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Neue Nationalzeitung · 1908-10-23 · Heft 42 (23.10.1908) · p. Seite 9

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
X (1908)
Issue
Heft 42 (23.10.1908)
Date
1908-10-23
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 4'2. „Neue National-Zcitung" Seite 9. ftORR5SPCND5NZ£N *S r-.^f^.. ©«st«mich-Qngarti. Oeffentliche Vorstaiidssitzung. Wien. Die öffentliche Plenar sitzung des Yorstandes der israelitischen Kuhusgemciudc findet Sonntag, den 25. Oktober 1. f., 10 l'hr vormittags., statt.. T a g e s o r d n u n g : i'rü^Klialbci ieht. (\\ uhl - a n gel egen h c i t r n.) Die Koiil'ereiiz der jüdiscli-sozialdem. Partei Lemberg, den 18. Oktober. (Orig.-Korr.) Die hier abgehaltene Konferenz der jüdisch-sozialdemokratischen Partei gab derselben (lelegeuheit, ihr Programm vor die Oeffentlichkeit zu bringen. Als Stiefkinder der sozialdemokratischen Oesamtpartei, die von. der jüdischen Nationalität nichts wissen will, behandelt, haben sie dennoch einen Anhang erlangt und Dank ihrer Rührigk-.'il die galizischen So/iahstenführer gezwungen, dem von ihnen vernachlässigten jüdischen Proletariat mehr Aufmerksamkeit zu schenken. In einer Resolution wurde auch zum Ausdrucke gebracht, dass die jüdisch-sozialdemokratische Partei im Kampfe für die politische und ökonomische Pefreiung des jüdischen Proletariats vereinsamt" dastehe. .Sowohl die polnischen als auch die jüdischen Parteien gehen demselben aus dem .Wege. Es gebe keine wahre polnische Demokratie, und die pseudo-demokratischen Parteien sehen in dem jüdischen Emanzipalionskampfe nur einen Separatismus". Der Zionismus habe durch eine Reihe von Schwenkungen, die er in den letzten zwei Jahren vorgenommen hat, bewiesen, dass das jüdische Proletariat auf ihn nicht rechnen könne. Die ..unabhängigen Juden" seien nichts anderes als Opportunisten, die statt des Kampfes nur demokratische Philantropie betreiben und demoralisierende1 Kompromisse schliessen. Die jüdisch-sozialdemokratische Partei werde daher einen Kampf nach allen Kichtungen führen müssen. Schliesslich wurde beschlossen, die Parteileitung von Krakau nach Lemberg zu übertragen und ein Agitationsblatt in polnischer Sprache herauszugeben. Laudtags-Eröfftiuiig am Versöhnungstage. CzeritOWltZ, den 16. Oktober. In der Sitzung des Hukowinaer Landtages von gestern ergriff Landesausschussmitglied Dr. Straucher das Wort zu nachstehendem Protest: „Hohes Haus! Herr Landeshauptmann! Im eigenen Namen sowie in jenem der Herren Abgeordnetenkollegen Wilhelm Tittinger und Dr. Josef VV e i d e n f e 1 d beehre ich mich, an Euere Exzellenz die folgende Anfrage zu richten: Die Eröffnungssitzung des hohen Hauses hat in der gegenwärtig tagenden Session am 6. Oktober d. J. stattgefunden, d. i am höchsten jüdischen Feiertage, nämlich am jüdischen Versöhnungstage; aus diesem Grunde sind auch von uen drei jüdischen Mitgliedern des hohen Hauses zwei der Eröffnungssitzung fern geblieben. In dieser Anordnung der Haussitzung liegt eine Zurücksetzung der den Jaden staatsgrundgesetzlich gewahrleisteten Rechtsgleichheit und Gleichberechtigung. Es ist zweifellos und wäre vollständig berechtigt, dass in jenem Falle, wenn der 5. d. ein gebotener katholischer oder griecmsch-orientalischer Feiertag gewesen wäre, das hohe Haus weder für diesen Tag einberufen, hoch im Falle der Tagung die Sitzung anberaumt — und wenn unvermutet einberufen, eine Haussitzung nicht abgehalten worden wäre. — Ich muss daher wegen dieser ungleichen Behandlung der Judenschaft Protest einlegen und gestatte mir, darauf zu verweisen, dass in einem ähnlichen Falle der Präsident des Abgeordnetenhauses des österreichischen Reichsrates, Dr. Ritter v. Hasner, in der Sitzung des Abgeordnetenhauses vom 21. September 1863 mit-dessen Zustimmung den nächsten Sitzungstag deshalb auf einen späteren Zeitpunkt verlegt hat, weil inzwischen ein hoher jüdischer Feiertag, nämlich gleichfalls der jüdische Versöhnungstag, stattfand, Ebenso hat erst in den SOer Jahren des vergangenen Jahrhunderts der damalige Vizepräsident des Abgeordnetenhauses Dr. Katlirein am Vortage des jüdischen Versöhnungf-festes ohne Bafiagen des Abgeordnetenhauses dessen iiä hs!e Sitzung mit Rücksicht auf das jüdische Versöhnungsfest auf einen späteren Tag verlegt. Deshalb hat auch die Anordnung und Abhaltung der Haus- Sitzung, abgesehen davon, dass den judischen Mitgliedern die Teilnahme unmöglich gemacht worden ist, die Gefühle der Judenschaft vielfach empfindlich v.-.rletzt. Auch aus dem Grunle, damit kein Piajudiz in Hinkunft geschaffen werde, muss ich den eingebra».-Ilten Protest erheben und gestalte mir nun, an Se. Exzellenz den Herrn Landeshauptmann die geziemende Anfrage zu stellen : Gedenkt Se. Exzellenz zu verfügen, dass in Hinkunft Sitzungen des hohen Hauses an gebotenen hohen jüdischen Feiertagen niclit abgeha'-ten werden Der Landesha■■ptman wusste darauf nichts anderes zu erwidern, als dass die erste Sitzung atn 5. d. M. stattfinden musste(!j, weil der Landtag für diesen Tag einberufen worden sei, dass er aber in Hinkunft selbstverständlich alle gebotenen Feiertage, auch d e der Ja len, berücksichtigen wolle. Russland. Zur Ermordung Hertzensteins. Petersburg. Rechtsanwalt Weber, in dessen Händen;iUo Fäden des kürzlich;i geschlossenen Heitzenstem-Prozesses zusammen^ ifen. erklärte einem Mitarbeiter der „Russischen Börtenzeitung", da :s es ihm gelungen sei, tolgenden Zu: u nmenlaug zwischen der Ermordung Hertzensteins, dem Attentat aui den Gia'en Witte mit einer nichtexplodierten Höllenmaschine und die Ermordung des Abgeordneten Jollos in Mo.-kau festzustellen. Der an Hertzenstein-Prozess soeben zu sechs Monaten Gefängnis verurteilte P o 1 o w n e w war als Mitglied der Kampiesorta-nration des Verbandes echt russiscuer Leute der Leiter all dieser Verbrechen. So erschien Polownew mehrfach als Fussbodenpuir.er im hause dea Grafen Witte, um die La^e der Zimmer genau zu studieren. Mit ihm operierte jener Kadanzew, der kurz vor dem Attentat von Revolutionären im Waide aus Rache ermordet wurde, weil er die Ermordung des Abgeordneten Jollos auf Veranlassung Polovvnews derart eingrfädelt natte, da;s er einen revolutionären Arbeiter unter der Angabe, da<s Juilos reaktionär sei, zum Mörder dang. Poiowuew und Kada izew verschwendeten beide viel Geld, das die aus der mchtkontroliierten Verbandskasse entnahmen. Zu tieginn des verflossenen Sommers wohnte Polownew einer Sitzung des Komitees des Verbandes echt russischer Leute bei, in welcher er als Komiteemitglied die Auszahlung von 1800 Rubel forderte, die er zu verschiedenen Zwecken lür den Verband ausgegeben habe. .Nach stürmischen Debatten wurde dieses Ansuchen abgelehnt, weil gerade Ebbe in der Kasse war, worauf i'olowuew damit drohte, nach Finnland zu gehen und alle Teilnehmer an der Ermordung Hertzensteins anzugeben. Die Drohung l.a'J nichts. Erst als Polownew Ernst machte und sich den finniändisenen Behörden stellte, die ihn seit längerer Zeit suchten, verlügte das Huuptkomitee, dass dem Polownew 1800 Rubel ausgezahlt werden. Jetzt lehnte Polownew dies ab und verlangte 50 Jü Rubel Schweiggeld, die ihm sofort aus der Hauptkasse ausbezahlt wurden. Polownew versprach zu >chweigen und hat auch während des Prozesses keinen seiner Mitschuldigen verraten. Sollte das gegen ihn gefällte Urteil nicht gemildert werden, so erscheint es wahrscheinlich, dass er aus Ra he gegen den Verband alle Teilnehmer der genannten Verbrechen namhaft machen werde. GgM£iN0S=0N» VSRCkNSNMftRitWW wie«. Der „Hebräische Konversati< nsk.ub" gedenkt in diesem Winter seine Tätigkeit wieder aufzunehmen. Es werden daher sämtliche gewesene Mitglieder des Klubs, wie auch alle P. T. Damen und Herren, die sich für hebräische Konversation interessieren, hiemit höflichst ersucht, sich Samstag den 24. Oktober um 8 Uhr abends in der üblichen Zusammenkunftsstelle des Klubs (Jak- Brammer, IX., Liechtensteinstrasse 1), behufs Neukonstituierung des Klubs und Wahl eines Ausschusses einfinden zu wollen. Wien. (Scholem-Aleichem- Abend.) Aus Anlass des Jubiläums der 25jährigen literarischen Tätigkeit Scholem- Aleichems veranstaltet der akademische Verein „Jüdische

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