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Neue Nationalzeitung · 1908-11-06 · Heft 44 (6.11.1908) · p. Seite 10

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
X (1908)
Issue
Heft 44 (6.11.1908)
Date
1908-11-06
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Seite 10. ,Neüe National-Zeitung' ir*. a. zess, Hellersohn und S t a r j a t i n, ist vom Staatsanwalt erröffnet worden, dass sie wegen ihrer Reden im Gerichtssaale, in denen sie bekanntlich rüchsichtslos auf die wahren Schuldigen beim Judenmorden aufmerksam machten, vor Gericht gestellt werden. Herr Hellersohn sollte gleich in Haft genommen werden, wurde aber nach vielen Mühen gegen eine Kaution von 5000 Rbl. wieder auf freien Fuss gesetzt. Die Paragraphe, auf Grund deren die Hauptverhandlung gegen die Anwälte eingeleitet wird, betreffen Aufreizung und Aufwiegelung der einzelnen Bevölkern ngsklassenzuRevolutionszwecken. In der Sitzung der Anwältekammer am letzten Montag wurde nun, allerdings unter Abwesenheit der echtrussischen Anwälte, gegen das Vorgehen des Staatsanwaltes energischer Protest eingelegt und beschlossen, aus prinzipiellen Gründen gemeinschaftlich gegen eine solche Vergewaltigung der Redefreiheit eines beeidigten Rechtsanwaltes Stellung zu nehmen. Am gleichen Tage, da die Anklage gegen die Rechtsanwälte eröffnet wurde, wurde auch bekannt, dass fünfzehn Teilnehmer am Bialystoker Pogrom vom Cz&ren — begnadigt wurden! Rabbiner Dr Salomon H. Sonnenschein ist in St. Louis im 70. Lebensjahre gestorben. Derselbe wurde am 24. Juni 1839 in Szent (Ungarn) geboren, studierte in Hamburg und Jena, und war zuerst Rabbiner in Warasdin in Kroatien. Von da kam er nach Prag, wo er eine „Homiletische Monatsschrift" (1869) herausgab. Auf Empfehlung Jellineks wurde er später nach New York berufen. Dann ging er nach St. Louis, seine letzte Stelle war iu De Moines, Jowa. Sonnenschein war einer der besten jüdischen Kanzelredner und ein Gelehrter von nicht geringem Wissen und grosser Begabung. Er gehörte jahrelang zu den angesehensten Rabbinern Amerikas. Als ständiger Mitarbeiter der „Deborah" hat er dort und in vielen, anderen Blättern viele wertvoll« Aufsätze und Anregungen veröffentlicht. Leider war sein Leben kein glückliches; er vermochte es nicht, widrigen Schicksalen den Gleichmut der Seele entgegenzubringen, und so zerrann ihm sein Leben wie sein Schaffen. Alle, die den hochbegabten Mann kennen gelernt, werden ihm aber sicher ein treues Andenken bewahren. Eine merkwürdige Thorarolle beherbergt die Synagoge in ßone ^Algier), welche den aus dem Arabischen stammenden Narnen Gueribah, „die Geheimnisvolle, Seltsame" führt. Diese Sepher Thora erfreut sich der höchsten Verehrung bei den Arabern der Stadt, welche sogar in schwierigen Lagen ihre „wundertätige Hilfe" anrufen und vor derselben Kerzen in der Synagoge anzünden. Natürlich hat die Gueribah ihre Geschichte, sogar in mehreren Versionen. Die eine erzählt: „An der Küste Algiers ereignete sich ein Schiffbruch, bei dem ein dem Ertrinken naher Passagier plötzlich einen geheimnisvollen Gegenstand auf sich zuschwimmen sah. Er ergriff ihn und erkannte, dass es eine Sepher Thora ist. Da flehte er diese Rolle um Rettung an und gelobte, eine Synagoge zu erbauen, wenn er am Leben bleibe. Sein Gebet fand Erhörung, und die Fluten trugen ihn an das Ufer von Bone und zugleich mit ihm wurde auch das Sepher an's Land geworfen. Araber, welche sich am Strande befanden, wollten sich der Rolle bemächtigen; aber dieselbe wich immerwieder in das Meer zurück und näherte sich dem Lande erst, wenn die Araber vom Strande sich zurückzogen. Nun holte man Juden herbei, und diesen gelang es, das Sepher zu ergreifen und an's Land zu ziehen. Der errettete Araber aber erfüllte seine Gelübde und baute eine Synagoge, in der da» wundertätige Sepher aufbewahrt wird". Die andere Version lautet: „In Bone haben Juden unc Araber jederzeit im bestem Einvernehmen mit einander gelebt. Als eines Tages ein Araber die Pilgerfahrt nach Mekka machte, bat ihn die Gemeinde, für sie bei den Rabbiriem von Jerusalem eine Sepher Thora zu bestellen, welche in eine plombierte Metallkiste eingeschlossen und versiegelt werden sollte. Der Araber führte den Auftrag getreulich aus; auf der Rückkehr von Mekka besuchte er Jerusalem und nahm dort die kostbare Kiste in Empfang. Aber das Schiff erlitt Schiffbruch, und der Araber «ah Bich dem Wellentode preisgegeben. Trotzdem Hess er seinen Schatz nicht fahren, sondern hielt die Kiste fest. Er gelobte, eine Synagoge zu erbauen, wenn er in seine Vaterstadt zurückkehren werde, und er hielt sein Gelübde, als er, wie durch ein Wunder gerettet, heil und gesund nach Bone heimkam". Juden wie Araber wetteifern in der Verehrung der Gueribah, und alte Leute zeigen noch den Platz, auf dem die von dem Araber errichtete Synagoge gestanden hat .Hinzugefügt sei, dass das Gerichtsgebäude in Bone über der Eingangspforte die Gesetzestafeln Moses' trägt. Rückgang der amerikanischen Emigration. Jüdische Einwanderung in New-York von Januar bis September 1908. Es wanderten in New-York ein (jüdische Emigration): 19 0 8 gegen 19 0 7 Januar........... 4889 6366 Februar............ 3685 5802 März............ 4095 6741 April............. 2920 3215 Mai.............. 2485 16.377 JuDi............. 3448 11.807 Juli............. 4349 12.052 August............ 3787_13.526 Zusammen . . 29.638 gegen 75.886 Die Auswanderung im laufenden Jahr hat somit bis 1. September nur 40 Prozent der Auswanderung im gleichen Zeitraum des Vorjahrs betragen. Jüdische Einwanderung in New-York im Monate September. {.Mitteilungen des Deutschen Bureaus der Alliance Israelite Universelle.1) Im September sind (1225 jüdische Einwanderer in New-York gelandet jjegen 9238 im gleichen Zeitraum des Vorjahres. I'riter den JCiuuanderem befanden sieh 2001 Männer, 2433 Frauen und i~<>f Kinder. Den Herkunftsländern nach kamen : 4^07 aus Russland 788 Oesterreich 445 - Ungarn 273 Rumänien 56 ,, England 20 ,, Deutschland i<> ,, der Türkei 3 ., Holland 2 ,, Spanien und 2 ,, der Schweiz. Von den N«-ueingewanderten sind .\(>sl> in New-York geblieben. ^Fcdismizeige. Nach kurzem Leiden ist in Krakau der Religionslehrer an den Bürgerschulen, Simon Zeitner, im Alter von 82 Jahren verschieden. Herr Zeitner war in früheren Jahren Inhaber einer jüdischen Privatschule und hat in derselben eine Generation tüchtiger Männer, die heute in der Gesellschaft hervorragende Stellungen einnehmen, erzogen. Das Ableben dieses um die Heranbildung einer ganzen Generation hochverdienten Mannes findet daher auch in den weitesten Kreisen tiefes Beileid. Hingesendet. dsr. Humanitäis Verein zur Ausstattung heiratsfähiger Mädchen). II., Schmelzgasse Nr. 9. Am 3. d. M. gelangten an 26 in den Genuss der Vereinsbenefizien getretene Mitglieder der Betrag von K 36.400,— zur Auszahlung, sodass jede Begünstigte eine Heiratsausstattung von K 1.400,— bar erhielt. Jede dieser Begünstigten hat seit ihrem Eintritte in den Verein zirka K 40,— einbezahlt und ist es dem Wirken des gegenwärtigen Vorstandes zuzuschreiben, dass die Heiratsaus« stattung eine solche Höhe erreicht hat. Wir gestatten uns noch darauf aufmerksam zu machen, dass am II. d. M., im 6 Uhr abend« im Hotel „Zur Post" eine ausserordentliche Generalversammlung stattfindet.

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