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Neue Nationalzeitung · 1908-11-13 · Heft 45 (13.11.1908) · p. Seite 5

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
X (1908)
Issue
Heft 45 (13.11.1908)
Date
1908-11-13
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 45. .Neue National-Zeitung' Seite 5. tung der politischen Verhältnisse in ihrer rechtlichen Stellung' des kaiserlichen Schutzes sicher sein können. Nac h der Antwort Seiner Majestät auf die Ansprache der Deputation hatte der Kaiser für jedes der 31 Mitglieder derselben huldvolle Worte, die teils den privaten, teils den Landcsvcrhältnisscn galten. Besonders mit dem Gemeinderat Salomon Efcndi Salom, der lange Jahre unter türkischer Oberherrschaft verlebt und dem erst e n türkis c h e n P a rlament auf (irund der \'erfassung vom Jahre 1870 als bosnischer Abgeordneter angehört hat, unterhielt sich der Kaiser längere Zeit in lebhafter Weise. „Teil erinnere mich, Sie schon einige Male gesehen zu haben,'* äusserte sich der Kaiser. „Teil habe bereits viermal das Glück gehabt. Eurer Majestät in Audienz vorgestellt zu werden/' antwortete Salom m Efcndi. ..darunter einmal nach der Okkupation von Bosnien, einmal nach der Hochzeit des Kronprinzen Rudolf und das letzte Mal vorgestern mit dem Gemeinderat von Serajewo." An den Advokaturskandidaten Dr. Alkalay aus Bielinn. der in strammer soldatischer Haltung vor dem Kaiser stand, richtete Seine Majestät die Frage, ob er beim Militär gedient habe. Als die Frage bejaht wurde, bemerkte Seine Majestät, man erkenne dies an seiner strammen Haltung. Heim Rabbiner Joschua M. Salom aus Serajewo erkundigte sich der Kaiser nach der Zahl und dem Altander Synagogen im Lande. Den Rabbiner Dr. L ö w y fragte der Kaiser, wo er die Studien absolviert habe, worauf derselbe erwiderte, er habe sechs fahre au der Wiener Universität und an der Israel, theolog. Lehranstalt in Wien studiert. Mehrere Mitglieder der Deputation, welche an der Grenze Bosniens gegen Serbien und die Türkin wohnen, befragte Seine Majestät um die Verhältnisse dortseihst, worauf dieselben erwiderten, dass allgemeine Ruhe im Lande herrsche und dass sie glücklich seien, sich unter dem Schutze Seiner Majestät zu wissen. Heber den Empfang beim gemeinsamen Finanzminister Baron Burinn erstattete Herr Dr. Löwy folgenden Bericht : Nach der Audienz bei dem Kaiser, welche eine halbe Stunde währte, begab sich ein Teil der Deputation zum gemeinsamen Finanzminister Baron Huri an. Der Führer der Deputation, Dr. Salom, überreichte dem Minister ein umfangreiches Memorandum, unterschrieben von allen jüdischen Gemeinden Bosniens. Tn demselben wird geschildert, dass die Juden seit vierhundert Ja h rr n in Bosnien und der Herzegowina ansässig sind und während dieser Zeit in allen politischen Wandlungen, welche diese Provinzen durchmachten, immer die volle bürgerliche4 und politische Gleichberechtigung mit den anderen Konfessionen und Nationalitäten genossen. So fanden die luden auch zur Zeit, als unter der früheren Regierung die Bevölkerung zur Teilnahme an der Landesverwaltung berufen wurde und in den Provinzhauptstädten Beiräte (Mcdzlis) geschaffen wurden, auch in allen den Körperschaften ihre Vertretung. Dasselbe war auch der Fall, als im Jahre 1876 im ottomanischen Reiche eine Verfassung eingeführt wurde: auch damals entsendeten die Juden Bosniens zw ei Vertreter in das türkische Parlament. Die Juden Bosniens richten nun die Bitte an die Regierung, dass auch sie gleich den anderen im Lande ansässigen Konfessionen als konfessionelle Einheit gewürdigt und in staatsrechtlicher Hinsicht als selbständige Kategorie behandelt werden. Finanzminister Baron B u r i a n empfieng die Deputation aufs freundlichste und gab ihr die Zusicherung, dass die Regierung, die im Laufe der Jahre Gelegenheit hatte, die Juden Bosniens und der Herzegowina als ein fleissigjs, Kultur und Wirtschaft förderndes Element kennen zu lernen, nicht daran denke, sie gegenüber den anderen Konfessionen des Landes zurückzusetzen. Wenn er, der Minister, in seinem Expose in den Delegationen der Juden Bosniens nicht ausdrücklich Erwähnung getan habe, so habe dies nur darin seinen Grund, weil er nur Anlass genommen habe, derjenigen drei Nationen und Konfessionen zu gedenken, die früher in politischer Fehde sich befanden. Er erkläre ausdrücklich, dass die Juden i n d e 111 zu schaffenden L a n dtage ihre Vertretung haben werden. Dr. A 1 k a 1 a y fragte den Mildster, ob die Juden mit Bestimmtheit darauf rechnen können, dass ihnen gleich den anderen Konfessionen im Lande eine bestimmte Anzahl von Mandaten zugesichert werde, worauf der Minister erwiderte: „Alles, was die anderen Konfessionen bekommen, werden Sie auch bekommen". Nach einem Dankesworte für die Erklärungen des Ministers entfernte sich die Deputation. lliemit schlössen die Mitteilungen der Deputationsmitglieder und bemerkte Dr. Löw y, dass die Juden vertrauensvoll und mit Beruhigung der weiteren Entwicklung der Dinge im Lande entgegensehen können. Der Präsident Dr. S t e r n gibt der Freude Ausdruck, dass die berechtigten Wünsche der Juden in Bosnien an massgebender Stelle geneigtes Gehör gefunden haben. Es war dies auch vorauszusehen. Es erfüllt Sie und uns Alle mit Stolz, dass von der höchsten Stelle im Staate anerkannt wurde, dass die Juden in Bosnien ein friedliches, arbeitsames und tüchtiges Element der Bevölkerung bilden. Das ist auch anderwärts der Fall und wäre auch überall der Fall, wenn man überall den Juden die freie Entfaltung ihrer Kräfte zuliess. Nur dort, wo Beschränkungen bestehen, nur dort, wo die Kräfte sich nicht frei entfalten können, ist ihnen eben die Möglichkeit benommen, all das zu leisten, was sie zum WohTe des Ganzen leisten könnten. Wir legen Gewicht darauf, dass wir gleich gehalten werden, gleich den Andersgläubigen, in deren Mitte wir leben, gleich allen Stämmen, allen Völkern, allen Konfessionen, allen Angehörigen des Vaterlandes. Es ist der Grundzug der Regierung unseres erhabenen Monarchen, allen seinen Untertanen das gleiche Recht zu gewähren, entsprechend der Gleichheit der Pflichten aller Staatsbürger. Dankerfüllt blicken wir auf das Bildnis Seiner Majestät, welches * die Stirnseite unseres Beratungssaales schmückt, und dankerfüllt und vertrauensvoll stimmen wir alle begeistert in den Ruf ein: „Gott erhalte. Gott schütze unseren Kaiser Franz Josef I". Die Versammelten erhoben sich von ihren Sitzen und brachten ein dreimaliges stürmisches „Hoch" und „Zivio" aus. Die meisten Delegierten verlassen bereits heute nachts Wien, um direkt nach Hause zu reisen, Ein aufgetauchter Vorschlag, beim Minister- Präsidenten Wekerle in Budapest vorzusprechen, wurde fallen gelassen.

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