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Neue Nationalzeitung · 1908-10-30 · Heft 43 (30.10.1908) · p. Seite 8

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
X (1908)
Issue
Heft 43 (30.10.1908)
Date
1908-10-30
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Seite 8. „Neue National-Zeitung" Nr. 43. Anmerkung der Redaktion. Den in unserem iBlattc gegen den Obmann des ,,Beth Israel" .erhobenen 'Vorwurf, dass er klerikalen Vereinen für klerikale Z w ecke G e 1 d g e 1 i e h e n h a b <\ können wir auf Grund obiger Berichtigung nicht zurücknehmen, ja wir müssen 'ihn »sogar nach Einsichtnahme in die Gcriehtsakten aufrechthalten. In obiger Berichtigung behauptet Herr Roscnfeld. dass er der Ausstellung ..Das Kind" ,,zu Ansstellungszwecken" ein Darlehen gewährte. .Diese Behauptung steht im Widerspruche mit den von Herrn Max Roscnfcld beim Wiener Landesgerichte überreichten Klagen. Inhaltlich dieser behauptet er selbst, die Geldbeträge dorn ..Vereine zur Heranbildung katholischer Lehrer in Wien" geliehen zu haben.; Allein selbst wenn wir den Standpunkt des Herrn Max Rosenfeld akzeptieren, dass er nur der Ausstellung (!) das Geld gegeben hat. so müssen wir darauf aufmerksam machen, dass aus den von Herrn Rosenfeld seinen Klagen beigeschlossenen Beilagen hervorgeht, dass im 'Präsidium dieser Ausstellung die antisemitischen Parteimänner und Abgeordneten Oppen berger, Dr. B a c c h 1 e. Dr. 11 c ilinger usw. gesessen sind. Herr Rosenfeld konnte sich daher über die Zwecke dieser Ausstellung nicht im Unklaren sein, dies umsoweniger. als er in seinen Klagen angibt, der Zu eck der Ausstellung bestand darin, „ein recht grosses Rcincnrägnis für die Zwecke des geklagten Vereines zu erzielen." Zieht man noch in Betracht, dass Herr Max Roscnfcld überhaupt die ganze Ausstellung kapitalisiert hat. so muss man sehr darüber erstaunt sein, in welcher Gesellschaft .sich der Obmann der polnisch-jüdischen Synagoge mit seinen Geldgeschäften bewegt. * , \. Ingenieur-General Popper. Geehrter Herr Redakteur! Am 30. September war der Stapellauf des neuen Panzerschiffes „Erzherzog Franz Ferdinand", dessen Erbauer bekanntlich der Ingenieur-General Siegfried Popper ist, ein Freudentag der kleinen, aber tücbtigen Flotte Oesterreich-Ungarns. Der Ruf Siegfried Poppers ist ein so grosser und guter, dass er in beiden Hemisphären bekannt ist. Die ersten Seestaaten bemühten sich seinerzeit unter Anerbieten grosser materieller Vorteile, ihn für ihren Dienst zu gewinnen. Seine Majestät würdigte diese Verdienste, indem Sie für Popper die Charge eines Ingenieur-Generals neu schuf, da der Marinekommantiant ihn und seine Dienste auch nicht entbehren mochte. Trotz seiner vorangegangenen Verdienste um den Staat stolperte aber Popper über ein Sandkorn: er setzte sich für seine Offiziere vom Konstruktionsfache ein, um ihnen das Porte-§p£e, wie es die Marineoffiziere besitzen, zu erwirken, und da ihm dies nicht gelungen ist, trat er in Pension. Wird irgend ein grosses Bauwerk eingeweiht, so gedenkt man beim Bankett in erster Linie nach dem offiziellen Toaste des Erbauers. Am 30. September 1908 scheint die Einladung des grossen Schiffsbaumeisters mit Vorsatz unterblieben zu sein. Wohl ist er in einer Notiz von knappen vier Worten genannt, in der Liste der am Bankett Teilnehmenden fehlt er ganz. Wäre es ein Magyare, Deutscher, Czeche, Pole oder Slovene gewesen, seine Stammesgenossen hätten ihn reklamiert; sie hätten ihn mit Recht und Stolz als den Ihrigen auf den Schild gehoben. Aber selbst die jüdische Presse vergass seiner! Warum .. .? Sch. jKPRReSPONDCNZgN Gouverneur Theodor von Taussig. Wien, den 28. Oktober. (Orig.-Korr.) Der Gouverneur-Stellvertreter der Eodenkredita.ns.talt, Theodor Ritter von T a 11 s s i g, ist vom Kaiser zum Gouver neur ernannt worden. Durch vier Jahre, seit dem Tode des Baron Bezecny, hat der Kampf zwischen Taussig und der Regierung, die diese Sinekure einem pensionierten Minister oder Sektions- Chef verleihen wollte, gedauert. Durch eine Reihe von Diensten ist es Taussig gelungen, die Regierung umzustimmen und sich endlich diese Würde zu verschaffen. Diese Dienste sind bekannt: Die Flottmaciiuing der Russen-Anleihe, die Wiener Kommunal-Anleihe und die Verstaatlichung der Nordwestbahh samt der Staatseisenbahngesellschaft. Herr von Taussig hat ein Amt erreicht, welches bisher mir als Vcrsorgungss teile für Aristokraten oder hohe Burcaukraten bestimmt war, eine leichte Aufgabe, nachdem es ihm gelungen ist, der Bankier des Czaren und Luegers zu werden. Hier seine biographischen Daten: Theodor Ritter v, Taussig, geboren am 22. Juli 1849 in Prag, absolvierte die Obenealsrhule \uul trat im Jahre lKoo in das Wiener Hankhaus Landauer ec Goldsehmidt und im Jahre 1869 in die von diesem Hause gegründete W iener YVerh selstubengesellschaft ein. wurde im Jahre 1871 Prokurist, 1872 Direktorstellvertreter und 1873 Direktor dieser Gesellschaft. Mit Erlass des Ministeriums des Innern vom 25. Mai 1S74 wurde Taussig auf Vorschlag des damaligen Gouverneurs Sektionschefs Alois Moser zum Direktor 'der Oesterreichischen Bodenkreditanstalt ernannt. Im Jahre 1881, nach dem Gebe; tritt des Direktors Baron Hopfen in den Venwdtungstat, wurde Taussig mit der jeweiligen Stellvertretung des Gouverneurs betraut und hat seit dem am 17. [uni 1904 erfolgten Ableben des Gouverneurs Geheimen Rates Dr. Freiherrn' v. Bezecny d e Funktionen des Gouverneurs mit «dien 'Befugnissen desselben ausgeübt. Deutsches Reich. Die Orientkonferenz und die rumänische Judenfrage. Berlin, den 26. Oktober. (Orig.-Korr.) Wie wir aus zuverlässiger Quelle erfahren, hat die A 11 i an c e I s r a e 1 i t c U n i v e r s e 1 1 e (Paris) und die hiesige deutsche Konfercnzgemeinschaft derselben Gesell - schaft Schritte unternommen, um die Frage der V*crlctzung des .Berliner Vertrags seitens der rumänisch e n R egierung in d er Behandlung der r 11 in ä n i s c h e n Juden vor die geplante Orientkonferenz zu bringen. Durch den Berliner Vertrag hatte Rumänien bekanntlich die Verpflichtung übernommen, ihre jüdischen Untertanen den Rumänen rechtlich gleichzustellen. Dies ist aber tatsächlich bis auf den heutigen Tag nicht geschehen, trotzdem wiederholt die rumänische Regierung zuletzt durch eine Note des verstorbenen amerikanischen Staatssekretärs H a y, — auf diese Verletzung des Berliner Vertrages aufmerksam gemacht worden ist. Rumänien. Neues aus Rumänien. Bukarest. Dass wir in Rumänien jederzeit Gewaltakte gegen die jüdische Bevölkerung zu erwarten haben, ist heute keine grosse Neuigkeit mehr. Aber dass die Regierung es wagt, auch gegen solche Juden mit brutaler Gewalt vorzugehen, die sich in blutigem Kriege ihre bürgerlichen und politischen Rechte erworben haben, die also richtige rumänische Staatsbürger sind, das war bisher doch noch selten der Fall. Mit der fortschreitenden Kultur sind wir aber auch dahin gelangt. Wie seinerzeit auch an dieser Stelle berichtet wurde, ist im vorigen Jahre die Verstaatlichung der Wein-Aus« schankstellen durchgeführt worden. Es wurden damals einige tausend jüdische Familien mit einem Schlage brotlos gemacht, da für die Uebernahme eines staatlichen Weinausschankes der Besitz der staatsbürgerlichen Rechte Bedingung wurde. Da nun die Regierung den Juden diese widerrechtlich vorenthielt, so konnten die allermeisten bisherigen Inhaber der Weinverkaufsstellen solche nicht mehr übernehmen. In der Praxis wird die Verstaatlichung nun so durchgeführt, dass die Weinschänken von den Dorfgemeinden verpachtet werden. Kürzlich wurden in

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