Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- X (1908)
- Issue
- Heft 41 (16.10.1908)
- Date
- 1908-10-16
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2425679-2425722-2425763--1068-2427399- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seit« i. „Neue National-Zeitung' und durch von Fäulnis zerfressen und wird wie vermodertes Holz zerfallen man muss nur diesen Würmern des Hasses Gelegenheit geben, das Herzinnere dieses Landes zu zernagen und seine Rinde zu zerfressen Der Riese wird nicht standhalten können mit Krachen und Lärm wird er in den Abgrund der Vergessenheit stürzen, dorthin, wohin schon viele Völker, wegen derselben Sünde gestürzt sind: Rom, Aegypten und Babylon stürzten und zerfielen wegen ihres Hasses gegen die Völker, die ihr Land bewohnten. iDenn, wie das Eis kann der Hass nicht als Zement dienen, und wehe dem Lande, das einem Gebäude aus Eis gleicht, wo besiegte und geknechtete Nationen, von Hass überschüttet und von Grausamkeit in Eis verwandelt, als Säulen und Stützen für Mauern und Decken dienen .... Macht unser Land nicht diesem Gebäude gleich und lasst nicht Hass in die Euer Land bewohnenden Völker-gegen Euch aufkommen. Lasst Euer vereistes Heiz auftauen und streckt Euere Arme den Bedrückten und Verstossenen entgegen! . . . . - Unter uns lebend erfüllte sich an den Juden die furchtbare Prophezeiung . . . Welch furchtbare und entsetzliche Menschen sind aber wir, wenn wir an all dem die Schuld tragen und durch endlose Ausweisungen ihren Füssen keine Ruhe geben und durch Pogroms und Morde ihnen bebende Herzen, erblindende Aug-en und Seelen kummer gegeben haben? .... Besinnt Euch Menschen und nehmet W-rnuaL an! Führt Eure Schrecken nicht bis zum traurigsten Ende!" .... :Doch ach! Die Worte des grossen Mannes gleichen einstweilen dem einsamen Rufe in der Wüste .... „^assentaufen jüdischer f.inddkindcp". Revne der Presse. Die Wiener jüdischen Blätter haben die Massentaufen von Bobrek ganz -- verschwiegen. Für die .»Oesterreichische Wochenschrift". die Wahrheit" und die zionistische .Jüdische Zeitung" hat das Verschleppen von 62 jüdischen Kindern nach Bobrek zum Zwecke der 'Taufe, gar kein Interesse. . . Das trägt ja nichts, und betrifft gar kein .,1'artei"- Interesse. Es ist ,,bloss" eine j ü d i s c h e Angelegenheit. Dagegen erzählen das Krakauer Organ der ..Unabhängigen Juden" und der zionistische ,,Wschod" mit wenigen Worten ihren Lesern den Sachverhalt. Beide Organe haben in rührender Eintracht den Namen unserer Zeitung und des Artikelschrcibers unterschlagen; Das ist zwar vom journalistischen Standpunkte nicht loyal; doch erheben diese Blätter wohl keinen Anspruch, nach journalistischer Loyalität beurteilt zu werden. Sehr wacker steht uns der Krakauer ..IIa m i c p e" mit seinen Publikationen zur Seite. Umsomehr schenkt die auswärtige jüdische Presse dieser Schmach ihre besondere Aufmerksamkeit und widmet ihr ausführliche Besprechungen. . So schreibt die .Jüdische Presse" in Berlin : ,,Dr. S. R. L a n (I .1 u hat es unternommen, die In ein' ' Öffentlichkeit auf diese ,,Erziehungsanstalt" aufmerksam zu machen, und was er ma< . h eingehendem .Studium der Verhältnisse in seinen Berichten niederlegt, genügt, um zu beweisen, mit welch' sträflichem Leichtsinn die Tätigkeit der Erzieher'* bisher unkontrolliert, blieb . . . Dies geschieht seit Jahren in mitten eines sozusagen zivilisierten Landes, inmitten grosser Ki eise der .ansässigen Judenschaft, die dem Schauspiel seit Jali.eii zusieht, ohne einen Finger zu rühren! Einmal hat es eine judisi he Krau versucht, die gesamte judenschaft für diese unglücklichen Kinder anzurufen; sie hat selbst geopfert, was sie opfern konnte, um ein jüdisches Waisenhaus zu errichten, al>e. ihr edier Eifer scheiterte an der Lethargie derjenigen, die beiufeii waren. Wandel zu schaffen. So blieb .Alles, wie e> nun einmal war; der Landes Ausschuss übergibt die zuständigen unehelichen Kindeljüdischen ülaubcns jiach wie vor de. katlvolischen Erziehungsanstalt; Jahr um Jahr wächst die Zahl der (Getauften. Das Traurigste ist aber, dass bei einigem guten Willen leicht Wandel zu schaffen wäre. Der Landes- Ausschuss wurde die jüdischen Kinder gerne einem jüdischen Erziehungsheim übergeben, wenn ein solches ohne staatliche Jlilfe entstein. Sollte das wirklich so ganz unmöglich sein? Können, dürfen unsere Kultusgemeinden ihre Mitwirkung versagen? Ist es nicht eine blutige Ironie, wenn Studenten- V e 1 e i n e n S u b v e n i i o n e n b e w i 1 I i g t w erde n und für die Rettung jüdischer Kinder nichts zu vergeben ist? Bisher wai jeder .\ppell an uns tc Gemeinden vergeblich. Wenn auch dit sei letzt.- Weckruf ungehört verhalten sollte, dann möge sii Ii die a u s 1 a n d i .-, c Ii e Judenschaft dieser Kinder annehmen." 1 )er Frankfurter ,,I s r a e 1 i t" berichtet: „Dr. S. R. Landau Wien, der sich in dankenswerter Weise der Sache annahm und die Anstalt besuchte, gibt eine Schilderung der Misstände, die wohl dazu angetan sein sollten, endlich die (lewiss-n aufzurütteln und die Herren, die es angeht, an ihre l'Nichi. dem Judentum gegenüber, eindringlich zu e rinne r n .Nun ist e-. an den (iem - Inden () a 1 i z i e n s, mit allen Mitteln die-, -n \'e,;n zu fördern und ihn in den Stand /.u setzen, d;c I'.., i -hang der unglücklic hen jüdischen Kinder in Bobrek, so weit dic-.es noch möglich ist. in die Hand zu nehmen und die Ae.sgesto-oenen ilncr Religion zu erhalten. Aber auch die grossen, p h i ] a n t r o p i s c h e n Organisationen, die in (ializien ein umfangreiches Hilfswerk entfalten, müssten sich die Sache angelegen sein lassen. Denn, ist am Ii die Linderung materiellen Elends an sich ein gutjüdische, löhliches Werk, so darf doch darüber die geistige N ot, wie s;e uns in ihren bittersten Formen aus Bobrek entg-egenschreij, im ht ausser Acht gelassen werden." ..Die Welt" sammelt .... auch in Galizicn. * Das Verhalten der „Hausjuden". (Von unserem Korrespondenten.) Pen. b e r g, den 12. Oktober, Das grosse Glück, welches den Juden in Galizicn durch die Froberung von 6 Landtagsmandaten zuteil wurde, zeigt sich jetzt in seinem wahren Glänze. Seit Wochen sitzt der Landtag zusammen und kein einziger ..unserer" sechs Abgeordneten hat es der Mühe wert gefunden, irgend ein politisches oder wirtschaftliches Postulat der jüdischen Bevölkerung in Galizicn ins Rollen zu bringen. Die sechs Herren sitzen ganz gemütlich im Kiub der polnischen. D e m o k r a t i e beisamm-\i, als dessen ,,Tlausjuden" sie sich wohl fühlen. Der Benjamin unter den Mausjuden", Dr. Ignaz Landau von den „In abhängigen Juden" in Krakau, die sich so wild geberden und als die Lrlüscr des jüdischen Volkes gericren wollen, scheint sich noch nicht hervorzutrauea. Die anderen ..Glaubensgenossen" haben im Interesse des Landes vollauf zu tun. Dr. Nathan L ö w e n s t e i n beschäftigt sich mit der Landesbank, Dr. F r u c h t m a n n mit der Gendarmerie und Doktor Koli scher mit den Landesbahnen. So ist es f erklärlich, dass die ,, Landtagshausjuden" bisher keine. Zeit gefunden haben, betreffs der Affaire Bobrek vom Landesausschusse auch nur in zahmer Form Aufklärung zu verlangen.