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Neue Nationalzeitung · 1908-10-30 · Heft 43 (30.10.1908) · p. Seite 9

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
X (1908)
Issue
Heft 43 (30.10.1908)
Date
1908-10-30
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Mr. 48. Neue National-Zeitung*' Seite y. Daumanesti, eine Dorfgemeinde im Distrikte Bacau, zwei jüdische Weinschänker, die rumänische Staatsbürger sind, die den Krieg 1877/78 mitgemacht haben und sich ihr Bürgerrecht dort sozusagen erkämpft haben, nicht zur Pacht zugelassen, ja noch mehr, sie wurden aus dem Dorfe kurzer Hand ausgewiesen. Die beiden Männer, die Familienväter sind, sind nun nach Bukarest gekommen, um hier Gerechtigkeit zu suchen. Doch kann man ihnen wenig Hoffnung machen, dass sie sie finden werden. Sie beabsichtigen jetzt, eine Audienz beim König nachnachzusuchen, die ihnen aber wohl wenig helfen wird, selbst wenn der König sie empfängt, da in Kumänien der König nach einem bekannten Worte nur herrscht, während die Minister regieren. föi»l<ci. Die Jaden in Bagdad. Konstantinopel, 24. Oktober (Mitteilungen aus dem deutschen Bureau der Alliancc Israelite l'niverselle. ) Bei dem Kaimakam Chacham Bäschi \ aliou 111 sind Meldungen eingegangen, wonach die J u den v o n B a g d a d der Gegenstand f o r t g e - setztet' Angriffe sind, so dass sie ihre Häuser nicht Verlassen können; es herrscht vollständige Ilandelsstockung. GgMEiNU5=UN& ■ VSRCkNSNGtöRiUfcW - Wien. Die Chareenwahlen der akad. Verbindung „Libanon i a" für das XXIX. Semester haben folgendes Resultat orgeben: cand. ing. Rudolf Lindner x, cand. jur. Moritz Hacke xx, cand, vet. med. Paul Grosser xxx. Wien. (Akademischer Verein ,,J ü d i s c h e K u 11 u r".j I^>ic Chargenwahl für das Wintersemester 1908/9 ergab folgendes Resultat: cand. ing. Josef Gottlieb, Präses; stud. techn. Leo Haber, Vizeprüscs; stud. techn, Michel Möllmann, Schriftführer; cand. ing. BarucJi Schajowicz, Bibliothekar; cand. aned. Abraham Katz, Kassier. Wien. Die „Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler in Wien" gibt ihren geschätzten Ehrenmitgliedern, Stiftern, Förderern und Freunden bekannt, dass der in der XXIX. ordentlichen Generalversammlung vom 17. Oktober a. c. gewählte Ausschuss sich folgeudermassen konstituiert hat; J. U. G. Josef Rufeisen, Präses; jur, Artur Birnbaum, I. Vize-Präses; J. U. C. Paul Diamant, II. Vize-Präses; phil. Adolf Löwy, I.Schriftführer; pbil. Em. Holzmann, II. Schriftführer; jur. Robert Wurmfeld, I. Kassier, ing. Julius Goldschmidt, II. Kassier; jur. Viktor Donath, Zeitungsverweser; ing. Josef Lachs, Hausverweser; phil. Artur Donath, Bibliothekar. Czemowitz. (Jüdisch-akademischer Leseverein „Emunah".) Das Ergebnis der Chargenwahl für das laufende Wintersemester 1808/9 ist: cand. jur. Israel Taubes x, cand. jur. Mendel Wagschal xx, cand. jur. Josef Landwehr xxx. Czemowitz. (Vortragszyklus der „Emunah".) Zu Gunsten des zu gründenden „J ü d. S c h ü 1 e r h e i m s" in Czernowitz veranstaltet der genannte Verein im laufenden Wintersemester Mitte November einen Zyklus von populär-wissenschaftlichen Vorträgen allgemeinen und jüdischen Inhaltes, für welchen die bedeutendsten Persönlichkeiten der Stadt sowie der bekannte Schriftsteller Herr Salomo Schiller aus Lemberg bereits gewonnen wurden. Der Verein hat sich auch diesbezüglich noch an andere auswärtige Persönlichkeiten gewendet, deren Zusagen noch ausstehen. Die Vorträge werden allwöchentlich Montag im grossen Magistratssaale stattfinden. Czemowitz. Der hebräische Schul verein „SafahBrurah" hielt am Sonntag, den 18. d. M. unter dem Vorsitze des Kultusvorstehers Josef Blum im jüdischen Nationalhause eine zahlreich besuchte Vereinsversammlung behufs Errichtung der hebräischen Kurse nach dem Lehrsysteme Ibrith b'Ibrith für das Wintersemester 1908/9 ab. Der Obmannstellvertreter Dr. Berl Kinsbrunner gab in seinem einstündigen Referate eine Uebersicht über die Sprachbewegungea der Juden im Altertume und Mittelalter und bezeichnete die Errichtung dieser Kurse als das vorzüglichste Mittel zur Wiederbelebung der hebräischen Sprache. Diese Schule mit hebräischer Unterrichtssprache sei als Musterschule projektiert und habe die Aufgabe, den Boden für die Einführung der hebräischen Unterrichtssprache in den Schulen der Kultusgemeinden und in den Volks- sowie sonstigen Schulen bei Errichtung der nationalen Schulen vorzubereiten und so unsere National- und Kultursprache zur Umgangssprache zu machen. Beitrittserklärungen zum Vereine mögen an den Obmanns'ellvertreter Dr. Berl Kinsbrunner gerichtet, Spenden für diesen wahren Kulturzweck an den Vereinskassier S. M. Ungarmünz, Stefaniegasse Nr. 2, eingesendet werden. :%Üi ftllSN WEIttCiLCN Sir Henry Drummond WolfF, der jüngst verstorbene ehemalige englisohe Botschafter, war der Enkel eines deutschen Rabbiners aus der Gegend von Bamberg und Sohn des Forsohungsreisenden Josef Wolff, der, wie er selbst erzählt hat, sich bei seiner ersten Durchquerung Zentral-Asiens nicht ein einzigesmal wusch und als Belohnung für diese Enthaltsamkeitsleistung von der englischen Regierung für seinen Sohn Henry eine Anstellung im Auswärtigen Amt erhielt. Von da aus brachte es Henry Wolff zu einem glänzenden Diplomaten und Parlamentarier, der zusammen mit Baltour, Äandolf Churchill und Sir John Gorst in den 80er Jahren die kleine, aber mächtige Vierte, nämlich aus vier Mitgliedern bestehende Partei bildete. Später wurde er Gesandter in Teheran und Botschafter in Madrid, verlor jedoch, seit er dort 1900 seinen Abschied nahm, mehr und mehr die Führung mit den leitenden Männern und ist, obwohl er seine glänzenden Fähigkeiten noch mehrfach literarisch, zuletzt in einem hochinteressanten Memoirenwerk bewährte, ziemlich vereinsamt und verbittert in hohem Alter in Brighton gestorben. Die Predigten des sei. Rabb. Dr. Mühsam. Frau Rabbiner ^)r. Mühsam in Graz hat, um die Predigten ihres gottseligen Mannes, der ein vorzüglicher Kanzelredner war und an dessen Reden sich fast ein halbes Jahrhundert ein so grosses Publikum erbaut und erhoben hat, nicht der Vergessenheit anheimfallen zu lassen, 40 Sabbat-, 54 Festtagspredigten und. Sajin Adar-, die patriotischen, die Trauungs¬ und andere Gelegenheitsreden für drei Bände druckreif gemacht; da sie aber nicht in der Lage ist, die Druckkosten aus eigenen Mitteln zu bestreiten, so hat sie es versucht, dies auf dem Wege der Subskription zu erreichen. Ein jüdisches Kind starb unlängst inWarschau bevor es noch beschnitten worden war. Die Rabinner verlangten nun die Beschneidung nach dem Todc(!y und machten davon die Bestattung auf dem jüdischen Friedhofe abhängig. Der Vater des Küides fügte sich nach hartnäckigem Widerspruch, er erhob jedoch dagegen lebhaften Protest in allen polnischen Blättern. Eine grosse Aufregung" wurde jedoch in der jüdischen Bevölkerung dadurch hervorgerufen, dass der Jiddisch-Schriftstellcr Schalom A sch in einem offenen Briefe die Partei des Vaters ergriff und die Beschneidung „barbarisch" nannte. Mit dieser Anschauung ist jedoch Herr Asch ganz vereinsamt geblieben. Sein Auftreten wird von'der jüdischen Presse als eine persönliche Ueberhebung scharf getadelt.

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