Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- X (1908)
- Issue
- Heft 44 (6.11.1908)
- Date
- 1908-11-06
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Sr. H. peutischen Leistungen Weltruf gemessen. Aus aller Herren Ländern strömen ,seit vielen Jahren Aerzte herbei, um Oppenheim zu hören, denn es zeichnet ihn eine ganz ungewöhnliche Lehrbefähigung aus, die er auch! heute noch, wo sie dem Unterrichte der Studierenden der Universität nicht mehr zugute kommen kann, mit glänzendem Erfolg in privaten Aerztekursen ausübt. Und eine solche Kraft haben sich sämtliche deutschte Fakultäten entgehen lassen, als ob! der Reichtum jan bedeutenden Lehrern heute wer weiss wie gross wäre. Man wird nun hier einwenden, dass eine Berufung zum Ordinarius schon deshalb ausgeschlossen war, weil ein besonderes Ordinariat für Neurologie nicht existiert. Damit ist erstens die blamable Tatsache nicht aus der Welt geschafft, d<ass Oppenheim es nach siebzehnjähriger Lehrtätigkeit nicht einmal zum Extraordinarius gebttacht hiat. Zweitens aber hat man gar nicht so selten besonders verdiente Männer zu Ordinarien gemacht, auch wenn für das betreffende Fach bis dahin kein 'Ordinariat bestand. Wir erinnern hierzu an die Pädiater Heubner-Berlin, Czerny - Breslau, den Dermatologen Neisser-Breslau, die Otiater Römer-Rostock, Passow- Berlin, den Orthopäden Länge-München. Will irgend wer behaupten, dass Oppenheims Leistungen denen der ^genannten Herren nicht ebenbürtig sind? Ein drittes Beispiel, auf das übrigens die letzten Ausführungen auch passen: Als vor acht Jahrein der Berliner ausserordentliche Professor P. Ehrlich nach Frankfurt ging, hat nicht eine deutsche Fakultät Anstrengungen gemacht, sich die Zugehörigkeit dieses Mannes zu sichern, dessen Taten auf dem Gebiete der experimentellen Biologie und Therapie zu den glänzendsten der neueren Medizin und Naturwissenschaften gehören. Später ist dann allerdings Ehrlich, obwohl im Frankfurt weiter wohnhaft, , ordentlicher Honorarprofessor'* in Göttingen geworden. Das ist eine rein dekorative Stellung, ohne jeden Einfluss in der Fakultät. Um nicht zu breit zu werden, nennen wir hier nur (noch Namen wie Senator, Born, Weigert, Israel, Rosenbach, um zu zeigen, dass es auch nach 1884 jüdische Mediziner gegeben hat, die wohl ein Ordinariat würdig ausgefüllt hätten. Aber auch ohne weitere Namensnennungen können wir aus statistischem Material einen Beitnaig zu dieser Frage geben. Nehmen wir uns das letzte Personalverzeichnis der Berliner medizinischen Fakultät vor. Danach haben wir: 19 Ordinarien (o Juden); 11 ordentliche Honorarprofessoren (3 Juden): 43 Extraordinarien (o Juden): 113 Privatdozenten (44 Juden). Ist wirklich unter so vielen jüdischen Dozenten keiner, der eine Stelle als Ordinarius ausfüllen konnte? Verlieren diese Männer im Gegensatz zu ihren christlichen Kollegen nach längerer Tätigkeit als Privatdozent ihre Fähigkeiten? Spricht nicht femer gegen die Annahme, dass unter den Juden niemand zum medizinischen Ordinarius qualifiziert ist, wenn der jüdische Professor M . . . i im selben Augenblicke Direktor der medizinischen Klinik in Gr. wird, wo er in schon vorgerücktem Alter seinen väterlichen Glauben abschwort und zum Christentum übertritt? 'Nach dem angeführtein Material wird wohl niemand mehr daran zweifeln, djass unter den deutschen jüdischen Medizinern wie in den siebziger Jahren so auch später stets Männer waren, denen ein Ordinariat zum Nutzen für die Studierenden, zur Förderung der Wissenschaft hätte anvertraut werden dürfen. Wer trägt nun die Schuld, dass auch in diesem Punkt wieder einmal eine schwere Verletzung der Verfassung vorliegt, die den Genuss der staatsbürgerlichen Rechte unabhängig von der Konfession gemacht wissen will? Die Fakultäten oder die Regierungen? Da die meisten diesbezüglichem Verhandlungen sehr vertraulich gefühlt werden, ist es im speziellen Falle natürlich sehr schwer, hier den Schuldigen zu ermitteln. Aber einige wertvolle allgemeine Anhaltspunkte haben wir doch. Erstens: Von den 20 medizinischen Fakultäten haben 14 keinen einzigen jüdischen Privatdozenten. Dass dies ein Zufall ist, wird wohl kein Verständiger glauben. So viel ist aber sicher, dass die Regierungen auf diesen Zustand ohne jeden Einfluss sind; es sind ausschliesslich die Fakultäten hierfür verantwortlich. Zweitens: Der Ernennung zum Ordinarius geht bekanntlich stets der Vorschlag der Fakultät voraus, und diese Vorschlagslisten werden fast immer offiziell oder offiziös bekannt. Wir fragen nun, wann hat in den letzten Jahrzehnten eine medizinische Fakultät in Deutschland einen Juden überhaupt auf die Vorschlagsliste gesetzt? Unseres Wissens in keinem einzigen F a 111" Was ist „ghutzpeh"? Eine Definition des „American Hebrew". Ein interessanter Zug in der Ansprache, die Israel Z a n g w i 11 kürzlich bei der Versammlung der „Ito" hielt, war die frequente Anwendung jüdischer Ausdrücke, um seinen Standpunkt zu illustrieren. Er sprach von „Schnorrer", er bezog sich darauf, dass er für „m eschugge h" gehalten werde, und er charakterisiert die Haltung seiner Gegner als „C h u t z p e h". „Meschuggeh" ist rein hebräisch und kommt im Pentateuch vor. „Chutzpeh" ist auch rein hebräisch, und (j ch erinnere mich eines Beispiels im Pijut, wo der Ausdruck angewendet wird, um die Vermessenheit des Hainau, der die Juden verderben wollte, zu illustrieren. Vor ein paar Tagen wurde ich von einem christlichen Freunde gebeten, ihm genau zu sagen, was „Chutzpeh" bedeute, und ich fand es schwierig. Ein konkretes Beispiel ist besser als eine Definition. Es ist nicht der gewöhnliche Uebermut des Stolzes oder die gewöhnliche Niedrigkeit schlechter Manieren. Es ist ganz etwas tui generis. Reine Impertinenz ist nicht Chutzpeh, ebensowenig reine Anmassung, sei sie auch noch so klug und pfiffig, so lange sie nicht selbst ihr Opfer zum Lächeln zwingt. Das folgende ist vielleicht nicht das beste Beispiel von Chutzpeh, aber es ist eine genaue Illustration der eng umschriebenen Vorstellung, die sich in der jüdischen Meinung von wirklicher Chutzpeh gebildet hat. Es war Freitag nachmittags. Ein Wintertag ging eben zur Neige und die Beamten einer Bank in einer deutschen Stadt hatten ihre Bücher geschlossen, und die Rouleaux wurden herabgelassen, denn der Bankier war ein guter Israelit, der arn Sabbath