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Neue Nationalzeitung · 1908-10-16 · Heft 41 (16.10.1908) · p. Seite 10

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
X (1908)
Issue
Heft 41 (16.10.1908)
Date
1908-10-16
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Seit* 10. Der Generalgouverneur von Odessa für das koschere Fleisch. In Odessa wird für koscheres Fleisch eine besondere Abgabe. „Kjorobotschnyj Sbor*' genannt, gezahlt, die das Fleisch um etwa 5 Kopeken das Pfund verteuert. Viele der ärmeren Juden fassten deshalb bei den schweren Zeiten den Beschluss, das billigere nichtkoschere Fleisch zu geniessen. Dadurch fühlte sich der Pächter der Abgabe auf koscheres Fleisch benachteiligt. Er war den Fleischern, die den Juden nichtkoschcrc h Fleisch verkauften, schon lange gram, konnte aber nichts gegen sie auslichten und selbst eine gerichtliche Klage, die er gegen sie anstrengte, führte nicht zum Ziele. So begab er sich denn schliesslich direkt zum Generalgouverneur Tolmatschew und klagte diesem sein Leid. „Die Juden halten ihre Religion nicht ein und ich erleide dadurch Verluste. Vielleicht wäre es möglich, auf Grund des Kriegszustandes . . ." Auf Grund des Kriegszustandes ist alles möglich und der General erhess sofort eine Verordnung, die den Titel: ,.Gegen Ueberschreitung der Vorschriften des Korobotschnyj Sbor" führt und auf den Verkauf von nichtkoscherem Fleisch an die Juden eine Strafe von 3000 Rubeln oder drei Monaten Gefängnis festsetzt. Nun soll es jemand in Odessa noch versuchen, den fudcn nichtkoscheres, Fleisch zu verkaufen. L'nter der Herrschaft des Kriegszustandes muss der Jude fromm 'sein. Da hilft nichts. — Und noch ein Fall. Fäne Synagoge in Odessa nahm einen Tempclsäng^r namens Aron Irschansky aus Cherson, der eine gute Stimme hat, auf und schloss Tnit 'ihm einen dreijährigen Vertrag mit einem Gehalt von 2F00 Rubeln jährlich ab. Nun geschah es, dass dieser Sänger dem Rabbiner Awinowitzkij, der bei der Bevölkerung unbeliebt ist, sich jedoch der Gunst des Generals ToJmatschew erfreut, nicht gefiel. Der Rabbiner kam zu dem Vorstand der Synagoge und erklärte, dass der neue Kantor fort müsse. „Wieso denn?" meinte der Vorstand, „wir haben ja schon den Vertrag mit ihm abgeschlossen!" — „Ganz gleich. Es wurde mir liinterbracht, dass er auf dem Wege von Cherson nach Odessa auf dem 'Dampfer Schweinefleisch gegessen hat, und ein solcher Mensch darf nicht Kantor sein." Der Vorstand lachte ihn aus, er aber ging zum General Tolmatschew, und noch an demselben Jage erhielt Irschansky den Befehl, sofort die 'Kantorstelle aufzugeben. Auf Grund des Kriegszustandes . . . Wie ist es aber mit dem Vortrag? werden Sie fragen. Er kann ihn doch gerichtlich einklagen? Meinen Sie? Und der Kriegszustand? l:nd eine unfreiwillige Reise nach Sibirien? Mit General Tolmatschew ist nicht gut zu scherzen. ' 1 Zur Ermordung Herzensteins. Am 29. September wurde in Terioki zum dritten Male die Gerichtsverhandlung kontra Poloniew, einen der vermutlichen Mörder Heiz e n - steins, wieder aufgenommen. Poloniew erhielt endlich einen, Verteidiger, Herrn Ostrowski, Juriskonsult des Hauptrates des echt-russischen Volksverbandes. Die Verhandlung inusste auch diesmal, und zwar bis zum 15. Oktober verschoben werden, weil einer der 'Hauptzeugen, der russische Gendarm Sapolski von der Station Terioki, der vor und nach der Ermordung Tlerzensteins Poloniew und Komplizen in seiner Amtsstube beherbergt und mit ihnen gezecht liat, noch immier nicht vor Gericht erschienen ist . . ., obwohl Sapolski jetzt im Dienste der russischen Geheimpolizei steht und von seinen Vorgesetzten zur Erfüllung seiner Pflicht dem Gericht gegenüber veranlasst werden konnte. Aber seine Vorgesetzten haben wahrlich kein Interesse daran, zur Aufdeckung der Wahrheit in diesem politischen Prozesse beizutragen. Im Gegenteil, die finnische Justizbehörde stösst fortwährend auf Hemmnisse von dieser Seite. So gelingt es auch nicht, die photographischc Aufnahme des der Mitschuld am Morde Plerzensteins verdächtigen Kasanzew, die den Akten in Sachen des Attentates auf Witte beigelegt ist, vom russischen Justizministerium zu erhalten. Es liegt nämlich der Verdacht nahe, dass ein und dieselbe Bande die Ermordung Herzensteins und dos Dr. Jollos. sowie das Attentat auf Witte unternommen hat. Die beiden letzten Verbrechen, weil in Russland geschehen, wurden noch im Voruntersuchungsstadium unterdrückt und vertuscht. Nur das finnische Gericht rüttelt noch hartnäckig an den Geheimnissen der absolutistischen Kontrerevolution. In der nächsten Nummer gelangen znr Veröffentlichung: Ein Artikel über Baal-Schern, den Gründer des Chassldlsmns (mit Forträt), ein Artikel über Dr. Chazanowlcz, den Gründer der Jüdischen Natlonalblbliothek in Jerusalem (mit Porträt) n. s. w. Auch wird In der nächsten Nummer das Porträt des ersten Jüdischen Feldmarschall-Lleutenants, Eduard Ritter von Sohweltzer, reproduziert werden. Nr. 41. leiste der ^usßefpefenei). (Vom f.—1 5. Oktober. 1 Freisinger Gertrud, geh. ßreslauer. Privatbcamtcnsgauin, geh 29. Oktober 1.S7X, Fipine <Ober-Schlesien:, XII., Schön bruimcrstrasse 140. Freisinger Leo. Privatbeamter. geb. 29. November 1877, Pilsen XII., Schönbrunnerstrasse 140. Jaffe Leo. Privat, geb. 1.8. März 1.S55. Posen i Preussen 1, 1. Bibei Strasse 10. Kapper Ilse, Komptoiristin, geb. 7. August 1883, Wien, XVII. Braungasse 14. Strasser Karl, Federfabrikant, geb. 4. Mär/ 1X77, Wien, XIV.. Diefenbachgasse 33. Schwarz Ludwig, abs. Jurist, geb. 3. April 1SS3. Wien. II.. ,,Hotel Continental". Weiss Sigmund. Schriftsetzer, geb. 30. August 1S84, Wien. III.. Haidingergasse 24. Adel Emil. k. k. Postamts-Praktikant, geb. 11. August 1S88. zu Fhota, IV., Weyringergasse 4. Blatt Elsa. Hofopernsängcrin, geb. 15. April I.S.So. Wien, F. Opernring 7. Heller Amalie. Journalistenstochter. geb. <>. funi 1 SS r, Wien, laut Zuschrift des Stadtrates Brünn. Hirschfeld Friedrich. Disponent, geb. 2. |u!i 1HH2, Linz ,;obei- Ocsterreit h >. XVI., Pen lient'eldersti ass ■ =13. Hof mann Josef, Konlorist. geb. 12. Dezember "18X3, Strakonitz 1 Böhmen 1, IV., Margaretenstrass.- 31. Pollak Artur, Fabrikant, geb. 5. Juni 1804, Prag. III., Gärtnergasse 5. Pollak Franz Gustav, Gymnasiast, geb. 17. September 1894. Wien, III., Gärtnergasse Koffler Bruno, geb. 10." Oktober 1870. AVien. ATI., Bernardgasse. 36. Moskowitz Betti, geb. Neuwirth. geb. 14. März 1885. Wien. X.. Humboldtgasse 36. Zwergbaum Moritz, Koinmis. geb. 10. Februar 1884. Wien. XVJI.. Gschwandtnergasse 40. Kreilesheim Lina. geb. 21. Oktober 1882, Wien. III., Untere Viaduktgasse 3. Meitner Elise. Privat, geb. 17. Xovember 1878, I.. Esslinggasse 15. Rode Sofie. Privat, geb. 10. Sepieniber 1877. ( zernowitz. VI., Theobaldgasse 7. Brückner Kamillo. Professor, geb. 18. Februar 1883. Ja roslau (Galizien >. I., Getreidemarkt 15. Saxl Friedrich, Student, geb. 8. Mai 1890. Wien. 1.. Salzgries 16. Kammyl Nuta uNatan. Hilfsarbeiter, geb. 9. Dezember 18C5. Peczenizyn Bez. Kolomea. Galizien >. XX.. Drcsdnerstr. 62. Wellesz Egon Josef, Dr., Privatbeamter. geb. 2t. Oktober 1885. Wien. XIX.. Rcithlcrgassc 10. Sinai Emil, Prokurist, geb." 8. April 1873, Floridsdoif, XIX... Hauptstrasse 20. Seider Heinrich, Monteur, geb. ir. Dezember 1879, Ilumpoletz- 1 Böhmern. XVI.. Ottakringerstrasse 149. Krakauer Berta, Privat, geb. 19.' Oktober 1859. Budapest, IX.. Bleichergasse 20. Trebitsch Anna, Privat, geb. 14. Juni 1878. Wien. XIII.. Auhofstrasse 202. Siegfried Hugo, Dr., Assistent der I. mediz. Klinik des k. k. Allgem. Krankenhauses, geb. 28. Februar 1872, IX.. Mariannengasse 14, Kuhn Rudolf, Privatbeamter, geb. 24. November 1882, Brünn, IX.. Berggasse 27. Singer Karoline, Privat, geb. 9. Xovember 1873, Budapest. IX.. Xussdorfcrstras.se 78. Steiner Ernst, Schlossergehilfe, geb. 30. Juni 1874, Klösterle. IX.. Schlagergasse 4. Winternitz Gustav, Privatbeamter. geb. 10. September 1S67, IN.. Servitengasse 1. Winternitz Klara, geb. Wurmser, Privatbeanuensgattin, geb. v. Jänner 1875. IX., Servitengasse j. Kohn Rosalie, geb. Mekler, Bezirksarztenswitwe. geb. 20. April 1856. AVien. IX.. Aiserbachstrasse 2. Leiner Irma Marie. Privat, geb. 18. April 1880, Prag. IN.. Frankgasse 4. Ellissen Ida Theodora. PHva\ geb. 14. April 188a. AVien, I.. Opernring 17. Medina Helene uürk.-isr. 1. jKanzlistin, geh. 17. Oktober 1SS5, AVien. II., Stuwerstrasse 18. Spenden. N. N. in Berlin: Für die jüdischen Waisenkinder in rhrzanou und für die arme Frau in der Stumper'asse Xr ->(> je 2 Mk. j,Neue National-Zeitung"

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