Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- X (1908)
- Issue
- Heft 42 (23.10.1908)
- Date
- 1908-10-23
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 42. Asiatische Türkei. (N a c h V i l a 1 C u i n e t.) Gesamtdarunter Juden be völkerg. absolut proztl Konstantinopel (asiat. Teil) . . . 240.381 6.670 2-77 MutessarifLk Ismidt .... 222.760 2..r00 112 Vilajet Brussa....... 1,620.869 3.225 0"i0 Mutessariflik Dardanellen . . . . 129.438 2.9S8 231 Vilajet Castamuni ..... 1018.912 17 — 892.901 478 C05 l,C47.7O0 400 0 04 „ Sivas .......... 1,086 015 „ Erzerum........ 645.702 „ Mamuret ul-Aziz..... 575.814 „ Diarbekr....... 471.462 „ Bitlik .... 398.625 „ Vau......... 430X00 „ Mossul......... £00.280 „ Bagdad......... 850.000 „ Bastorah........ 950 0C0 „ Smyrna........ 1,396.477 „ Konjah......... 1,088.000 „ Adana......... 403.430 „ Aleppo........ . 995.768 Mutessariflik Zor ........ 100.000 Vilajet Beirut......... 533.553 „ Damascus....... 955.680 Mutessariflik Libanon..... 399.530 „ Jerusalem..... T41.6f8 Vilajet Archipel.......f. 3.5.856 Summa . . 17,426 301 1.269 0 27 5.000 6.000 53 500 4.500 £2.515 (00 20.000 eo 25.136 5.380 1.16 200 6r0 047 161 0 05 200 O'Oö 471 0-56 39 866*) 11-67 0 58 1.897 201998 116 t)ic J^andtags^ahltn in Yv1i<?n. Den Landtagswahlen, die am 26. d. M. stattfinden, sieht die Wiener Judenschaft mit dem grössten Gleichmut entgegen. Abgesehen von dem Vereine ,,Union", der heute lediglich die Ofner-Richtung in der Politik vertrut und daher als Faktor in der jüdischen Politik gar nicht in Betracht kommt, sehen alle jüdischen Parteien dem Resultat der Wahlen resigniert entgegen. Die zionistische Partei hält sich im Gegensätze zu den Reichsratswahlen diesmal ganz fern. .Man erwartet nichts, hofft nichts, man hat nichts mehr zu verlieren, höchstens nur noch zu gewinnen. Fortschrittliche Kandidaten sind mit einiger Aussicht auf Krfolg in der Inneren Stadt (6 Mandate) und in der Leopoldstadt ('.: Mandate) aufgestellt worden. Beide Bezirke waren bisher in den Händen der Antisemiten. Von ,,fo;tv hrittlieher", d. h. jüdischer Seite hält m in es nicht für ausgeschlossen, dass diese beiden Bezirke bei intensiver Agitation und sobald, wie die Phrase heisst. alle ..fortschrittlichen Elemente", d. h. uich die, welche keine Juden sind, zusammenhalten, diese 8 Mandate den Antisemiten entrissen werden könnten. Da bei den ..Fortschrittlichen" in erster Linie jüdische Wähler in Betracht kommen, so wurden in beiden Bezirken auch j ü d i s c h e K a n d i d aten nominiert. Im I. Bezirk finden wir unter den aufgestellten Kandidaten den jüdischen Gemeinderat Dr. Oskar Hein. Der getaufte Doktor von Fürth bildet eine Konzession an die letzten l'eberreste der Sozialpolitikor. Im II. Bezirke wurden als fortschrittliche Kandidaten der Reichsrats- *) Anmerkung: Die Zahl der Juden im Mutessariflik Jerualem beträgt jetzt mindestens 60.000. abgeordnete Baron Hock und Advokat Doktor S c h w a r z - I I i 1 ] e r, von dem man bei dieser Gelegenheit erfährt, dass er ..mosaischer Konfession" ist, aufgestellt. Von den beiden obgenannten jüdischen Kandidaten hat Dr. Hein jedenfalls gewisse Verdienste auf dem Gebiete der Abwehr gegen den Antisemitismus. Fr hat ein lebhaftes Temperament, ein Interesse für jüdische Angelegenheiten und wäre als jüdischer Repräsentant im Landtag eine brauchbare Kraft. Dr. S c h w a r z - H i 11 e r hingegen hat bisher ein einziges Verdienst: er ist nicht getauft. Ein junger Advokat ohne Rednergabe, ohne jedes Interesse für jüdische Angelegenheiten. Er wird von der Union" und einer sozialpolitischen Koterie den jüdischen Wählern im H. Bezirke aufoktroyiert, weil er sich als Leib-Agitator des Dr. Ofncr bei den letzten Waheln betätigt hat. Indem die „Union", die sich immer mehr auf einen Leopoldstädtischen Wahlvereiu zurückbildet, diesen Mann den jüdischen Wählern aufgedrängt hat, beweist sie,.wie ihr kleinliche Cliqueninteressen höher stehen als die allgemeinen Interessen der jüdischen Bevölkerung. Von den jüdischen Wählern der Leopoldstadt wird auch tatsächlich diese Kandidatur gar nicht ernst genommen und die allgemeine Stimmung geht dahin, den Reichsratsabgeordneten Dr. Hock und den-sozialdemokratischen Kandidaren P i c k (die sozialdemokratische Partei hat diesmal, weil sie aus der Dummheit der Juden Nutzen ziehen wollte, einen „jüdische n" Kandidaten aufgestellt), zu wählen. Die Aufstellung der Kandidatur S eh war z - II i 11 e r wird daher zur Folge haben, dass selbst .im Falle einer freisinnigen Wahl in der Leopoldstadt nicht ein bürgerlicher Jude, sondern ein auch-„jüdischer" Sozialdemokrat gewählt werden wird. Es gibt jedoch Leute, die der Ansicht sind, dass Dr. O fn e r deswegen eine so schwache Kandidatur aufstellen lässt und nicht selbst kandidiert, um den Sozialdemokraten, deren Unterstützung er sein Reichsratsmandat zu verdanken hat, keine allzugrossen Schwierigkeiten zu machen. Im letzten Landtag ist kein einziger Jude gesessen. Die Chancen der jüdischen Kandidaten sind diesmal sehr zweifelhaft, weil das Wiener Bürgertum zum grössten Teil der antisemitischen Partei angehört. Kultuswnhkn in Ytf''«n. Am 15. neu Widder" einberufene hatte, .Liegen Eine Protest-Versammlung des Vereines „Linas Hazedek". d. M. fand im 2. Bezirk, „zum golde- , eine vom Verein ,,L in as LI a z e d ek" Versammlung statt, die den Zweck' die Sperrung des Bethauses an den hohen Feiertagen zu protestieren. Die Versammlung war massenhaft besucht, aus allen Kreisen der jüdischen Bevölkerung. Den Vorsitz führte Dr. Z i p s e r, das Referat erstattete Dr. Rybaczewski. Derselbe stellte in einer ausführlichen Rede den ganzen Sachverhalt dar, wie er sich abgespielt hat und wies in scharfen Worten die ungesetzliche Haltung des Kultusvorstandes bei der Sperrung des Bethauses nach. Er beantragte schliesslich folgende Resolution. 1. Die heute, am 15. Oktober 1.908, im Saale zum goldenen Widder abgehaltene Volksversammlung der jüdischen Glanbensgenossen aller rituellen Richtungen, spricht das tiefste Be»