Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- X (1908)
- Issue
- Heft 43 (30.10.1908)
- Date
- 1908-10-30
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite iO. „Neue National-Zeitung'4 fcr. 4 ö. Eine Heine-Strasse in Paris. Wie gemeldet wird, hat in Paris eine neue Strasse nächst dem Bois de Bioulogne den Namen „Henri Heine" erhalten. Meyers Konversations-Lexikon — antisemitisch. Dieses Lexikon zeigt fast in jedem Bande seine antisemitische Tendenz. Die jüngst erschienenen Bände (17, 18 und 19) geben daher der „Frankfurter Zeitung" Anlass zu folgenden Erörterungen: „Wenn der Schauspielerin Anna Schramm 16 Zeilen gewidmet werden, ebensoviel auch dem Mediziner Schweninger, der „Täglichen Rundschau" eine Drittelspalte, so erscheinen die eineinvicrtel Spalten für einen Mann wie Schliemann und eben so viel für das ganze Haus Rothschild denn doch gar 211 knapp. Von der durch alle Mitglieder dieser Familie geübten beispiellosen Wohltätigkeit weiss der Verfasser jenes Artikels auch nicht eine Silbe zu melden, obwohl sie jährlich nach Millionen zu bemessen ist. Kongenial zu diesem ist der Verfasser des Artikels „Rumänien". Dass dieser Staat den Juden die Gleichberechtigung mit den übrigen Staatsbürgern entzogen hat, erregt nicht im mindesten seinen Unwillen, ja er lässt beinahe einen Tadel durchblicken gegen die Vereinigten Staaten von Nordamerika, die Humanität genug besassen, um Rumänien an seine den Juden schuldige Pflicht zu erinnern, indem er auf Seite 255 sagt: „trotzdem (d. h. trotz der durch die Mächte erfolgten Anerkennung der Souveränität Rumäniens) versuchten im September 1902 die Vereinigten Staaten von Nordamerika eine Einmischung zugunsten einer endgiltigen Lösung der rumänischen Judenfrage". Dass aber der Berliner /Kongress die Aufhebung aller Beschränkungen der Juden zur Bedingung der Anerkennung der Souveränität Rumäniens gemacht hatte, vergisst hier der nachsichtige Verfasser, obwohl er es wenige Zeilen vorher selbst erwähnt hat. Jm bürgerlichen Leben pflegt man solche, die die Bedingungen, unter denen ein Vertrag oder Versprechen zustande gekommen ist, nicht erfüllen, als wortbrüchig zu bezeichnen. Das hätte der Verfasser beachten sollen. Wie hier so zeigt sich auch bei einigen anderen Artikeln eine bedauerliche Voreingenommenheit gegen alles, was mit Juden und Judentum zusammenhängt. Der Verfasser des Artikels „Russland" kennt zwar die Berufszweige der Polen, Tschechen, Deutschen, Armenier und vieler anderen Bevölkerungsklassen, was aber die fünf Millionen Juden des Zarenreiches treiben, verrät er mit keinem Wort. Wohl aber schiebt er ihnen einen grossen Anteil an den Unruhen vom Jahre 1904 in die Schuhe. Der 'Artikel „Speiseverbote" enthält ohne jede nähere Begründung die wunderliche Behauptung, dass ein Teil der jüdischen Speisegesetze totemistiseheu Ursprungs ist." Und da finden sich noch limmer jüdische Blätter, welche in Inseraten dieses 'Lexikon empfehlen! ^eitschrtften* Rundschau. Die Jaden in Posen. Unser Mitarbeiter Herr Dr. Carl Kassel (Posen) hat in der vorwöchentlichen Nummer der „Zukunft" einen Artikel „Die Juden in Posen" veröffentlicht, der sich so ziemlich mit seinen Ausführungen in den Nrn. 9 und 10 dieses Jahrganges deckt. Darauf erwidert nun sehr ausführlich der Krakauer konservative „Czas": Er fasst den Standpunkt der Polen in Posen gegenüber den Juden wie folgt zusammen; „Auf polnischer Seite war die Situation sofort klar, als die Juden unter dem Drucke der Regierung in das hakatistische (deutsch-chauvinistische) Lager übergingen. Der aufstrebende Mittelstand, die Kaufmannschaft, bat von selbst an sich die polnische Klientel herangezogen, welche die deutschen und jüdischen Kaufleute nicht unterstützen konnte und durfte, weil sie durch den Hakatismus in die antipolnische Armee einverleibt wurden. Infolge dieser Verhältnisse wurde der polnische Kaufmannsstand gestärkt, und je mehr er wuchs, desto schlimmer wurde die Situation der jüdischen Kaufleute: die Polen kauften nur bei Polen und die Deutschen bei Deutschen. So blieb den Juden nur eine Rettung übrig — die Emigration." Die in St. Louis erscheinende jüdische Wochenschrift „The Modern View" hat anlässlich der Einweihung des Tempels ..T e 111 ]> 1 e I s r ,1 e 1" eine V e s t n u m m e r herausgegeben. Die schonen Illustrationen, zahlreichen Porträts und gediegene Artikel, darunter ein Interview .mit Rabbiner Dr. Sonnen- .s e h e i n über die Zukunft des Judentums in Amerika, ein Aufsatz vom Reform-Rabbiner Dr. Stephen Wisc ..Ist die Bibel in Gefahr?", eine Studio von Isador E. Philo ..Der Rabbiner in der Politik" und von Prof. Isaacs ,,Dic Architektur der Synagogen" geben der »".elegenli eitsschrift <-inen dauernden Wert. Die Oktober-Nummer von „Ost und West" hat folgendem Inhalt: Michael Sachs iZur hundertsten Wiederkehr seines Geburtstages am '7. September). Mit Porträt. — Ein Brief Michael Sachs' an Moriz Veit. — Hannah Gebet und Dank. Uebersetzt von 'M. A. Klausner. — Alfred Wolmark, ein Maler des Judentums (mit 12 IUustr.i. Von A. May. — 50 Jahre Gleichberechtigung in England. Von A. II 00 man. — Ein Beth-I lamidrasch. 'Von Schalom Asch. — Die Sprachengesetzgeber. Von Dr. A. C o r a 1 n i k. — Mitteilungen aus dem deutschen Bureau der ,,AIliance Israclite L'niverselle". ste de* Ausgetretenen, (Vom 15,—28. Oktober.) Deutsch Maximilian, k. k. Rechnungsoffizial, geb. 28. November 1872, Lipuwka (Mähren), II., Schüttelstrasse 15 b. Eidfitz Franz, cand. jur., geb. 14. Juli 1S89, Wien, V., Blechturingasse 33. Goldmann Franz, Handelsangcstellter, geb. 1. November jSSS Michelob (Böhmen!, II., Leopoldsgasse 7. Grün Alfred, Offizial, geh! 1. November ,1.865, Prerau, IL, Lichtenauergasse 5. Haas Bertha, geb. Kopf, Holzhandlcrin, geb. i(. März 1878, Wien, \T., flirschengasse 2. Kohn M. N. Bernhard, Dr., geb. 12. Mai 1883, Wien, III., Prageistrasse 5, Krakauer Siegmund, geb. 19. Mai 1883. Eibenschitz (Mähren>, VI,, Eszterhazygasse 12. Mendel Leopold, Techniker, gel). 28. September 1888, Wien, II., Schwarzingergassc 1. Scheuer Emmy, geb. Fränkl, geb. 14. September 1882, Wien, III , Dapontegassc 12. Scheuer Oskar, Dr., geb. 1. Dezember 1876, Znaim (Mähren), III., Dapontegasse 12. Schweber Moses Leib, Redakteur, geb. 20. Juli 1864, Przemysl (Galizien), II., Praterstrasse 50. Trebitsch Gabriel, Beamter, geb. 13. April 1876, Wien, XIII.. Auhofstrasse 202, Weiser Woff, geb. 25. Dezember 1870, Laszkowka (Bukowina), VI., Mollardgasse 42. Kraus Karolina, Private, geb. 17. November 1883, Graslitz, IL. Czerningasse 1 5. Bardach Alice, Private, geb. 2. April 1880. IL, Ulrichgasse x. Brillant Olga, Private, geb. i. November 1883, U Salztorgasse 5. Schwarz Rudolf, Student, geb. 10. April 1888, Prag, L, Zelinkagasse 6. Steinitz Bernhard, Student. (Bielitz;, VIII., Schlösselgasse 18. Blatt Adolfine, Privatlehrerin, geb. 12. März 1875, Troppau, IV.. Trappelgasse 4, Gross Rosa, geb. 17. September 1893, Chrzanow, laut Zuschrift der Bezirkshauptm;innschaft C hrzanow. Wieder eine Taufe In ßobrek. Die letztgenannte Gross Rosa ist ein neues Opfer der Bekehrungssucht von Bobrek. Es ist aber merkwürdig, dass die Bezirkshauptmannschaft Chrzanow nicht die Kultusgemeinde des W ohnort e s (C Ii r z a n o w). sondern bloss die des Geburtsortes (Wien) vom Austritte verständigt. Dieses Vorgehen ist ungesetzlich und wäre es Pflicht des Wiener Kultusvorstandes, die galizische Statthalterci auf diesen ungesetzlichen Vorgang im Rekurswege aufmerksam zu machen. Vielleicht würde man auf diese Weise erfahren, was die Chrzanower Bezirkshauptmannschaft zu diesem gesetzwidrigen Vorgehen und zur Unterlassung 'der Verständigung der kompetenten Behörde veranlasst. Es scheint aber, dass der Wiener Kultusvorstand für die Schmach von Bobrek gerade so viel Interesse hat, wie der Genieindebund. An der Spitze beider steht eben -— Herr Dr. Stein . . . Pinches Nuchem Hammel, Uhrmacher, ist laut Prosclytenbuch Lit. E, Nr. 98, am 28. September 1908 zum Judentum wieder eingetreten. förktyasten der Redaktion. Dr. 1. Bitten um genaue 'Adresse. — E. R. in P. Leider nicht geeignet. — P. in F. Diese Gedichte sind nicht verwendbar. — X. X. Wenden Sic sich an das Ergänzungs-Bezirks- Kommando. — A. K. Wir können diesen Mann unmöglich unterstützen. Wir machen keine Ausnahmen. — Auskultant. Im Lemberger Obergerichtssprengel finden Sie einen jüdischen Oberlandesgerichtsrat, in Westgalizicn keinen. — B. in W. M. E. ist bloss Titular-General. Seine Ernennung ist nicht erfolgt wegen des hohen Alters,