Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- X (1908)
- Issue
- Heft 41 (16.10.1908)
- Date
- 1908-10-16
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seifce 6. ,Ncuc National-Zeituug' Nr. 41. Hb^eoFdneteF J^övVenstcin gegen die „Uudische Zeitung". (Eine Ehrenbeleidigungsklage.) \V i e n, den i t A)ktober. Am letzten 1 )onnerst ig hat heim Bezirksgericht losefstadt in Strafsachen vor dem Strafrichter, Oberlandesgerichtsrat Dr. von Heidt, die Verhandlung über die Ehrenbeleidigungsklage des Reichsrats-Abgeordneten Dr. Nathan l. ö w e n s t e i n gegen Herrn Alexander Geller, verantwortlicher Redakteur der Jüdischen Zeitung" stall gefunden. Gegenstand der Klage war ein Artikel der .Jüdischen Zeitung" vom 7. August 1. J.. worin unter der Spitzmarke ,AVie man Judenmörder empfängt" gegen Dr. L öw e n s t e i n eine Reihe von Schimpfworten gebraucht wurde. In diesem Artikel hiess es u. a.: ..IVr T.öwenstrin und di r As' hk<>n;i^- reihst waren nicht besoffen, denn llausjiukn miUsi'ii allezeit klai.-n Kopfes und dienstbereit sein. Ks war n ü r Ii t e r n s t e H ü b e r e i, wenn diese Juden dem |udenniörder die Hände le< kten, dem Bluthunde huldigten. - Lumpen hat jede Xatimi. also hat auch das jüdische Volk seine l'olenklubjudcn." Diese und andere Stellen des Artikels wurden vom Dr. L ö w e n s t e i n durch Dr. Alois R u z i c k a zum Gegenstand einer Pressklage beim Wiener Landesgerichte gemacht. Hier aber erklärte Herr Alexander Gell e r, er habe den Artikel vor dem Drucklegen n i c h t g e 1 e s e n, er lehne daher jede Verantwortung ab. Das war zwar nicht sehr mutig und bewies, was wir wiederholt behauptet haben, dass Herr Geller nur ein armes Hascherl von einem S i t z r e d a k t e u r ist. allein es blieb dem Landesgerichte nichts anderes übrig, als den Akt dem Bezirksgerichte abzutreten, wo sich Herr Geller bloss wegen der Unterlassung der pflichtmässigen Obsorge zu verantworten hat. Zur bberwähnten Verhandlung vom letzten Donnerstag ist Herr Geller - - nicht erschienen. Sein Verteidiger Dr. Isidor M a r g u 1 i e s hat einen Wahrheitsbeweis nicht angetreten, sondern erklärt, sein Mandant sei krank, er bitte um Vertagung. Da Doktor Ruzicka mit der Vertagung einverstanden war, wurde dieselbe vom Richter beschlossen. Abgesehen von diesem feigen Verhalten der Jüdischen Zeitung" gegenüber einem Manne, gegen den von zionistischer Seite ein rücksichtsloser Kampf geführt wird, ist diese Strafsache auch vom juristischen Gesichtspunkte sehr interessant. Nach § 56 der Strafprozess-Ordnung gehören nämlich mehrere Strafsachen, die gegen eine Person anhängig sind, vor dasselbe Gericht. Gehört eine der zusammenhängenden Strafsachen vor das Schwurgeric ht, so gibt sie für die Zuständigkeit den Ausschlag. Gegen Herrn Geller ist bereits infolge der Pressklage des Dr. S. R. Landau beim Landesals Schwurgericht des Strafverfahren anhängig. Ks durfte daher die Klage des Dr. Löwenstein dem Bezirksgerichte nicht abgetreten werden. Herr Geller, resp. sein Verteidiger Dr. Isidor Margulies hätten das Recht, sich gegen die Abtretung zu verwahren. Line solche Abtretung wäre nur möglich gemäss £ 57 St.-P -(). auf Grund eines besonderen Ausscheidungsbeschlusses, welcher im vorliegenden Falle nicht gefasst wurde. Hier liegt ein Versehen des Landesgerichtes vor. Herrn Geller kam es gelegen und er remonstrierte dagegen nicht. Warum, werden wir bald erfahren. . . , fiPftRCiPON&BNZGN ®estcmich-(£|fi£ai*ft. Ein Zwischenfall am Advokatentag. Wien, den 15. Oktober. (Orig.-Korr.) Die Verhandlungen am Advokatentage und die in der Sektion für Standesfragen gefassten Resolutionen haben zu einem bedauerlichen Konflikt mit dem Obersten Gerichtshof geführt, der ein Ausbleiben der höchsten Justizfunktionäre vom Bankett zur Folge hatte. Von unserem Standpunkte finden wir es sehr beklagenswert, dass es gerade jüdische Advokaten waren, welche durch ihr provokatorisches Benehmen und ihren nationalen Chauvinismus diesen peinlichen Zwischenfall hervorgerufen haben. Ls ist ja sonderbar, dass gerade der in Lemberg geborene Dr. Felix H ö 11 i g s m a n n, der im Vorstande der polnischjüdischen Synagoge' sitzt, der als Dolmetsch d e r p o 1 n i s c h e n S p r a c h c a r b e i t e t und daher leichter als jeder andere Wiener Kollege Vertretungen für den Wiener Kassationshof aus Galizien bekommt, plötzlich am Advokatentage als waschechter Ten tone auftritt und die Verhandlungen beim Obersten Gerichtshof als ungesetzlich hinstellt, weil sie nicht ausschliesslich (!) in deutscher Sprache durchgeführt werden. Ihm sekundierte ein zweiter j ü d i s c h c r Advokat, Dr. LI a r pn e r. mit den Worten: ,AVir (Wer ist das? Anm. der Red.) verlangen die deutsche Verhandlungssprache!" Man sollte ja meinen, dass heutzutage, in den Zeiten der lex Schmid, die Juden kein Interesse hätten, sich für das Deutschtum zu exponieren und die Slavein zu reizen, dass es für Advokaten, und noch dazu für jüdische Advokaten, andere Sorge gebe, als die Verhandlungssprache beim Obersten Gerichtshof. Allein es hat sich am Advokatentage kein Deutscher gefunden, um di>e deutsc he Sprache zu retten, und deshalb hat sich gerade ein polnischer Jude dieser Aufgabe unterzogen. Was Herr Dr. Hönigsmann mit seinem .Auftreten und speziell mit seinen ohne jede nähere Begründung vorgebrachten Angriffen gegen die ..ungesetzliche Zusammensetzung" des Obersten Gerichtshofes bezweckt hat, ist uns nicht recht klar. Aus Reklame hat er es ja gewiss nicht getan, gewiss auch nicht aus Rancune, weil er noch nicht zum Hofrat beim Obersten Gerichtshöfe ernannt wurde. Es war vielmehr blinder Eifer, der, wie gewöhnlich, auch diesmal nur Schaden gestiftet und für Jahre hinaus die Position des Advokatenstandes beim Obersten Gerichtshof geschwächt hat. Die Taufe der Elsa Bland. Wien, den rr. Oktober. (Orig.-Korr.) Wie aus der Austrittsliste zu ersehen, ist die vormalige Hofopernsängerin Elsa Bland aus dem fudentuni ausgetreten. Wie wir erfahren, ist sie bereits zum Christentum übergetreten. Fräulein Bland ist die Tochter des verstorbenen Wiener Kantors B 1 a 11 und die Nichte eines Wiener Gemeinde-Rabbiners. Sie ist jüngst vom Direktor der Hofoper aus geheimnisvollen Gründen plötdieh gekündigt worden und damals waren es gerade die „liberalen" Blätter, die sich ihrer energisch annahmen, Wenn sie nun jetzt, . n