Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- X (1908)
- Issue
- Heft 41 (16.10.1908)
- Date
- 1908-10-16
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Neue National Zeitung" Seite 7. Nr. 41. nachdem sie bereits der Hofoper nicht mehr angehört, sich taufen lässt, so dürften dabei wohl persönliche Gründe mitspielen; sie soll einen christlichen Offizier heiraten .... Für die Tochter eines Kantors kein schlechtes Avancement, Der erste jüdische Walkataster. Wien, den 15. Oktober. (Orig.-Korr.) Von den mehreren Handschreiben, welche der Kaiser anlässlich 'der Annexion von Bosnien und Herzegowina erlassen hat, verdient von jüdischem Gesichtspunkte das Handschreiben an den Reichs-Finanzminister von Burian besondere Aufmerksamkeit. In demselben wird den neuen Reichshmden eine Landesvertretung und j e d e r K o n 1 e s s i o n eine besondere parlamentarische Repräsentanz in Aussicht gestellt. Der Passus lautet: ..Der zu schaffende Yertretungskörper, aufgebaut auf dem (Grundsatz der Interessenvertretung-, soll ein möglichst getreues Abbild -der in neiden Ländern bestehenden national e n, k i) n f e s s i o n e 1 1 e n u n d p o 1 i t i s r Ii e n '/. \\- stände s e i n. datier sollen die hervorragenden Würdenträger, die nach Bildung und Wohlsland obenan stehenden Bewohner der Städte und jene der Landgemeinden in besonderen Kurien vertreten sein u n d d i e W ä Ii 1 e r ,i n j e d e r K u r i e n a e h Konf ossiiin getiennt a I) s t i m m e n. um nicht allein d i e g u t e 1", i n i r a cht z w i > c h e n den (11 a u b e n s b c k e n n t n i s s .• n v o r S ( <"> r u n g e n z u b e - w a h l e n. s o n d e r n a u c h j e d e r d e r s e 1 1» e n d i e i h r v e r h ä 1 t n i s m ä s s i g z u k o m m e n d e \ n z a h 1 v o n \" e rtretern zu sie h e r n." Hiemit erhalten die Juden von Bosnien und Herzegowina zuerst ihren eigenen jüdischen Wahlkatastcr. Der Anfang wäre gemacht! Warum sollte dasselbe nicht auch in den anderen Ländern derselben Monarchie möglich sein? Der jüdische Kulturkampf in Ungarn. Budapest, den u. Oktober. (Orig.-Korr.) Für Juden, denen die ungarischen Verhältnisse fremd sind, wird es immer .schwerer verständlich bleiben, dass die Juden Ungarns unter einander einen Kampf darüber führen, ob es nur eine jüdischen Konfession gebe, oder deren zwei oder gar mehrere. Die Frbsündc des unrühmlichen Kongresses vom fahre fSY>~ zerwühlt das innere Leben der [uden l ngarns und lässt sie der politisch.-n Rechte, die sie in verhältnismässig ausgiebigen .Masse besitzen, niemals vevlM froh werden. U\e Ovth-.KloKen. vv\ ewiger Angst, von den Xeologen verschlungen zu werden, hören nicht auf. nach gründlicher Trennung zu rufen, während die Xeologen alles aufbieten, den Gedanken nicht aufkommen zu lassen, dass die jüdische Religion nicht einheitlich sei und es zu verhüten trachten, dass das Schisma im Judentum staatliche Gesetzeskraft erlange. Seit dem Jahre 1867 wechseln die Chancen der einzelnen Parteien nach der Parteistellung des jeweiligen Kultusministers und das Schlimmste an der Sache ist, dass dieser innere Kampf bisher von jeder Regierung als Yorwand benützt wurde, weshalb der XXXI. G.-A. vom Jahre 1848, der von der staatlichen l'nterstützung der rezipierten Konfessionen handelt, bisher bezüglich der jüdischen Konfession nicht in vollem l'mfange durchgeführt w erden könne. So oft ein neuer Kultusminister kommt, versucht er, sich an die Lösung dieser heiklen Frage zumachen, muss aber angesichts der Hartnäckigkeit, mit welcher die beiden Parteien auf ihrem Standpunkt verharren, bald den Versuch aufgeben. So hat sich diese ungelöste und fast unlösbar scheinende Frage von einer Regierung auf die andere vererbt. Der jetzige Kultusminister, Graf Albert Apponyi, neigt seinem ganzen Wesen und seiner ganzen Erziehung nach der Orthodoxie zu. Er hat diese seine Neigung auch den orthodoxen Juden gegenüber wiederholt an den Tag gelegt und sich dadurch die Gegnerschaft der Xeologen zugezogen. Nichts- Idestoweniger gab der Minister wiederholt die Erklärung ab, die Frage so rasch als möglich einer endgültigen Lösung zuführen zu wollen und forderte die offiziellen Landesx ertretungen der beiden Parteien auf, sich über die Sache selbst und über die Möglichkeit eines gemeinsamen Kongresses auszusprechen. Die neologen Ge.neindedistrikts - Präsidenten haben in einer am 15. Juli 1. J.stattgehabten Sitzung den Beschluss gefasst, dem Kultusminister ein Memorandum zu überreichen, in welchem sie den Minister bitten, im Interesse der Schaffung einer einheitlichen Organisation ehestens den „israelitischen Kongress" einzuberufen. Dieses Memorandum wurde nun am 8. d. M. in je einem Exemplar dein Kultusminister, Grafen Albert Apponyi, dessen Staatssekretär Johann T o t h, und dem Ministerpräsidenten Dr. \Y e k e r 1 e überreicht. Das Petitum des Memorandums geht dahin, der Minister möge gleichzeitig mit der Einberufung des ..israelitischen Kongresses" zugleich auch aus - sprechen, dass bezüglich der gesetzlichen Tnartikulierung der vom Kongress zu erbringenden Beschlüsse in absehbarer Zeit der Gesetzgebung eine entsprechende Gesetzesvorlage zugehen soll, welche auch die , Jnartikulierung des autonomen R e c h t e s der einheitlich organisierten israelitischen Konfession" enthalten möge. Der Minister hat das Memorandum mit der üblichen Versicherung entgegengenommen, die Sache unparteiisch prüfen zu wollen. Dann wird er mit gleicher Versicherung das Memorandum der Orthodoxen entgegennehmen, in welchem haarklein •nachgewiesen w erden wird, dass das Heil des Judentums und des Staates in einer Spaltung des Judentums liege. Lad der Minister wird unparteiisch" prüfe.1 und wird zu demselben wirklich tinp u tei - ischen Urteile seiner Vorgänger gelangen, dass den wvj,;\v\scheu Judeu nicht zu helfen ist. J o c h a n a n. deutsches Kelch. Die Denkschrift der Notabeln-Konferenz. Berlin, den 13. Oktober. (Orig.-KorO Das von der Notabeln-Konferenz eingesetzte Komitee hat sich an die grossen jüdischen Organisationen mit einem ausführlichen Memorandam gewendet. In diesem Memorandum, das sich ..Denkschrift" betitelt, heisst es: ..Die traurigen Ereignisse. \<>n denen iinsere östlichen Glaubensgenossen im Laute des letzten Vierteljahrhunderts betroffen worden sind, halten zur Evidenz bewiesen, dass die jüdische Wohlfahrtspflege trotz der Zahl und. der Mittel der ihr dienenden < »rganir-ationeu. den an sie herantretenden Aufgaben nicht in \ ollem Lmfange gerecht zu werden vermag". Insbesondere war sie, wenige "Falle ausgenommen, nicht in der Lage, das Eintreten grosser Katastrophen zu verhüten, obwohl deren Herannahen bekannt war. Ist es vor allem schon höchst beklagenswert, dass bei der bisherigen Organisation den hochherzigsten jüdischen Wohltätern und den am besten ausgestatteten WohlfahrtsgescHschaftcn nur das traurige Amt zufiel,