimmen. Liste der ..Neuen National-Zeitung": a) Für eine sechsjährige Mandatsdauer: Adolf Brecher, Börserat, IX., Kolingasse Nr. 5 (Z i o n i s t); Salo Cohn, Privatier, I., Hansenstrasse Nr. 4 (Präses der „Chevra Kadischa"): Dr. S. Ehrmann, k. k. Univcrsitätsprofessor, IX., Kolingasse Nr. 9 („Bnei-Brith-Loge"); Nr. 46 Max Frank. Garnhändler, iX., Berggasse Nr. 19 („Bnei-Brith-Loge";; S. Kohn. Kaufmann, I., Kohlmcssergasse Nr. 10 (() p p o s i t i o n e 1 i e r /; kais. Rat Leopold Sachs, Prokurist, I.. Augustinerstrasse Nr. 8; Carl Seligmann, Privatier, X., Quellenstrasse Nr. 139 (Obmann des Tempel-Vereines im X. Bezirke); Dr. Josef Zipser, Hof- und Gcrichts-Advokat, I., Wollzeile X r. 11 (Oppositionell e r). v b) Für eine zweijährige Mandatsdauer: Bernard Hofbauer, Kaufmann, I., Tuchlauben Xr. 20 (O p p o s i t i o n e 11 e r, Richtung der Schiffschul'j. Die polnisch-jüdischen Wähler ersuchen wir ganz besonders, eingedenk zu sein, in welch' wegwerfender und geringschätzender Weise sie diesmal von der offiziellen Partei behandelt wurden. Mit einer Rücksichtslosigkeit, die dieses ganze Regime charakterisiert, wurde das Mandat Salo Landaus, welches einem Kandidaten des „Beth- Israel" gebührt, anderweitig vergeben. In unserer Liste figuriert Dr. Josef Zipser als Repräsentant der polnisch-jüdischen Gemeinde- Mitglieder, und es versäume kein polnischer Jude, der noch ein Gefühl der Würde, und Selbstachtung besitzt, ihm seine Stimme zu geben. * Hofrat Dr. Rappoport gegen die Kultusbeamten. Zu denjenigen Kandidaten, die Herr Doktor Stern „hält", wiewohl sie sich total unmöglich gemacht haben, gehört Herr Dr. Rappoport, Hofrat in Pension. Schon anlässlich der Verheiratung seiner Tochter an einen Christen haben wir darauf hingewiesen, dass es den Traditionen des Wiener Kultusvorstandes entsprechen würde und auch eine primitive Anforderung des guten Gc - schmackes wäre, wenn Herr Dr. Rappoport sein Mandat niederlegen würde. So haben es vor ihm die Herren v. Borken au und v. Pol lack getan. Die gesamte jüdische Oeffentlichkeit stimmte mit uns überein, nur H err — 1 )r. S t e r n nicht. Herr Dr. Rappoport klammerte sich an sein Mandat. Wir haben dann vom Falle Stern in New-York erzählt, der sein Amt als Bethaus-Vorsteher niederlegen musste, ja sogar hiezu von der Kanzel aufgefordert wurde, weil seine Tochter einen Christen, heiratete; Herr Dr. Rappoport hörte nichts. Nun soll dieser Mann wieder kandidieren, denn Herr — Dr. Stern will es so haben. Da geschieht plötzlich etwas unerhörtes. In der Sitzung des Wahlkomitees vom 12. d. M. hält Doktor Rappoport seine Kandidatenrede und beschimpft in der unglaublichsten Weise die Kultusbeamten. Er charakterisiert sie als Faulenzer, die Urlaube nehmen, um auf Kosten der Gemeinde spazieren zu gehen, als Betrüger, die für sich und ihre Familienmitglieder Kurbeiträge herauslocken, als bestechliche Individuen, die „auf ihren Aemtern sitzen". Er habe erst diesen Zuständen ein Ende gemacht. Jetzt müssen sich die Beamten ärztlich untersuchen lassen, wenn sie einen Kurbeitrag bekommen wollen: er habe die Neue National-Zeitung"

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