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Neue Nationalzeitung · 1908-10-30 · Heft 43 (30.10.1908) · p. Seite 7

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
X (1908)
Issue
Heft 43 (30.10.1908)
Date
1908-10-30
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Seite 7. J^enibcfgei« J|rief. (Von unserem Korrespondenten.) Am 25. Oktober. Ihr Angriff gegen die „Hausjuden" des Landtages hat doch genützt. Die Herren beginnen sich trotz ihrer Dickhäutigkeit zu rühren. Zur Affaire von Bobrek hat Dr. Ignaz Landau am 22. d. M. anlässlich der Debatte über das Sanitäts-Budget das Wort ergriffen. Dr. Landau hat sich sehr kurz gefasst und sehr süsslich gesprochen. Selbst das Krakauer Stanczykenblatt „C z a s" ist mit ihm zufrieden. Ucbcr den Jungfern-Speech des Krakauer Abgeordneten bringen die Blätter nachstehenden Bericht. ,,Dr. Landau verwies darauf, dass der Landesau sschuss mit der Findel-Anstalt in Bobrek bei Oswieeim ein l.'ebereinkommen getroffen hat, wonacli diese Anstalt Kinder, die in der Wiener Findelanstalt geboren werden und nach Galizien zuständig sind, gegen Bezahlung einer monatlichen Alimentation von 14 Kronen aufnimmt. In der Presse wurde darauf hingewiesen, dass die jüdischen Kinder, die sich in dieser Anstalt befinden — und es waren ihrer in den letzten Jahren 80—90 —- gar keinen Reiigions-Unterricht gemessen, so dass sie ihrem Glauben untreu werden." Das ist alles, was der Vertreter der „Unabhängigen Juden" vorzubringen hatte. Die Ausführungen dieses Redners haben auf den Landtag und den Landesausschuss einen solchen Eindruck gemacht, dass der Budget-Referent und der Landmarschall gar nicht darauf reagierten .... Das Judenelend in Galizien. Damit es aber den Anschein hat, dass die „Hausjuden" neben den Fragen der Gendarmerie, der I andesbahn und der Landesbank auch an die Juden denken, haben sie sich ermannt und eine Interpellation überreicht. Dieselbe lautet: „1. Wann wird die Enquete einberufen werden, um die mit Landtagsbcschluss vom 27. März 1907 dem Landes-Ausschussc überwiesene Frage des j üd i s c h c n Massenelends zu prüfen? 2. Wann gedenkt der Landes-Ausschuss mit der Regierung in Unterhandlungen zu treten zwecks der Vorbereitung der auf die Beseitigung des jüdischen Massenelends, auf die Hebung der jüdischen Erwerbsfähigkeit und auf die sofortige Unterstützung der Notleidenden hinzielenden Massnahmen? 3. Wann gedenkt der Landes-Ausschuss seine konkreten Vorschläge dem Landtage zu unterbreiten?" 1 , Die Interpellation ist also überreicht; nun können die Herren in banger Sorge um den 2. Dezember weiter für Land und Nation arbeiten. Eine Niederlage Dr. Diamants. Der sozialdemokratische Abgeordnete unseres Judenviertels, Dr. D i a m a n t, hat das Bedürfnis empfunden, sich bei seinen jüdischen Wählern ein Vertrauensvotum zu holen. Diese schöne Absicht ist jedoch fehlgeschlagen. In der gestrigen Wählerversammlung musstc sirh Herr Dr. Diamant sagen lassen, dass er zwar für das internationale Proletariat sehr viel leiste, aber dem jüdischen Proletariat ganz gleichgültig sei. Der Redner der jüd,- sozialdem. Partei, Dr. Nussberg, erinnerte Herrn Dr. Diamant an seine Versprechungen, dass er die jüdischen Interessen und speziell die des jüdischen Proletariats vertreten werde. Statt dessen hat er die jüdischen Interessen verraten und polnischen Nationalismus geheuchelt. Es wurde nun folgende Resolution beantragt: „In Anbetracht des Verhaltens des Dr. Diamant gegenüber dem jüdisch-nationalen Proletariat kann derselbe als Vertreter des jüdischen Proletariats nicht anerkannt werden." Diese Resolution wurde mit grosser Majorität angenommen. Vielleicht, wird sich Dr. Diamant jetzt bessern. Keine Woche ohne Wegtaufe. Vorige Woche hauen wir wieder die Entführung eines jüdischen Mädchens in das Krakauer Felicianerinnen-Kloster zu verzeichnen. Diesmal war es der Schanker Michael Wieselt hier in Zbaraz bei Tarnopol, dem die 13 jährige Tochter Hindc bei Nacht und Nebel entführt wurde. Wie bereits erhoben wurde, haben dieses Verbrechen zwei Bäuerinnen in Begleitung eines -Knechtes begangen. Sie haben dabei auch die Schränke Wieselthiers erbrochen und seine Wertsachen gestohlen. Die Behörden walten nun ihres Amtes. Seit dem Falle Araten, weiss man wie. Das Bezirks-Gericht trägt der Krakauer Polizei auf, das Kind vom Kloster abzufordern. Dieses weigert sich, das Kind auszufolgen. Damit ist fi'r die Polizei der Fall erledigt. Und wiewohl es naheliegend wäre, dass die sechs jüdischen Landtags-Abgeordneten, da jetzt die Session dauert, an den Statthalter eine Anfrage richten, ziehen es diese Herren vor, zu schweigen, wiewohl Schweigen in diesem Falle mit Verrat der jüdischen Interessen gleichbedeutend ist. Es ist aber doch wirklich schön, dass die galizischen Juden sechs ,,Glaubensgenossen" im Landtage haben. .... ^prechsaah „Ein Bethaus-Obmann als klerikaler Geldgeber." Wir erhalten folgende Zuschrift: VerchrliclR1 Redaktion! Bezugnehmend auf den im ..S|<re< h>aal" IJirer Xunimcr 40 vom 9. Oktober 1908 unter dem Titel ..Ein BctliatisVorsteher als klerikaler Geldgeber" erschienenen Artikel ersuche ich im vSinnc des i; 19 Pr.-G. um Aufnahme nachstehender Berichtigung : Es ist unwahr, dass ich klerikalen Vereinen für klerikale Zwecke (leider zur Verfügung gestellt habe. Wahr ist vielmehr, dass ich dem unter dem Protektorate Sr kais. Hoheit Erzherzog Ferdinand Karl stehenden I nternehmen: Die Ausstellung ..Das Kind", allgemeine Ausstellung für Erziehung, Schutz und Gesamtwohl des Kindes'* zu Händen des Ausstellungsdirektors Franz Eichfelder zu Ausstellungszwecken ein Darlehen gewährte, zu dessen Rückzahlung erst im Prozesswege der Verein zur Heranbildung katholischer Lehrer in Wien als Konzessionär der Ausstellung mit Urteil des k. k. Landesgerichtes in Wien vom 2;. Februar 100X. Tg. VIII 71^ 7. bestätigt mit Erteil des Obersten Gerichtshofes vom 27. Juli 7908 herangezogen wurde. Mit dem genannten Vereine selbst stand ich nie in irgend welchen geschäftlichen Beziehungen, daher die Behauptung des Herrn Einsenders, dass ich klerikale 'Vereine oder klerikale Zwecke mit Geld unterstützte, \ ollkommen 'aus der Luft gegriffen ist. Ich zeichne mit vorzüglicher Hochachtung Max Roso nfeld, Obmann des Vereines ,,Beth Israel",

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