Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- X (1908)
- Issue
- Heft 44 (6.11.1908)
- Date
- 1908-11-06
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nh 44. ^tfi^üe Natkmal-Zeittttig'* Seite 0. des Wohnrechtes in der russischen Residenz beraubt werden, hat eine fürchterliche .Entrüstung unter den Juden der genannten Kategorien hervorgerufen. Die meisten von ihnen sind schon seit Dezennien in Petersburg ansässig. Im Jahre 1879 erfolgte ein Allerhöchster „Ukas", in welchem alle Kategorien) aufgezählt werden, denen das Wohniiecht in der Residenz gegeben wird; darunter kann man klar 'und deutlich lesen: Apotheker, Feldscher, Dentisten, Hebammen etc. Wiederholt versuchten verschiedene Gouverneure diesen klaren und kategorischen Punkt des allerhöchsten ,,Ukases" mit allerart Bedingungspünktchen zu umspinnen und hauptsächlich drängten eie darauf, dass die Juden der genannten Kategorien ausschliesslich ihr Fach ausüben; aber immer, wenn diese Angelegenheit vor den Senat kam,; lehnte letzterer alle Bedingungen entschieden ab. Als im Jahre 1892 diese Angelegenheit im Senate wieder einmal aufgeworfen wurde und unter den Senatoren, darüber Uneinigkeit herrschte, gelangte sie an den Reichsrat, der aber auch zu Gunsten 'der Juden entschied. Aber im Jahre 1903 fasste der Senat einstimmig einen ganz entgegengesetzten ßeschluss. Es handelte sich nämlich um einen speziellen Fall, nämlich um den Moskauer Dentisten! Epstein. Dieser wurde vom Moskauer Generalgouverneur ausgewiesen, weil er sich angeblich nicht mit seinem Fache beschäftigt haben sollte. Epstein beklagte sich darüber beim Senate und stützte sich dabei auf den Allerhöchsten „Ukas'\ Der Senat kam ihm wirklich entgegen. Aber da geschah etwas Unerhörtes 1 Der Justizminister widersetzte sich dem Senatsbeschlusse, und dessenungeachtet, dass die Majorität desselben die Handlungsweise des Moskauer Gouverneurs als ungerecht und gesetzwidrig erklärt hatte, forderte er den Oberprokurator des Senates auf, die Klage des Dentisten Epstein unberücksichtigt zu lassen. Der Senat untersuchte nochmals die Angelegenheit und . . . die Majorität fügte sich. GEM£iNU5=UN& * VSReiNSNMRRiUWW Wien. Der „Israel, humanitäre Unterstützungsverein" de Kolomeaer" veranstaltet Sonntag, den 15. November 1908, im Saale des Hotel Central, II., Taborstrasse 8, eine Wohltätigkeit s - A k a d e m j e mit anschliessendem Tanzkränzchen. Ihre gefällige Mitwirkung auf das Bestimmteste haben zugesichert: Frau Salcia Weinberg, Liedersängerin aus dem poln.-jüd. Ensemble, Fräulein Alice Gerold, Konzertsängerin, Herr M. W. Testa, Rezitator, Mitglied des Raimund-Theaters, Herr 4Josef [A11 m a n n, Opernsänger, Mitglied des Lustspiel- Theaters etc. Beginn präzise 8 Uhr. Karten im Vorverkauf ä K 150, an der Abendkassa K 2.— sind zu haben im*Hotel Central, II., Taborstrasse 8^(beim Portier) "eowie'bei sämtlichen Komitee- Mitgliedern. Wien. (Scholem 'Aleichem-Abend.) Der akad. Verein „Jüdische Kultur" veranstaltet Samstag, den 14. November 1908, einenjScholem Aleichem-Abend, welcher im Saale „zum'goldenen Widder" (II., Taborstrasse) abgehalten wird. Das Programm wird demnächst bekannt gegeben werden. Bojaji. Der jüdisch-nationale Verein „Ohave Zioa", hat in seiner X. General-Versammlung am 31. Oktober 1908, nachstehende Herren gewählt: Hermann Margulies, Obmann; Efraim Seidner, Stellvertreter-, Naftali Retter, Kassier; Isidor Kula, Biblothekar; Leiser Klinger, Schriftführer; Isak Retter, Daniel Wiegler, Moses Rosenblatt, Kontrollore; Isak Metsch, Abe Schajowicz ohne Funktion. m ALLEN WELlSSilSN Beim letzten Avancement wurden in die höheren Chargen des niilitärärztlichen Offizierskorps nach - stehende Juden befördert: Zu Oberstabs-Aerzten I. Klasse: Doktor Adolf Drach und Dr. Alois Pick. Zu Oberstabs-Aerzten II. Klasse: Dr. Sigmund T a u s s i g, Dr. Simon Heller, Doktor Julius L e d e r e r. Zu Stabsärzten: Dr. David Schwartz, Oberstabs-Arzt Dr. Alois Piek in Wien wurde zürn Oberstabs-Arzt l. Klasse ernannt, und zwar aussertourlich. Dr. Pick, der auch Universitäts-Prof essor ist, gilt als Paradejude des Generaloberstabs-Arztes Dr. v. U r i e l. An Bemühungen, Herrn Prof. Dr. Pick ,:ur Taufe zu veranlassen, hat es Dr. v. Uriel (nicht fehlen lassen. Sie waren jedoch vergeblich. Der getaufte Jude und Antisemitenführer Josef Schäfer, Kanzlei-Beamter beim Landesgerichtc in Czernowitz, hatte sich, wie wir berichtet haben, im Vormonate vor dem Czernowitzer Schwurgerichte wegen der V erbrechen der A m tsveru nt reuung und Verleumdung zu verantworten. Er wurde am 28. v. M. von den Geschworenen f reigesproche in. Inzwischen sind n e u c D e 1 i k t e gegen Schäfer zur Anzeige gebracht worden und er wurde vom Untersuchungsrichter neuerlich v e r - haftet. Die Juden in Bagdad. Die reaktionäre Partei hat hier und in Hille eime lebhafte Agitation veranstaltet. Zwei Tage lang hat die Bevölkerung die Israeliten, die sich auf den Strassen sehen Hessen, misshandell. Die Folge davon war eine grosse Panik. Erhebliche Schädigungen haben nicht stattgefunden. Die Ruhe ist wieder hergestellt. Die Zedern vom Libanon in — England. Die Ze dem vom Libanon, 'deren Holz zum Bau des salomonischen Tempels verwendet wurde, besitzen auch einige Abkömmlinge in E11 g 1 a 11 d. Der E a r 1 v o n Devonshire und der Bischof von London sandten im Jahre 1639 zwei Sammler nach dem Libanon, die im Jahre darauf zurückkehrten und u. a. auch einige junge'Zedernbäume nach, England brach ten. Die Bäume wurden im Wiltou Park bei Salis bury gepflanzt und gediehen vorzüglich. Von diesen alten Bäumen wurden auch die Sprossen genommen, die König Eduard und seine Gemahlin in diesem Sommer wieder in die Erde pflanzten. Eine andere alte Zeder befin|det «ich bei der Abtei Rufford, die von König Karl II. im Jahre 1675 gepflanzt wurde. In der Nähe von London, bei Enfield House, steht eine Zeder aus dem Jahre 1683, und der Oatlands Park bei Weybridge ^enthält einen Baum, der vom Prinzen Heinrich, dem jüngsten Sohne Karls I., eingepflanzt wurde. Die schönste Zeder Englands be findet sich jedoch im Pfarrgarten von, Titchniarsh in Northamptonshirc. Sie wurde im Jahre 1^27 dorthin gebracht und eingepflanzt und war damals ein zwanzigjähriger Baum. Diese Zeder ist gegenwärtig 76 Fuss vhoch und nisst etwa dreihundert Fuss im Umfang. Eins Prämie auf die Sabbatfeier-Verletzung. Im Jahre 1894 starb in Berlin Sanitätsrat Dr. Coli n. In seinem Testament vermachte er eine Summe von 400.000 Mark einer Stiftung, von der Handwerkerlehrlinge unterstützt werden sollten. Die Stiftung hatte jedoch eine merkwürdige Bedingung. Es sollten nämlich aus derselben nur solche Lehrlinge unterstützt werden dürfen, die von jüdischen Feiertagen nur an den beiden Tagen Rosch-Haschanah und am Jörn Kippur feiern, dagegen am Sabbath und an den übrigen Feiertagen arbeiten! Die Repräsentantenversammlung der Berliner jüdischen Gemeinde beschloss seiner Zeit mit 63 gegen 6 Stimmen die Annahme des Legats. Jetzt ist auch die landesherrliche Genehmigung erfolgt und liegen nun der Stiftung keine Hindernisse mehr im Wege mit ihrer Tätigkeit zu beginnen Die Bfalysteker Verteidiger — angeklagt Den beiden Anwälten im Bialystoker Pogrom-Pro-